Die weltweiten Aktienmärkte haben bislang dem kräftigen Zinsanstieg getrotzt, während der Goldpreis zuletzt etwas nachgegeben hat. Investoren warten auf das Fed-Protokoll am Mittwochabend.
Ein Thema beherrscht plötzlich die Börsenschlagzeilen: der weltweit kräftige Zinsanstieg auf das höchste Niveau seit Jahrzehnten. Das hat zuletzt für etwas Gegenwind an den Aktienmärkten gesorgt, wobei gerade die hochbewerteten Chipaktien eingebrochen sind. Das macht großen Sinn, schließlich werden die erwartet stark steigenden Gewinne dieser Unternehmen viel stärker abdiskontiert als bislang.
In dem Umfeld war der Goldpreis am Montag, 18. August, kurz eingeknickt und lag im Tief knapp unter 4.330 US-Dollar je Unze, ehe sich die Notierung etwas erholt hat.
Was war genau passiert? So waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen am Montag mit 4,75 Prozent auf das höchste Niveau seit Juni 2007, also ein Neunzehn-Jahres-Hoch, geklettert. Gleichzeitig sind die Zinsen für 30-jährige US-Anleihen mit 5,31 Prozent auf den höchsten Wert seit Juli 2004, also ein Zweiundzwanzig-Jahres-Hoch, gestiegen.
Den Grund hierfür habe ich in den vergangenen Wochen zahllose Male aufgezeigt. Es liegt an der Schuldensause der Hyperscaler in den USA, also der großen Betreiber von Rechenzentren. Laut den Berechnungen von Experten haben sie seit Jahresanfang knapp 500 Mrd. US-Dollar Schulden gemacht, um den Bau immer neuer Rechenzentren zu finanzieren. Das liegt meilenweit über dem Niveau des Gesamtjahres 2025 von 322 Milliarden US-Dollar.
Je größer aber die Kreditnachfrage insgesamt ist von Staat, privaten Haushalten und Unternehmen, umso mehr treibt das die Zinsen nach oben, nicht nur bei den Hyperscalern, sondern auch bei den Staatsanleihen.
Gleichzeitig sind die Zinsen für 10-jährige japanische Anleihen mit 2,9 Prozent auf ein Dreißig-Jahres-Hoch nach oben geschossen. Damit spricht der Anleihenmarkt sein zunehmendes Misstrauen gegenüber Regierungschefin Sanae Takaichi aus, die mit noch viel mehr Schulden die Probleme Japans „lösen“ will. Das ist der reine Irrwitz! Gleichzeitig erlebt Japan eine Währungskrise mit dem anhaltenden Verfall des Yen.
Der kräftige Zinsanstieg in den USA und Japan zieht auch die Zinsen in der Eurozone deutlich mit nach oben, zumal die Schuldensause in Deutschland auf vollen Touren läuft. So will die Bundesregierung im Jahr 2026 181,6 Mrd. Euro neue Schulden machen, das sind horrende 34,6 Prozent der Ausgaben auf Bundesebene – der reine Irrwitz! 2027 soll die Neuverschuldung auf 203,6 Milliarden Euro steigen. Jedem sollte klar sein, dass bei anhaltend schwacher Konjunktur das Haushaltsdefizit noch deutlich höher ausfallen dürfte als geplant.
Warten auf Fed-Protokoll und Einkaufsmanagerindizes
In dem Umfeld warten Investoren gespannt auf das Fed-Protokoll, das am Mittwochabend, 19. August, um 20 Uhr veröffentlicht wird. Eigentlich sollte es keine Überraschung enthalten, schließlich hatte Fed-Chef Kevin Warsh nach der Sitzung am 29. Juli signalisiert, dass eine mögliche Zinserhöhung kurzfristig kein Thema sei.
Nach den zuletzt schwachen Daten vom Arbeitsmarkt, Inflationsdaten im Rahmen der Erwartungen sowie schwachen Zahlen zu Neubaubeginnen, Industrieproduktion und anstehenden Häuserverkäufen ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) bei der nächsten Sitzung am 16. September auf nurmehr 33 Prozent zurückgegangen. Sollten vor dem Hintergrund der hohen Zinsen die schwachen Konjunkturdaten anhalten, wovon ich ausgehe, sollte eine mögliche Zinserhöhung im September immer unwahrscheinlicher werden.
Umso genauer werden Investoren Warshs Aussagen auf dem Notenbankertreffen vom Donnerstag, 27., bis Samstag, 29. August, in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming verfolgen. Dort wird Warsh am Freitag, 28. August, eine Rede halten. Das könnte für kräftige Ausschläge bei US-Zinsen und Dollar und damit an den Aktienmärkten und bei Gold sorgen.
Nach der Veröffentlichung des Fed-Protokolls rücken aber erst einmal die Einkaufsmanagerindizes für Deutschland, die Eurozone und die USA, die jeweils am Freitag, 21. August, veröffentlicht werden, in den Fokus der Investoren.
Dann wird sich zeigen, wie die hohen Spritpreise und die kräftig gestiegenen Zinsen auf die Geschäfte der Unternehmen in den jeweiligen Ländern durchschlagen. Je nachdem, wie die Zahlen ausfallen, hat das Auswirkungen auf Zinsen und Währungen und damit auf die Aktienmärkte und auf den Goldpreis.
Gold bleibt aussichtsreich
Ich werde die Entwicklung bei den Zinsen weiter genau im Auge behalten, vor allem jene in den USA. Sollten die Zinsen kurzfristig weiter deutlich steigen, würde der Gegenwind für die Aktienmärkte und leider auch für den Goldpreis zunehmen. Dann wird sich zeigen, ob letzterer einem möglichen weiteren US-Zinsanstieg trotzen kann – das wäre ein sehr erfreuliches Signal.
Denn eins sollte klar sein: Je stärker die Zinsen kurzfristig steigen sollten, umso mehr wächst der Druck auf die Fed, einzugreifen, um die Zinsen über eine weitere QE-Gelddruckrunde wieder nach unten zu manipulieren. Schließlich kann die Fed nicht zuschauen, wie die immer weiter steigenden Zinsen Unternehmen und Verbraucher und damit die Konjunktur immer weiter belasten.
Ich bleibe daher sehr zuversichtlich, dass der Goldpreis in den nächsten Jahren kräftig steigen dürfte. Vor dem Hintergrund dürfte es sich lohnen, die aktuellen Preise zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold aufzustocken.
