Am Donnerstag fiel der Goldpreis auf die Unterstützung bei 1.900 US-Dollar, nachdem der ADP-Arbeitsmarktbericht mit 497 Tsd. neuen Stellen deutlich oberhalb des Marktkonsens von 228 Tsd. lag. Dieses Indiz auf eine robuste Wirtschaftsentwicklung erhöhte die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsanhebungen der US-Notenbank, was Verkäufe am Goldmarkt nach sich zog.

Der ADP-Bericht basiert auf den Daten einer halben Millionen US-Unternehmen mit etwa 25 Millionen Beschäftigten und gilt als Indikator für den offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung. Während der ADP-Bericht die Beschäftigung in der Privatwirtschaft darstellt, beinhaltet der offizielle Bericht auch den staatlichen Bereich.

Die nach dem ADP-Bericht hoch gesteckten Erwartungen für die Arbeitsmarktzahlen am Freitag wurden jedoch schnell wieder enttäuscht. Der Goldpreis sprang am Freitagnachmittag wieder auf 1.935 US-Dollar, nachdem die US-Arbeitsmarktdaten mit 209 Tsd. neu geschaffener Stellen außerhalb der Landwirtschaft die Markterwartung von 225 Tsd. verfehlten. Dies war das erste Mal seit 13 Monaten, dass die Markterwartungen verfehlt wurden, was womöglich ein erstes Indiz auf eine Trendwende am Arbeitsmarkt und eine aufziehende Rezession sein könnte.

Die Arbeitslosenquote entsprach mit 3,6 % zum Vorjahr genau der Markterwartung. Die durchschnittlichen Stundenlöhne kletterten gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent und damit stärker als erwartet (+0,3 %), was auf eine persistent hohe Inflationsrate hindeutet. Die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Zinsanhebung um 25 Basispunkte der US-Notenbank am 26. Juli liegt nach den Fed Funds Futures aktuell bei 92 %. Einen zweiten Zinsschritt bis Jahresende sieht der Markt aktuell jedoch nur mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 30 %.

Die Mitglieder des Offenmarktausschusses gehen hingegen von mindestens zwei weiteren Zinserhöhungen bis Jahresende aus. Die beständig hohe Inflation über der „Zielmarke“ von 2 % und der starke Arbeitsmarkt sollen die Gründe dafür sein. Powell sagte erst vorletzte Woche, dass es noch ein “langer Weg” sei und die Zinsen auf längere Zeit nicht gesenkt werden.

Die Arbeitsmarktdaten für den Juni lagen erstmals seit 13 Monaten unter den Erwartungen

Die Arbeitsmarktdaten für den Juni lagen erstmals seit 13 Monaten unter den Erwartungen

Der ADP-Arbeitsmarktzahlen aus der Privatwirtschaft vom Donnerstag fielen stark aus und lagen weit über den Erwartungen

Der ADP-Arbeitsmarktzahlen aus der Privatwirtschaft vom Donnerstag fielen stark aus und lagen weit über den Erwartungen

Die Arbeitslosenquote in den USA bildet einen Boden aus

Die Arbeitslosenquote in den USA bildet einen Boden aus

Während der Goldpreis zur Vorwoche nahezu unverändert schloss, konnte der Silberpreis mit einem Plus von 2,3 % bei 23,29 US-Dollar ins Wochenende gehen. Die Industriemetalle Platin und Palladium, deren Preise aufgrund des Technologiewechsels hin zu Elektrofahrzeugen und aufgrund der aufziehenden Rezession zunehmend unter Druck geraten, konnten in der letzten Woche ein kleines Plus von 0,7 % und 1,2 % verbuchen, was nicht mehr als eine technische Gegenreaktion in einem schwachen Nachfrageumfeld ist.

Silber zeigte sich stark in der letzten Handelswoche

Silber zeigte sich stark in der letzten Handelswoche

Die Goldminen im HUI Goldminenindex fielen entgegen dem Goldpreis jedoch stärker um 2,4 % zur Vorwoche und eskomptieren womöglich bereits frühzeitig eine Fortsetzung der Korrektur am Goldmarkt. Die schrumpfende Geldmenge und die fortgesetzten Zinsanhebungen belasten den Goldmarkt kurzfristig. Sobald die Unterstützung bei 1.900 US-Dollar bricht, was aktuell sehr wahrscheinlich zu sein scheint, sollte ein Preisrückgang auf ca. 1800 US-Dollarfolgen, worauf auch der HUI-Goldminenindex noch einmal in den Bereich um die 180 bis190 Punkte abrutschen dürfte.

Da ich mit meinem Abonnenten bei 280 Punkten im HUI die Gewinne aus der letzten Rallye mitgenommen habe, sehen wir im Bereich von 180 bis 200 Punkten ein gutes Niveau, um die Hände aufzuhalten und erneut die vorher verkauften Goldminen wieder zurückzukaufen mit einer voraussichtlichen Haltedauer von 6 bis 18 Monaten.

Das Kaufniveau am Minenmarkt kommt langsam näher

Das Kaufniveau am Minenmarkt kommt langsam näher

Neue US-Inflationszahlen in dieser Woche

In der neuen Handelswoche werden wieder einige Inflationszahlen veröffentlicht werden, die den Devisen- und Edelmetallmarkt bewegen dürften. Am Dienstagmorgen um 8 Uhr werden die neuen Inflationszahlen für die Bundesrepublik veröffentlicht werden. Aktuell wird ein Anstieg der Inflationsrate auf 6,8 % erwartet nach 6,3 % im Vormonat.

Am Mittwochnachmittag um 14:30 Uhr erscheinen die neuesten Inflationszahlen aus den USA. Nach 4 % YOY im Vormonat wird hier mit einem weiteren Rückgang auf 3,1 % gerechnet. Mit 4 % war der Preisdruck in den USA nach der offiziellen Lesart zuletzt so niedrig wie im März 2021.

Die US-Notenbank blickt jedoch eher auf die persönlichen Konsumausgaben. Dieser PCE-Kerninflationsrate, bei der die schwankenden Nahrungsmittel- und Energiekosten außen vor bleiben, wurde erst vor einer Woche veröffentlicht und fielen mit 4,4 % niedriger aus als der Marktkonsens von 4,6 %. Zum Vormonat lag der Preisanstieg mit +0,3 % ebenfalls unterhalb der Markterwartung.

Sollten die neuen Inflationszahlen in dieser Woche heißer ausfallen als vom Markt erwartet wird, dann könnte dies dazu führen, dass die für den Goldpreis wichtige Unterstützung bei 1.900 US-Dollar fallen wird. Auf der anderen Seite wurden zum Ende der letzten Handelswoche die Abwärtstrends bei Gold und Silber getestet. Sollten diese mit schwächeren Inflationszahlen überwunden werden, so könnte der Goldpreis die Unterstützung bei 1.900 US-Dollar zumindest noch einige Tage oder Wochen länger diese Unterstützung verteidigen.

Insgesamt fehlen dem Goldmarkt aktuell die Katalysatoren für eine neue Rallye. Je länger die Geldmengenkontraktion anhält und Notenbankeingriffe auf sich warten lassen, desto mehr Verkaufsdruck kommt am Goldmarkt auf. Diese Korrektur des Goldpreises bietet jedoch enorme Chancen, denn spätestens im nächsten Jahr erwarte ich, dass die US-Notenbank wieder mit dem Drucken von Geld auf eine neue Rezession reagieren wird.

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Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.