Ein Flashcrash am Kryptomarkt in der Nacht von Samstag auf Sonntag versetzte viele Investoren in Panik. Der Bitcoin brach zwischen 2 Uhr und 5 Uhr morgens um 16 % auf 50.500 US-Dollar ein. Deutlich höher waren die Verluste bei den anderen Kryptos, den sogenannten „Altcoins“, wie beispielsweise Monero (-22 %), Dash (-32 %), Ethereum (-20 %), Hedera (-31 %) und Zcash (-38 %).

Es gab mehrere Punkte, die diesen Einbruch ausgelöst haben. Die Conditio sine qua non für derartige Flashcrashs ist jedoch so gut wie immer ein extrem bullisches Sentiment mit einhergehend hoher Spekulation, wobei viele Investoren auf Kredit gehebelt investiert sind. Wenn bereits jeder gekauft hat, dann reicht oftmals das Fehlen neuer Käufer aus, um Gewinnmitnahmen auszulösen, worauf gestaffelte Stop-Loss-Orders der Spekulanten kaskadenartige Verkäufe auslösen, die dann den Flashcrash verursachen. Oftmals erleiden unerfahrene Anleger, die ein zu hohes Risiko ohne Absicherung eingingen, einen Margin Call und somit einen Totalverlust.

Ein Beispiel für diese heiß gelaufene Stimmung ist der in den letzten Monaten immer wieder durch Elon Musk gehypte Spaß-Meme-Krypto „Dodgecoin“, der zeitweise die fünftgrößte Marktkapitalisierung hinter dem Bitcoin erreichte, nachdem dieser innerhalb eines Jahres um das 220-fache auf 40 US-Cent anstieg. Wenn ein Coin, der keinerlei Nutzen hat, eine Marktkapitalisierung von 50 Milliarden US-Dollar erreicht, dann dürfte selbst dem größten Krypto-Enthusiasten mit Scheuklappen, dieser irrationale Überschwang bewusst werden. Diese Kryptomanie scheint selbst die Dotcom-Blase, in der alles gekauft wurde, was „.com“ im Namen hatte, in den Schatten zu stellen. Dodgecoin stieg allein am Freitag um 100 % an und die Nachfrage war so hoch, dass Spekulanten, die versuchten Dodgecoin zu traden, die Seite der Handelsplattform Robinhood am Freitag crashten. Vergangene Woche ging die Krypto-Handelsplattform „Coinbase“ erstmals an die Börse und wurde an der Nasdaq zu 100 Milliarden US-Dollar bewertet, was mehr ist als die weltweit meisten großen etablierten Aktienbörsen zusammengerechnet.

Einer der Auslöser für den Flashcrash soll zudem eine unbestätigte Twitter Meldung sein, wonach das US-Finanzministerium Klage wegen Geldwäsche gegen Institutionen, die Kryptowährungen verwenden, erheben will. Es gibt dafür noch keinerlei Bestätigung und es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Gerücht wirklich bestätigt.

Kein Gerücht war jedoch das Verbot von Kryptowährungen in der Türkei, das vergangene Woche ausgesprochen wurde. Mit Wirkung Ende April sind dort Zahlungen mit Digitalwährungen gänzlich verboten. Auch in Indien soll es einen neuen Vorstoß geben, um Kryptowährungen komplett zu verbieten und auch die USA scheinen Druck aufbauen zu wollen. Womöglich hat das Verbot den ein oder anderen Großinvestor abgeschreckt und nach der starken Rallye zur Gewinnmitnahme bewegt. Die Krypto-Gemeinde versucht das Verbot in der Türkei herunterzuspielen, da man diese ja immer noch besitzen dürfe und ein Besitzverbot unmöglich umzusetzen wäre.

Dennoch dürfen ab Mai die türkischen Händler und Geschäfte keine Kryptowährungen mehr annehmen, was den Sinn des Haltens von Kryptowährungen, außer zum Zwecke der Spekulation, ad absurdum führt. Dieses Beispiel zeigt, wie leicht dem Währungswettbewerb mit einem Federstreich des staatlichen Gewaltmonopols der Gar ausgemacht werden kann. Die türkische Regierung versucht mit dem Verbot das staatliche Geldmonopol bzw. die türkische Lira, die sich seit Jahren im freien Fall befindet, zu schützen. Alle Fiat-Währungen der Welt werden aufgrund der gigantischen QE-Programme in den nächsten Jahren massiv abwerten und auch die EZB sowie die Fed könnten ähnliche Verbote anstreben, um die Konkurrenz auszuschalten.

Charttechnisch ist der Bitcoin angeschlagen. Sollte der Bitcoin-Kurs nach einer Zwischenerholung wieder die Marke von 50.000 US-Dollar unterschreiten, so droht ein nochmaliger zweiter Abverkauf. Es bestünde dann auch die Möglichkeit, dass der Kryptomarkt über die nächsten Monate erst einmal in eine Korrektur übergehen könnte. Bullisch löst sich die Situation auf, wenn es dem Bitcoin gelingt den Widerstand bei 62.000 US-Dollar wieder zu nehmen, was dann einen schnelle Fortsetzung der Rallye mit sich bringen würde.

Bitcoin 19.04.2021

Der Ausbruch über 62.000 US-Dollar scheiterte, weshalb Gewinnmitnahmen einsetzten und der Bitcoin auf die nächste Unterstützung bei 50.000 US-Dollar fiel

Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.