Während das US-Finanzministerium die Zinsen für langlaufende Anleihen künstlich nach unten manipulieren will, hat Fed-Chef Kevin Warsh die Zinsen einmal mehr nach oben geredet. Wie geht’s in dem Umfeld weiter beim Goldpreis?
Investoren hatten mit Spannung auf die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag, 28. August ab 16 Uhr (deutscher Zeit) auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole gewartet und er hat meiner Meinung nach kaum etwas anderes gesagt als sonst auch immer. Die US-Wirtschaft laufe gut, die Arbeitslosigkeit sei sehr niedrig, es gäbe quasi Vollbeschäftigung und das Problem sei die deutlich erhöhte Inflation, die schon seit mehr als 5 Jahren über dem Inflationsziel der Fed von 2 Prozent liege.
Das Zwei-Prozent-Ziel bei der Inflation sei fest und die Inflation gehe nicht automatisch auf den langfristigen Schnitt zurück. Hohe Inflation belaste den Arbeitsmarkt und den Wohlstand. Zwar sei die Inflationsrate in den vergangenen Monaten etwas zurückgegangen, allerdings solle man ihm nicht sagen, dass sich der zugrunde liegende Trend „erheblich verbessert“ habe.
Die Fed-Mitglieder müssten zuversichtlich sein, dass die Inflation klar und zügig in Richtung 2 Prozent laufe, ansonsten „haben wir Arbeit zu leisten“, sagte Warsh. Allerdings hat er sich nicht auf eine mögliche Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung am 16. September festgelegt.
Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) bei der September-Sitzung auf 57 Prozent nach oben geschossen, gegenüber 35,4 Prozent am Vortag.
Zudem sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen um herbe 7 Basispunkte (0,07 Prozentpunkte) auf 4,73 Prozent nach oben geschossen, womit sie zügig in Richtung des Drei-Jahres-Hochs von Mitte Oktober 2023 bei 4,95 Prozent laufen.
Im Gegenzug ist der Goldpreis eingebrochen und schloss den Handel am Freitag bei 4.455 US-Dollar je Unze ab – zumal die kräftig gestiegenen US-Zinsen den Dollar deutlich mit nach oben gezogen haben, womit die Notierung des Edelmetalls von einer zweiten Seite aus Gegenwind hatte.
Warten auf US-Arbeitsmarktbericht und Anleihenrückkäufe des Finanzministeriums
Dass Warshs Aussagen weder US-Finanzminister Scott Bessent noch US-Präsident Donald Trump gefallen haben, sollte jedermann klar sein. Schließlich will Bessent mit dem Rückkauf langlaufender Staatsanleihen die Zinsen künstlich nach unten manipulieren (das können Sie in dem Beitrag „Bessent und Warsh stehen ganz oben auf der Agenda“ nachlesen) und damit nicht nur die Staatskasse entlasten, sondern auch Unternehmen und Verbraucher. Immerhin sind die Zinsen für Kredite an Unternehmen und Konsumenten häufig an jene von Staatsanleihen gekoppelt.
Als Nächstes schauen Investoren aber erst einmal auf den US-Arbeitsmarktbericht, der am Freitag, 4. September veröffentlicht wird. Laut den Schätzungen der Volkswirte sollen im August 45.000 Jobs geschaffen worden sein, nachdem im Juli völlig überraschend 23.000 abgebaut worden waren. Hingegen soll die Arbeitslosenquote im August leicht gestiegen sein von 4,1 auf 4,2 Prozent. Wie immer die Zahlen auch ausfallen werden, wird das Auswirkungen auf US-Zinsen und Dollar und damit auf die Aktienmärkte und auf Gold haben.
Am Mittwoch, 9. September beginnen dann die Anleihenrückkäufe des Finanzministeriums, bei denen das Kaufvolumen je Rückkauftag mindestens verdoppelt werden soll. Je nachdem, wie kräftig die Käufe ausfallen werden, dürfte das für Abwärtsdruck auf die Zinsen für langlaufende US-Anleihen sorgen, was den Goldpreis stützen sollte.
Ich gehe allerdings davon aus, dass Bessent nicht lange warten, sondern bereits in den nächsten Tagen versuchen wird, die Zinsen nach unten zu reden. Schließlich hat Bessent kein Interesse dran, dass die Zinsen bis zum 9. September immer weiter steigen, ansonsten muss das Finanzministerium anschließend mit umso kräftigeren Anleihenrückkäufen die Zinsen wieder nach unten manipulieren.
Lassen Sie sich daher bitte von den deutlich gestiegenen US-Zinsen bzw. dem Einbruch des Goldpreises nicht verunsichern. Je stärker sie kurzfristig weiter steigen sollten, umso massiver dürfte das Finanzministerium anschließend intervenieren. In dem Umfeld sollten Warshs Aussagen schnell in den Hintergrund rücken. In dem Szenario sollte es sich lohnen, den aktuellen Kursrutsch bei Gold zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold aufzustocken.
