Zuletzt standen vor allem die Entwicklungen im Iran-Krieg sowie die Anhörung des designierten Fed-Chefs Kevin Warsh vor dem US-Kongress im Fokus der Investoren. Als Nächstes stehen etliche Konjunkturdaten auf der Agenda.
Nach der vorherigen Rekordfahrt hat der S&P 500 am Dienstag, 21. April, etwas nachgegeben. Auslöser dafür waren die Aussagen des designierten Fed-Chefs Kevin Warsh bei der Anhörung vor dem US-Kongress. Dabei hatte Warsh die Unabhängigkeit der Fed betont und gesagt, dass US-Präsident Donald Trump von ihm keine Zinssenkungen gefordert habe und Warsh einer derartigen Forderung auch nicht zugestimmt hätte. Allerdings hatte Warsh auch Folgendes gesagt: „Es gibt kein drängenderes Thema als die (hohen) Lebenshaltungskosten.“ Damit hat sich Warsh ein wenig falkenhafter gezeigt, als etliche Investoren offenbar erwartet hatten; sprich, sie bekamen ein wenig Sorge, dass die Fed auf eine möglicherweise länger anhaltend hohe Inflation mit einer Zinserhöhung reagieren könnte. Wegen dieser Sorge waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen um ein paar Basispunkte gestiegen, was auch den US-Dollar mit nach oben gezogen hatte. Damit hatten die Aktienmärkte ebenso etwas Gegenwind wie der Goldpreis, wobei die Notierung des Edelmetalls um rund 120 US-Dollar auf 4.671,50 US-Dollar je Unze eingebrochen ist. Dieser Kursrutsch nach unten macht für mich aber absolut keinen Sinn.
Trump verlängert Waffenstillstand mit Iran
Am Dienstagabend um 22.15 Uhr (deutscher Zeit) ist der Goldpreis dann plötzlich wieder deutlich nach oben gedreht und notiert aktuell bei 4.765 US-Dollar je Unze. Zu dem Zeitpunkt hatte Trump angekündigt, dass er den Waffenstillstand mit dem Iran einseitig und auf unbestimmte Zeit verlängern werde.
Trump entspricht damit dem Wunsch Pakistans, der Regierung des Iran mehr Zeit zu geben, um einen eigenen Vorschlag zu erarbeiten. Allerdings werde die US-Armee die iranischen Häfen weiter blockieren. Der Iran hatte hingegen das Aufheben der Blockade als Bedingung für mögliche Gespräche genannt.
Nach Trumps Ankündigung ist der Ölpreis um 1,5 % gesunken. Zwar kann man Trumps Ankündigung positiv interpretieren, schließlich fliegen keine Bomben.
Allerdings könnte man Trumps Ankündigung auch negativ interpretieren, schließlich fließt weiterhin praktisch kein Öl durch die Straße von Hormus, womit die Lagervorräte an Öl und damit an Benzin und Diesel in vielen Ländern immer geringer werden. Je länger die Blockade der USA andauert, umso mehr verschärft sich also die Lage, was nicht gerade für sinkende Ölpreise sprechen würde, oder? Umso mehr gilt es, die weitere Entwicklung des Iran-Kriegs genau zu beobachten, schließlich werden auch andere wichtige Rohstoffe nicht mehr durch die Straße von Hormus transportiert, wie Dünger.
Warten auf Konjunkturdaten
Als Nächstes rücken etliche Konjunkturdaten in den Fokus der Investoren. So veröffentlicht S&P Global am Donnerstag, 23. April, die Einkaufsmanagerindizes für Deutschland, die Eurozone und die USA. Investoren wollen sehen, wie sehr der Iran-Krieg die Aussichten für die Industrie in den jeweiligen Ländern belastet hat. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie von März auf April von 52,2 auf 51,3 Punkte gesunken sein. Werte oberhalb der 50er-Marke signalisieren ein Wachstum, damit würde es allerdings etwas geringer sein als im März. Zudem soll der Index für die Industrie der Eurozone von 51,6 auf nurmehr 50,6 Punkte zurückgehen, womit eine mögliche Stagnation rapide näher rücken würde. Hingegen soll der Index für die US-Industrie leicht steigen, von 52,3 auf 52,5 Punkte. Zwar belastet der stark gestiegene Ölpreis etliche Sektoren, umso mehr würde allerdings die Ölbranche davon profitieren.
Tags darauf, am Freitag, 24. April, folgt dann der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland. Volkswirte gehen davon aus, dass er im April von 86,4 auf 85,5 Punkte gesunken ist; das wäre das niedrigste Niveau seit Februar 2025 (85,2 Punkte). Damals hatte am 23. Februar die vorgezogene Bundestagswahl stattgefunden.
Je nachdem, wie die Daten zu den Einkaufsmanagerindizes, gerade zu jenem aus den USA, oder zum ifo-Index ausfallen werden, hat das Auswirkungen auf Zinsen und Währungen und damit auf die Aktienmärkte und den Goldpreis. Kurzfristig sollte der Iran-Krieg die Märkte weiter in Atem halten. Je nach den Entwicklungen im Iran-Krieg dürften sich der Ölpreis und damit US-Zinsen und US-Dollar in die eine oder andere Richtung bewegen, was für entsprechende Bewegungen an den Aktienmärkten und beim Goldpreis sorgen sollte.
Unabhängig davon bleiben die mittel- und langfristigen Aussichten für Gold glänzend, denn die Schuldensause in den USA, Europa und vielen anderen Ländern dürfte weitergehen, womit die Zinsen weltweit niedrig bleiben müssen, weil sonst das Kartenhaus zusammenbrechen würde. Daher macht es weiterhin Sinn, die Bestände an physischem Gold aufzustocken.
