Nancy Pelosi, die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, hatte am vorherigen Wochenende den Demokraten und Republikanern bis Dienstag ein Ultimatum gesetzt, um sich auf ein weiteres Hilfspaket zu einigen. Die Aussicht auf mehr Liquidität ließ den US-Dollar-Index zu Wochenbeginn korrigieren, während der Euro auf 1,188 US-Dollar ansteigen konnte. Selbst in dem unwahrscheinlichen Fall einer Einigung auf ein Volumen im Rahmen der zuletzt geforderten 2 Billionen US-Dollar wäre dieses Vorhaben sehr wahrscheinlich am republikanisch dominierten US-Senat gescheitert. Mit dem Verstreichen der Frist ist dieses Thema für die Märkte erst einmal vom Tisch und es wird vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November keine neue Liquidität für die Märkte mehr geben.

Der Goldpreis konnte von dem schwächeren US-Dollar etwas profitieren, doch relativ zur Abwertung des Greenbacks zeigte sich dieser vergleichsweise schwach. Obwohl der Goldpreis einen Abwärtstrend durch diese Fluktuation am Devisenmarkt überwinden konnte, folgte kein bullisches Momentum, was zeigt, dass den Spekulanten mittlerweile die Kraft fehlt, den Preis zu treiben, was ein bärisches Indiz war und ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Korrektur am Goldmarkt noch vor den US-Wahlen bereits ihr Ende finden wird und sich stattdessen die Hausse fortsetzt, hat sich damit verringert.

Die zweite Debatte zwischen US-Präsident Trump und seinem Herausforderer Joe Biden verlief ruhig und unspektakulär. Bidens diesmal klare Positionierung einer Abschaffung der Fracking-Industrie zugunsten erneuerbarer Energien unter seiner Präsidentschaft wird ihn in einigen Bundesstaaten deutliche Stimmen kosten. Dieser Umbau würde eine erhöhte Arbeitslosigkeit, höhere Steuern und ein niedrigeres Wirtschaftswachstum zur Folge haben, was während der größten Wirtschaftskrise der USA dem Wähler schwer zu vermitteln sein dürfte. Neue Veröffentlichungen zu den in der Debatte angesprochenen Themen erhöhen zusätzlich die Wahrscheinlichkeit für einen kurzzeitig stärkeren US-Dollar nach dem 3. November, was den Goldpreis noch einmal kurzzeitig belasten könnte. In der Wahlnacht von 2016 kam es zu starken Verwerfungen am Devisen- und Goldmarkt, sodass man sich auch diesmal auf eine sehr hohe Volatilität von bis zu 100 US-Dollar während weniger Stunden gefasst machen muss.

Der Wahlausgang

Der für den Goldpreis schlechteste Wahlausgang wäre ein Sieg Bidens und eine Mehrheit der Republikaner im Senat, da dies zu einer Pattsituation führen würde, wodurch die Republikaner alle Gesetzesinitiativen der Demokraten blockieren könnten, was weitere Fiskalausgaben begrenzen und somit die Aktienmärkte und den Goldpreis belasten dürfte.

Für den Goldpreis wäre ein Sieg Bidens und eine Mehrheit der Demokraten im Senat der wohl beste Wahlausgang, da dies eine massive Expansion der Staatsausgaben zur Folge hätte, finanziert durch eine deutliche Anhebung der Steuern und einer Ausweitung der Staatsverschuldung, was jedoch die Kaufkraft des US-Dollars aushöhlen würde. Diese Reflation würde dem Aktienmarkt nominal helfen und den Goldpreis durch die Decke gehen lassen, jedoch auf Kosten von realem Wachstum und einer Vernichtung von Wohlstand, worunter gerade die Ärmsten in den USA leiden müssten.

Bleibt jedoch alles unverändert, so wäre dies besser für die US-Wirtschaft als ein Sieg Bidens, da die Steuern niedrig bleiben würden, die weiteren Stimuli begrenzt und der Ausbau des Wohlfahrtsstaates gestoppt würde. Der Goldpreis würde auch bei diesem Wahlausgang weiter ansteigen in den nächsten Jahren, da die Wirtschaftskrise die Politik zu einer Umverteilung der Lasten zwingt und die Notenbanken zu einer Inflation der Geldmenge, um weitere Kreditausfälle zu kompensieren und die finanzielle Repression der Bürger aufrecht zu halten. Wichtiger für die Märkte ist also nicht, wer die Wahl gewinnt, sondern welche der beiden großen Parteien die Mehrheit im Senat erlangen kann.

Sollte die Wahl angefochten werden, von welcher Seite auch immer, so wird ein weiteres Fiskalpaket womöglich erst im nächsten Jahr verabschiedet werden. Dies könnte den deflationären Druck kurzzeitig verstärken und somit einen weiteren Anstieg des Goldpreises noch etwas verzögern. Mittlerweile sehen immer mehr Umfragen Biden und Trump nahezu auf Augenhöhe, was auf einen weiterhin heißen Wahlkampf hindeutet, der immer wieder Turbulenzen an den Märkten auslösen könnte, weshalb man sehr vorsichtig agieren, nicht zu viel riskieren und Positionen im Markt immer absichern sollte.

Die Wirtschaftsdaten

Die Wirtschaftsdaten in der vergangenen Handelswoche waren sehr gut, was die Hoffnung auf mehr Stimuli ebenfalls dämpft und folglich den Goldpreis sowie den Aktienmarkt etwas unter Druck bringt. Der Einkaufsmanagerindex für Industrie in Europa überraschte positiv mit 54,4, während die Erwartungen nur bei 53,1 lagen. In Deutschland fiel dieser noch stärker mit 58 aus, wobei hier die Erwartung von 55 deutlich geschlagen wurde. Der Servicebereich enttäuscht die Markterwartung europaweit und in Deutschland, was angesichts der Lage im Dienstleistungssektor aufgrund der gestiegenen CoViD-19 positiven Tests und der erneuten Abriegelungen seitens der Politik nicht verwundert.

Auch die Industrieproduktion in Taiwan war höher als erwartet und lag in Japan im Rahmen der Schätzungen. Die Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe in der Vorwoche waren durchwachsen und der Anstieg niedriger als Analysten erwartet hatten. Insgesamt setzt sich die Wirtschaftserholung fort, nachdem der Aktienmarkt bereits eine V-förmige Erholung vollzogen hat, die wir bereits Mitte / Ende März ausgerufen hatten und als damals einsamer Rufer in der Wüste Recht behielten. Aktuell liegen 83 % aller bisher gemeldeten Ergebnisse der US-Unternehmen über den Erwartungen der Analysten und im Schnitt wurden die Schätzungen um fast 18 % geschlagen. Das viele billige Geld, das Unternehmen und Verbraucher kurzfristig entlastet und die Illusion von Wohlstand vorgaukelt, ermöglicht diese schnelle Wirtschaftserholung, die jedoch später durch deutlich langsameres Wachstum teuer erkauft wird.

Das viele billige Geld, das über die Märkte schwappt, wird jedoch auch die Kaufkraft des US-Dollars und des Euros aushöhlen sowie mittel- bis langfristig für eine Fortsetzung der Rezession oder eine Stagnation der realwirtschaftlichen Entwicklung führen. Primär ist es aktuell die Geldmenge, die die Illusion von Wohlstand und Vermögen vorgaukelt. In der Stagflation – einer Rezession gepaart mit einem Anstieg der Konsumentenpreise – wird der Goldpreis weitaus stärker ansteigen können als die Aktienmärkte. Deshalb sollte man sich vor der Inflation schützen und die zusätzlichen Gewinnchancen bei Gold und Silber nutzen, bevor die Hausse zum Ende des Jahres oder spätestens im kommenden Jahr wieder richtig Fahrt aufnehmen und auf neue Allzeithochs ansteigen wird.

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Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.