Der Goldpreis war zuletzt auf einer Berg- und Talfahrt. Umso wichtiger sind vor allem die weitere Entwicklung des Iran-Kriegs und die nächsten Konjunkturdaten aus den USA.

Trotz des Iran-Kriegs ist der S&P 500 auf Rekordfahrt, und scheinbar kann nichts die Rekordfahrt aufhalten. Dabei steht meiner Meinung nach der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran – trotz gegenteiliger Beteuerungen von US-Präsident Donald Trump – lediglich auf dem Papier, weshalb es je nach den Nachrichten zum Iran-Krieg zu einer Berg- und Talfahrt beim Ölpreis gekommen ist.

In dem Umfeld waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen bis auf 4,45 Prozent gestiegen und hatten sich damit dem 52-Wochen-Hoch vom Mai 2025 bei 4,6 Prozent genähert, ehe die Zinsen leicht nachgegeben haben. Aber der deutliche Zinsanstieg konnte dem Höhenflug am US-Aktienmarkt nichts anhaben, vielmehr haben die Investoren weiter kräftig Geld in US-Technologieaktien gesteckt.

Hingegen hatten die deutlich gestiegenen US-Zinsen den Goldpreis belastet. Mit Kursen von rund 4.550 US-Dollar je Unze war er in die Nähe der Fünf-Wochen-Tiefs gesunken, ehe er sich deutlich erholt hat.

Grund war eine Nachricht von Trump, demnach die Geleitschutzmission von Schiffen durch die Straße von Hormus auf Eis gelegt worden sei, weil es Hoffnung auf einen „vollständigen und endgültigen Deal“ mit dem Iran geben würde.

Ich halte diese Ankündigung zwar für Fake News, also für völligen Blödsinn, denn absolut nichts deutet auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran hin. Dennoch hat Trumps Ankündigung für einen deutlichen Rückgang beim Ölpreis und damit einen Einbruch bei den Zinsen für 10-jährige US-Anleihen gesorgt, was auch den Dollar mit nach unten gezogen hat. Damit hatte der Goldpreis gleich von zwei Seiten aus Rückenwind, womit sich die Notierung des Edelmetalls erholt hat.

Schlechte Nachrichten aus Deutschland

Während die US-Wirtschaft trotz des Iran-Kriegs noch einigermaßen läuft, sind die Nachrichten aus Deutschland weiterhin besorgniserregend. So waren die Einzelhandelsumsätze im März real, also unter Berücksichtigung der Inflation, um 2,0 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken. Offensichtlich haben die stark gestiegenen Ölpreise und die Sorge vor deutlich steigender Inflation vielen Deutschen die Kauflust verdorben.

Im April ist dann die Inflationsrate von 2,7 auf 2,9 Prozent gestiegen, und ich fürchte, der Anstieg dürfte in den nächsten Monaten noch größer werden, womit die Kaufkraft jedes Euro noch kleiner würde als zuvor ohnehin schon.

Wie sehr sich die Aussichten für die Wirtschaft hierzulande inzwischen eingetrübt haben, hat der Konjunkturindex der Firma Sentix unmissverständlich gezeigt. Er ist im Mai von minus 27,7 auf minus 30,9 Punkte eingebrochen, das war der dritte Rückgang in Folge, woraufhin der Index auf dem niedrigsten Niveau seit Januar 2025 notiert.

„Deutschland befindet sich in der Krise. Zum einen in einer Regierungskrise, mit einem Kanzler, um den es zunehmend einsam zu werden scheint. Dies dürfte auch mit der zweiten Krise, dem ökonomischen Sonderweg Deutschlands, zusammenhängen“, schreiben die Experten von Sentix.

„In keiner anderen von Sentix befragten Region ist eine solche Negativentwicklung festzustellen. Deutschland galt als Exportnation und sollte eigentlich von globalen Erholungstendenzen profitieren. Dieser Zusammenhang gilt anscheinend nicht mehr. Die deutsche Konjunktur hat sich nachhaltig und negativ abgekoppelt“, so die Experten weiter. Das hört sich alles andere als gut an, und ich befürchte, in den nächsten Monaten dürfte sich die Lage leider weiter verschlechtern.

Je schlechter es aber konjunkturell läuft, umso größer dürfte die Schuldensause am Ende sein. Bislang ist eine Neuverschuldung von horrenden 181,5 Mrd. Euro für 2026 geplant. Wenn der Arbeitsmarkt noch schwächer werden sollte, als er ohnehin schon ist, sprich die Arbeitslosigkeit weiter steigt, dann dürfte die Neuverschuldung noch deutlich größer werden als ohnehin geplant.

Dass eine Schuldensause die Inflation anheizt, sollte jedermann klar sein. Umso wichtiger ist es, sich gegen den weiteren Kaufkraftverlust mit dem Besitz von physischem Gold zu schützen.

Warten auf US-Arbeitsmarktbericht

Während Investoren die Nachrichten zum Iran-Krieg weiter genau verfolgen, rückt der US-Arbeitsmarktbericht von ADP, der am Mittwoch, 6. Mai, um 14.15 Uhr veröffentlicht wird, in den Fokus. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die Privatwirtschaft im April 85.000 Jobs geschaffen haben, nach 62.000 für März.

Zwei Tage später, am 8. Mai, folgt um 14.30 Uhr der noch viel wichtigere offizielle US-Arbeitsmarktbericht. Laut den Schätzungen der Volkswirte sollen im April 63.000 Jobs geschaffen worden sein, nach 178.000 für März. Zudem soll die Arbeitslosenquote stabil geblieben sein bei 4,3 Prozent.

Mich würde es nicht überraschen, wenn die Zahlen für März deutlich nach unten korrigiert werden würden. Ebenso wenig würde es mich überraschen, wenn die Daten für April schwächer ausfallen als erwartet.

Zwar profitiert die US-Ölindustrie zwangsläufig vom Iran-Krieg. Allerdings belasten die hohen Spritpreise und die stark gestiegene Inflation – die Inflationsrate ist im März von 2,4 auf 3,3 Prozent nach oben geschossen und hatte damit das höchste Niveau seit Mai 2024 erreicht – viele Verbraucher erheblich, zumal laut offiziellen Zahlen rund zwei Drittel der Amerikaner von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben und praktisch keinerlei Notgroschen besitzen.

Um 16 Uhr beendet dann das US-Verbrauchervertrauen, das die Universität Michigan bekannt gibt, den Datenreigen dieser Woche. Wie immer die jeweiligen Daten ausfallen sollten, gerade jene zum offiziellen US-Arbeitsmarktbericht, hat das Auswirkungen auf US-Zinsen und Dollar und damit auf den S&P 500 und den Goldpreis.

Sollte der Iran-Krieg erneut eskalieren, könnte der Ölpreis einmal mehr nach oben schießen und damit die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen und möglicherweise auch den Dollar mit nach oben ziehen, womit sich der Kursrückgang beim Goldpreis kurzfristig noch etwas ausweiten könnte.

Abgesehen davon bleiben die mittel- und langfristigen Aussichten für das Edelmetall allerdings glänzend. Vor dem Hintergrund dürfte es sich lohnen, die aktuell niedrigen Kurse zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.