Terminmarkt: Neutralität aber mit viel Potenzial, wenn der Ausbruch gelingt

Die Netto-Shortposition der Big 4 erhöhte sich von 34 auf 36 Tage der Weltproduktion und die der Big 8 erhöhte sich von 50 auf 52 Tage. Zuerst zeigten die Daten über zwei Wochen Neutralität, dann zwei Wochen relative Stärke und nun sind sie wieder neutral. Der CoT-Report ist zu dem der Vorwoche nahezu unverändert und liefert keine neuen Infos. Wir hätten uns einen Anstieg der spekulativen Position bei relativer Schwäche und einem Gegenhalten der Big 4 gewünscht, was wir früher immer sahen, wenn Widerstände nicht zu knacken waren. Aktuell ist jedoch genau das Gegenteil zu sehen: die Big 4 decken sich bei hohen Preisen ein und es ist kein Zeichen von Schwäche bisher zu sehen.

Das Scheitern des Ausbruchs bis zum Wochenschluss wird erst im nächstwöchigen Report zu sehen sein und kann damit erst dann beurteilen werden. Immerhin sehen wir in dieser Woche einen kleinen Positionsaufbau bei den Big 4, doch eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und die Veränderung ist zu klein, um eine signifikante Aussagekraft zu haben.

Insgesamt sind die Daten mit einem CoT-Index bei 42 Punkten im neutralen Bereich. Der Markt ist aktuell, trotz des Preisanstiegs seit dem Shutdown-Tief im März, immer noch nicht überkauft. Sollte dem Goldpreis der Ausbruch über den Widerstand bei 1.800 US-Dollar gelingen, dann wäre am Terminmarkt noch genügend Pulver trocken, um den Silberpreis zwei bis drei US-Dollar spekulativ nach oben zu treiben. Kommt dann noch zusätzliche Investmentnachfrage in ETF-Produkte hinzu, so wäre ein Anstieg bis zu dem Widerstand bei 26 US-Dollar sehr gut möglich.

Silver Commitment of Traders I 13.07.2020

Der Terminmarkt wäre eigentlich im Verkaufsbereich, doch zeigt sich noch immer Stärke und ein Defizit am physischen Markt

Silver Commitment of Traders II 13.07.2020

Normalerweise decken sich die Big 4 erst am Ende einer Korrektur ein – dieser Vorgang ist ein bullisches Indiz

High Noon auch am Silbermarkt – die Entscheidung naht

Am Terminmarkt gibt es genügend Luft nach oben, doch zeigten sich diese in den letzten Wochen mehrheitlich neutral, was auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage am physischen Markt hindeutet. Ohne die Führung des Goldpreises wird es dem Silberpreis daher nicht aus eigener Kraft gelingen, den Widerstand bei 19 US-Dollar zu überwinden. Die Marke von 19 US-Dollar fungierte in den letzten zehn Jahren sehr oft als zuverlässige Unterstützung oder als Widerstand. Gelingt dem Goldpreis nun der erfolgreiche Ausbruch über 1.800 US-Dollar, so wäre dies ein Signal für Spekulanten sowie Investoren auch in diesem Markt auf die Käuferseite zu wechseln. Dies würde folglich wieder zu einem Defizit am Silbermarkt führen und der Ausbruch über den Widerstand wird dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch gelingen.

Ist der Ausbruch erst einmal geschafft, dann liegt der nächste starke Widerstand erst bei 26 US-Dollar, wobei im Bereich von 21 US-Dollar und 22 US-Dollar auch noch ein leichter, jedoch eher unbedeutender Widerstand liegt. Gelingt also der Ausbruch, dann ist mit einem weiteren Anstieg auf 26 US-Dollar zu rechnen, wo dann eine kurzzeitige Korrektur des Anstiegs einsetzten sollte, weshalb Trader dann kurzzeitig Gewinne mitnehmen sollten.

Silver Commitment of Traders III 13.07.2020

Der Widerstand bei 19 US-Dollar fungierte in der vergangenen Dekade mehrmals als Unterstützung sowie als Widerstand

Im Tageschart sehen wir den Widerstand bei 19 US-Dollar noch einmal aus der Nähe. In der letzten Handelswoche begannen die Bullen und die Bären eine Schlacht an dieser Marke, die bis zum heutigen Tage noch nicht entschieden ist. Dem Gold- und Silberpreis eint eine kurzfristig sehr hohe Korrelation. Scheitert daher der Ausbruch beim Goldpreis, dann wird auch der Ausbruch am Silbermarkt scheitern. In diesem Fall wärelediglich eine begrenzte Korrektur bis höchstens 16,50 US-Dollar zu erwarten, was dann bereits wieder eine kurzfristige sowie auch mittel- bis langfristige Kaufmöglichkeit bieten dürfte.

Während wir im Februar vor dem Einbruch ein klares und starkes Verkaufssignal und im März mit den QE-Programmen ein starkes eindeutiges Kaufsignal hatten, ist die Situation aktuell sehr schwer einzuschätzen. Die QE-Programme erhöhen die Investmentnachfrage, während die Wirtschaftskrise diametral gegensätzlich die industrielle Nachfrage schwächt. Wenn die unterliegende physische Nachfrage stark schwankt, so wird die kurzfristige Prognosefähigkeit stark erschwert, wobei der charttechnische Handel hier zumindest die Signale vorgibt. Die letzten zwei Monate standen wir daher auf der Seitenlinie und warteten ab, wobei wir auf einen Rücksetzer hofften. Sollte der Ausbruch beim Gold und beim Silber jetzt gelingen, muss man über 19 US-Dollar wieder prozyklisch auf der Käuferseite stehen.

Silver Commitment of Traders IV 13.07.2020

Der Kampf um den Widerstand bei 19 US-Dollar ist noch nicht entschieden

Der Silberfuture notiert aktuell bei 19,10 US-Dollar und damit leicht über dem Widerstand, der bei einem erfolgreichen Ausbruch zur Unterstützung mutiert. Bricht hingegen der kurzfristige Aufwärtstrend (grün) und die Unterstützung bei 18,90 US-Dollar, wie man hier im kurzfristigen Chart sieht, während auch die Kreuzunterstützung beim Gold fällt, muss man den Ausbruchsversuch als gescheitert betrachten. Noch ist alles offen – entweder erfolgt kommende Woche ein Ausbruch und einer neuen Rallye oder die Konsolidierung auf hohem Niveau setzt sich mit einem Rücksetzer fort.

Silver Commitment of Traders V 13.07.2020

Die Kreuzunterstützung bei 18,90 US-Dollar muss jetzt halten, sonst droht der Ausbruch zu scheitern

Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.