Nach einer sensationellen Rally hat der Goldpreis zuletzt kräftig nachgegeben. Umso gespannter warten Investoren auf die US-Inflationsdaten am Freitag.
In den vergangenen Tagen war etliches los an den Börsen. Zuerst gab es am vergangenen Donnerstag, 16. Oktober, Turbulenzen an den Aktienmärkten, nachdem zwei US-Regionalbanken überraschend hohe Kreditausfälle berichtet hatten, was nicht zuletzt auch auf Kreditbetrug zurückzuführen war.
In dem Umfeld hatten Investoren plötzlich Sorge, dass das auch auf die großen US-Banken und schlussendlich auf die Realwirtschaft überschwappen könnte, und haben bei S&P500- und DAX-Aktien den Verkaufen-Knopf gedrückt.
Allerdings ist der S&P500 bereits tags darauf am Freitag wieder deutlich nach oben gedreht, was auch den DAX mit nach oben gezogen hat. Zum Start in die neue Handelswoche ist der S&P500 dann am Montag in die Nähe des Rekordhochs geklettert, was wiederum den DAX beflügelt hat.
Hingegen sind der Gold- und der Silberpreis nach der vorherigen Rekordfahrt am Dienstag eingebrochen. Allerdings kann ich keine fundamentalen Gründe für den Kursrutsch nach unten finden. Meiner Meinung nach war das reine Kursmanipulation nach unten.
Da dürften etliche Banken in großem Stil Gold und Silber verkauft haben, um mit dem Kurseinbruch Privatanleger zu verunsichern und sie vom Kauf von physischem Gold und Silber abzuschrecken.
Trotz des Kurseinbruchs zuletzt steht bei Kursen von um die 4.150 US-Dollar je Unze Gold immer noch ein Kursanstieg um 57,5 Prozent gegenüber Jahresanfang zu Buche. Das ist einfach sensationell!
Ich denke allerdings, dass viele Gold-Fans auf die Kursmanipulation nach unten nicht reinfallen werden und vielmehr eine Beruhigung abwarten werden, um anschließend die deutlich gesunkenen Preise zu nutzen, um wieder physisches Gold und Silber zu kaufen.
Dann könnte der Schuss der Banken nach hinten losgehen, weil die sinkenden Preise die Nachfrage nach physischem Gold und Silber umso mehr anheizen könnten.
Allerdings hat sich die charttechnische Lage bei Gold und Silber nach dem Kurseinbruch kurzfristig verschlechtert. Denn nachdem der Computerhandel wochenlang bei steigenden Kursen weiter Gold (und Silber) gekauft hat und damit die Kurse auf Rekordhochs getrieben hat, hat der Computerhandel zuletzt bei sinkenden Kursen Gold (und Silber) verkauft, wodurch sich der Kursrückgang deutlich ausgeweitet hat.
Dabei sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen zuletzt bis auf 3,96 Prozent gesunken und lagen damit in der Nähe des 13-Monats-Tiefs. Bemerkenswerterweise hat sich der US-Dollar zuletzt dennoch etwas weiter erholt, was den Goldpreis belastet hat.
Warten auf Daten vom US-Häusermarkt …
Umso gespannter warten Investoren auf die wenigen Konjunkturdaten aus den USA, die trotz des Shutdowns veröffentlicht werden. So werden am Donnerstag, 23. Oktober (16 Uhr deutscher Zeit), die Zahlen zu den Verkäufen bestehender Häuser vom Branchenverband National Association of Realtors bekanntgegeben.
Laut den Schätzungen der Volkswirte soll der Absatz im September leicht gestiegen sein auf eine Jahresrate von 4,06 Mio. Einheiten, nach 4,0 Mio. für August.
Sollten die Daten überraschend schwach ausfallen – ist doch der Immobilienkauf wegen der sehr hohen Preise für viele Normalverdiener weiterhin praktisch unerschwinglich – dürften die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen weiter sinken. Sollte das auch den US-Dollar mit nach unten ziehen, bekäme der Goldpreis von zwei Seiten aus Rückenwind.
… und US-Inflationsdaten
Tags darauf, am Freitag, stehen die US-Inflationsdaten ganz oben auf der Agenda der Investoren. Die Daten werden um 14.30 Uhr veröffentlicht. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die Inflationsrate im September etwas gestiegen sein auf 3,1 Prozent, nach 2,9 Prozent für August. Hingegen soll die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, bei 3,1 Prozent stagnieren.
Mich würde es keineswegs überraschen, wenn die Daten überraschend gut ausfallen würden. Schließlich ist wenige Tage später, am Mittwoch, 29. Oktober, Fed-Sitzung, und da kann US-Präsident Donald Trump absolut kein Interesse an schlechten Inflationsdaten haben. Für viele Investoren ist es ohnehin ausgemachte Sache, dass die Fed den Leitzins um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf 3,75 bis 4,00 Prozent senken dürfte.
Zudem erwarten Investoren eine weitere Senkung um 25 Basispunkte bei der darauffolgenden Sitzung am 10. Dezember. Je besser allerdings die Inflationsdaten für September ausfallen sollten, umso mehr könnten Investoren beginnen zu spekulieren, dass es im Dezember statt zu einer Senkung um 25 Basispunkte sogar zu einer um 50 Basispunkte kommen könnte.
Das würde für weiteren Abwärtsdruck auf die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen sorgen und sollte meiner Meinung nach auch den US-Dollar mit nach unten ziehen. Im Gegenzug sollte der Goldpreis deutlich nach oben drehen.
Ich kann nicht ausschließen, dass sich der Kursrückgang bei Gold und Silber kurzfristig noch etwas ausweiten könnte. Allerdings hat sich an den fundamentalen Aussichten absolut nichts verändert – sie sind weiterhin glänzend. Daher würde es mich nicht überraschen, wenn die Preise für Gold und Silber spätestens nach der Veröffentlichung der US-Inflationsdaten am Freitag wieder deutlich nach oben drehen würden.
Entsprechend sollte es sich lohnen, nach einer Beruhigung am Markt die deutlich gesunkenen Preise für Gold und Silber zu nutzen, um die physischen Bestände weiter deutlich aufzustocken.
