Der Silberpreis hat zuletzt in der Nähe des Rekordhochs kräftig geschwankt. Als Nächstes steht die Fed-Sitzung am Mittwochabend ganz oben auf der Agenda der Investoren.
Die Rekordfahrt bei Gold hat sich zuletzt beschleunigt, der Preis ist am Mittwoch, 28. Januar, bis auf den Rekord von 5.310 US-Dollar je Unze nach oben geschossen, ehe er leicht nachgegeben hat.
Die bislang letzte Stufe der Rekordfahrt bei Gold hat einmal mehr US-Präsident Donald Trump gezündet. Auf die Frage eines Journalisten bezüglich der Talfahrt des Dollar hatte Trump am Dienstagabend, 27. Januar, geantwortet: „Das ist toll … Dem Dollar geht es toll.“ Trump wolle, dass der Dollar sein Niveau suche.
Im Klartext: Trump hat einmal mehr ganz offen gesagt, dass er einen schwachen Dollar will. Im Gegenzug haben Investoren umso stärker bei Gold zugegriffen, woraufhin das Edelmetall auf neue Rekordhochs geschossen ist.
Für Rückenwind hat zudem der Einbruch des Dollar gesorgt. So war Euro-Dollar mit 1,20 US-Dollar je Euro in die Nähe des Fünfjahreshochs gestiegen. Gleichzeitig ist der Dollar Index auf das niedrigste Niveau seit Mitte Februar 2022 eingebrochen. Der Dollar Index spiegelt die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs Währungen wider, allen voran dem Euro.
Im Gegensatz zum Goldpreis, der von einem Rekordhoch zum nächsten eilt, ging es zuletzt sehr volatil bei Silber zu, ehe der Preis erneut in die Nähe des Rekordhochs geklettert ist. Nachdem die Notierung am Montag, 26. Januar, bis auf das Rekordhoch von rund 117 US-Dollar explodiert war, ist sie innerhalb weniger Stunden bis auf 104 US-Dollar eingebrochen.
Tags darauf am Dienstag folgte ein ähnliches Spiel: zuerst ein schneller Kursanstieg bis auf 112 US-Dollar, ehe es schnell bis auf 106 US-Dollar abwärts ging und anschließend eine Berg- und Talfahrt folgte. Aktuell notiert Silber mit 114,65 US-Dollar nur knapp unter den Rekordhochs.
Dabei gab es keinerlei fundamentale Nachrichten für diese heftigen Bewegungen, offenbar haben also etliche Investoren den Preis schnell in die eine oder andere Richtung gezockt. Eine derartige Bewegung sollte allerdings auch niemanden überraschen, schließlich hat sich der Preis seit Anfang November – also in weniger als drei Monaten – weit mehr als verdoppelt.
Warten auf Fed-Sitzung
Umso gespannter warten Investoren auf die Fed-Sitzung am Mittwochabend, 28. Januar. Für viele Investoren ist es ausgemachte Sache, dass die Fed nach drei Zinssenkungen in Folge um insgesamt 75 Basispunkte (0,75 Prozentpunkte) den Leitzins diesmal unverändert lassen wird bei 3,5 bis 3,75 %.
Schließlich war die Kernrate des PCE-Preisindex – sie ist der bevorzugte Inflationsindikator der Fed – im November leicht gestiegen, von 2,7 auf 2,8 %, und lag damit deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed.
Zudem waren im Dezember 50.000 Jobs geschaffen worden, während die Arbeitslosenquote leicht gesunken ist, von 4,5 auf 4,4 %. Auf der um 20.30 Uhr (deutscher Zeit) beginnenden Pressekonferenz dürfte Fed-Chef Jay Powell einmal mehr betonen, dass die Geldpolitik angemessen sei, um den Arbeitsmarkt zu stützen und eine weitere deutliche Abschwächung zu verhindern.
Umso spannender wird sein, was Powell für die darauffolgende Sitzung am 18. März signalisieren wird. Der Fed-Chef dürfte sich mit Händen und Füßen gegen eine Zinssenkung wehren, zumal das Justizministerium ihm zuletzt mit einer Anklage gedroht hat, weil bei der Renovierung von Fed-Gebäuden das Budget deutlich überschritten worden war.
Investoren haben das zu Recht so interpretiert, dass das eigentlich nur ein Vorwand der Trump-Regierung ist, um den Druck auf die Fed zu erhöhen und sie zu deutlich stärkeren Zinssenkungen als zuletzt zu bewegen, damit die Zinszahlungen auf Bundesebene nicht noch weiter explodieren. Im dritten Quartal waren die Zinszahlungen auf Bundesebene auf den Rekord von annualisiert 1,2 Billionen US-Dollar gestiegen!
Eine Menge US-Schulden müssen refinanziert werden
Laut den Schätzungen von Experten werden 2026 US-Staatsanleihen im Volumen von 9,2 bis 10,0 Billionen US-Dollar fällig, davon haben zwei Drittel eine Laufzeit von bis zu einem Jahr. Das Letzte, was Trump da gebrauchen kann, sind hohe Zinsen.
Je mehr der US-Präsident aber massive Zinssenkungen fordert, umso mehr sollte Powell auf der Pressekonferenz am 28. Januar die Unabhängigkeit der Fed betonen. Und umso mehr dürfte ihn Trump anschließend wiederum kritisieren.
Bei der bislang letzten Sitzung im Dezember hatte Powell behauptet, dass die Fed nicht darauf schaue, welche Folgen die Zinspolitik für die Zinszahlungen des Staates habe. Diese Aussage ist natürlich völliger Blödsinn, schließlich ist die oberste Aufgabe der Fed, für Finanzstabilität zu sorgen, also dass die USA ihre gewaltige Schuldensause weiter finanzieren können, ohne dass es zu einem massiven Zinsanstieg kommt, der bei Bundesschulden von 38,5 Billionen US-Dollar mehr als gerechtfertigt wäre.
Ich werde jedenfalls die Pressekonferenz mit Powell diesmal erneut genau verfolgen und vor allem die Reaktion der Märkte darauf genau beobachten, also: Wie entwickeln sich US-Zinsen und Dollar und damit gerade auch der Goldpreis?
Nach den neuesten Aussagen von Trump zum Dollar sollte meiner Meinung nach die Rekordfahrt bei Gold klar weitergehen. In dem Szenario sollte Silber weiterhin auf der Überholspur bleiben, also deutlich stärker steigen als Gold, wenngleich die erhöhte Volatilität kurzfristig anhalten könnte. Vor dem Hintergrund macht es weiterhin Sinn, die Bestände an physischem Gold und Silber weiter aufzustocken.
