Terminmarkt: CoT-Report vom 02.07.2021

Der Preis fiel zur Vorwoche um 6 Dollar, während die Spekulanten netto 1 Tsd. Kontrakte long gingen und so auf eine Preiserholung setzten. Dies zeigt leichte Schwäche zur Vorwoche, nachdem in den beiden Vorwochen Angebot und Nachfrage eher ausgeglichen waren. Vor dem Preiseinbruch, als der Platinpreis noch bei 1.240 US-Dollar notierte und trendlos seitwärts lief, zeigte sich über einige Wochen relative Schwäche. Daher mahnten wir bereits frühzeitig vor dem Preiseinbruch, der in den letzten Wochen schließlich folgte.

Die Daten sind nun absolut schon nahe dem Kaufbereich, doch im Verhältnis zum Open Interest sind diese mit einem CoT-Index von 44 Punkten gerade einmal im neutralen Bereich. Hier zeigt sich, dass sich dieser Markt, diametral gegensätzlich zum Palladiummarkt, nicht in einem Defizit befindet. In einem solchen Umfeld ist damit zu rechnen, dass sich die Terminmarktdaten weiterhin größtenteils bereinigen werden, bevor ein zyklisches Tief gefunden wird.

Der Markt ist noch nicht überverkauft, weshalb das CRV für antizyklische Käufe aktuell nur durchwachsen ist. Nur dann, wenn der Goldpreis über 1.800 US-Dollar ausbrechen und weiter ansteigen kann, wäre es möglich, dass zusätzliche Investmentnachfrage den Platinpreis mit nach oben ziehen wird. Sollte der Goldpreis jedoch wieder fallen und die Korrektur fortsetzen, so gäbe es noch genügend Potenzial für eine weitere Korrektur am Terminmarkt für Platin.

Platinum Commitments of Traders 05.07.2021

Die Terminmarktdaten für Silber zeigten in der letzten Woche wieder Schwäche

Den Preisrückgang hatten wir frühzeitig Anfang Mai bereits antizipiert und als Korrekturziel die Unterstützung bei 1.010 US-Dollar genannt.

  • Obwohl der Goldpreis im März noch einmal deutlich anstieg, konnte Platin keinen Boden mehr gut machen, was von Schwäche zeugte.
  • Im gleichen Zeitraum offenbarte sich auch Schwäche im CoT-Report, was das bärische Setup noch einmal untermauert hatte.

Mit dem Bruch des Aufwärtstrends manifestierte sich das immer pessimistischere Bild für den Platinpreis und wir blieben bärisch mit dem Ziel bei 1.010 US-Dollar, wo wir antizyklische Käufe empfohlen hatten. Mit dem schnellen und starken Einbruch des Goldpreises nach der letzten hawkischen Fed-Sitzung, warfen die bereits nervösen Bullen am Platinmarkt das Handtuch und es kam zum schnellen und starken Abverkauf an die Unterstützung bei 1.010 US-Dollar.

Unser Kursziel wurde mit dem Einbruch schneller erreicht, als wir es erwartet hatten und so kauften wir, wie angekündigt, an der Unterstützung, was uns bereits einen Profit von 75 US-Dollar je Feinunze brachte.

Im kurzfristigen Chart zeigt sich ein weiteres prozyklisches Kaufsignal, wenn der Abwärtstrend überwunden wird. Dieses Szenario ist jedoch nur dann möglich, wenn der Goldpreis wieder über 1.800 US-Dollar ausbrechen und weiter ansteigen kann.

Sollte der Goldpreis in der kommenden Handelswoche jedoch wieder und womöglich weiter korrigieren, dann kommt es zu einem erneuten Test der Unterstützung bei 1.010 US-Dollar, wobei dann sogar ein Sell Off auf 860 US-Dollar möglich wäre. Aktuell sind wir noch long, wobei wir vor einer Woche am Freitag, den 25.06.2021, am Abwärtstrend bereits 50 % des Gewinns eingestrichen hatten, nachdem der neueste CoT-Report vor Handelsschluss eher schwach ausgefallen war.

Platinum Commitments of Traders II 05.07.2021

Noch ist der Abwärtstrend bei Platin intakt. Das Korrekturziel wurde bereits abgearbeitet

Im Tageschart sehen wir einen langfristigen Aufwärtstrend, der exakt an der Unterstützung bei 1.010 US-Dollar verläuft, womit beide zusammen eine stärkere Kreuzunterstützung bilden. Es ist durchaus möglich, dass erst noch einmal diese Kreuzunterstützung angelaufen und getestet wird, bevor letztlich der Abwärtstrend gebrochen und somit ein prozyklisches Kaufsignal generiert werden kann.

Sollte der Edelmetallsektor über den Sommer hinweg schwach bleiben, so wäre im schlimmsten Fall ein Rücksetzer bis in den Bereich von 860 US-Dollar denkbar, wo wir jedoch beherzt wieder antizyklisch als Käufer auf kurz-, mittel- und langfristige Sicht aktiv würden.

Platinum Commitments of Traders III 05.07.2021

Bei 1.010 US-Dollar liegt eine starke Kreuzunterstützung

Der Langfristchart sieht sehr schön aus. Wir hatten bereits im letzten Jahr mit dem Ausbruch über 1.000 US-Dollar ein Kaufsignal bis 1.350 US-Dollar gegeben, von wo aus wir mit einer erneuten Korrektur auf 1.000 US-Dollar gerechnet haben. Das war nur ein grobes Szenario, das wir aus der fundamentalen Schwäche am Platinmarkt abgeleitet hatten, doch letztlich exakt so eintraf.

Charttechnisch wurde der Ausbruch über den Widerstand bei 1.000 US-Dollar von den Spekulanten gekauft, worauf es nun einen Pull Back auf den ehemaligen Widerstand gab, der nun als Unterstützung fungiert. Kann dieser sowie der Aufwärtstrend gehalten werden, so wäre dies mittel- bis langfristig bullisch. Es ist gut möglich, dass an dieser Unterstützung industrielle Verbraucher den günstigen Preis nutzen werden, um ihre Lagerbestände aufzustocken und so dazu beitragen, dass der Preis von dort aus erneut ansteigen wird.

Platinum Commitments of Traders IV 05.07.2021

Langfristig zeigt der Chart eine Trendumkehr und ein Ende der langfristigen Abwärtstrends

Das Platin-Palladium-Ratio zeigt, dass Platin in den vergangenen 50 Jahren immer teurer war als Palladium, mit Ausnahme der Jahrtausendwende und aktuell seit 2017. Aktuell wird die Feinunze Palladium historisch einmalig 160 % über dem Preis von Platin gehandelt.

Nach dem WPIC (World Platinum Investment Council) soll die Nachfrage nach Platin aus der Automobilindustrie in diesem Jahr um 25 % zum Vorjahr auf 3 Millionen Unzen ansteigen. Begründet wird dies mit einen Aufholeffekt nach dem Einbruch der Nachfrage im letzten Jahr aufgrund der Lockdowns. Man erwartet daher für dieses Jahr einen 16 % höheren Absatz von Neufahrzeugen. Zusätzlich sollen die neuen Euro 6d und die China 6a-Norm für einen Anstieg der Nachfrage sorgen.

Wir sehen in den letzten Jahren in der Industrie eine fortschreitende Substituierung von Palladium durch das günstigere Platin. Der Palladiummarkt ist immer noch eng und solange dies anhält, dürfte dieser Umstand für weiter steigende Preise sorgen, worauf auch die Substitution weiter fortschreiten und letztlich auch zu steigenden Platinpreisen führen wird. Diese Transformation ist ein langsamer Prozess und man schätzt, dass jährlich etwa 1,5 Millionen Unzen Palladium in der Industrie durch Platin ersetzt werden.

Langfristig ist es konsequent logisch und wahrscheinlich, dass die Substitution in der Zukunft zu einem Überangebot bei Palladium und einem Defizit bei Platin führen wird. Das Ratio würde dann wieder ansteigen, wobei Platin das Palladium massiv outperformen dürfte. Würde das Ratio nur zu seinem Durchschnitt der letzten 50 Jahre bei 3 zurückkehren, entspräche dies einer sechsmal besseren Performance von Platin zu Palladium in der Zukunft.

Will man ein langfristig ausgerichtetes Edelmetalldepot auf Sicht von mindestens einer Dekade diversifizieren, so wäre Platin eine Spekulation wert. Da Platin auch zu Gold und Silber historisch günstig ist, wäre es denkbar, dass Platin sogar die monetären Edelmetalle in den kommenden zehn Jahren outperformen könnte. Kurzfristig hat Platin noch mit einem Überangebot zu kämpfen, doch auf Sicht einer Dekade scheint das Risiko begrenzt und die Gewinnchance sehr hoch zu sein, weshalb wir den aktuellen Rücksetzer zum Aufbau langfristiger Positionen nutzen.

Platinum Palladium Ratio 05.07.2021

Langfristig gibt es viel Fantasie für einen Preisanstieg von Platin

Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.