Das Edelmetall war zuletzt auf einer Berg- und Talfahrt. Während Investoren auf den US-Arbeitsmarktbericht warten, behalten sie vor allem die geopolitische Entwicklung genau im Auge.

Der Angriff Israels und der USA auf den Iran am vergangenen Samstag, 28. Februar, hat für erhebliche Turbulenzen an den Börsen gesorgt. So war der Ölpreis nach oben geschossen, während jener für Gas geradezu explodiert ist. Im Gegenzug waren die Aktienmärkte rund um den Globus eingebrochen, wobei der DAX mit seinen vielen Zyklikern als stark konjunkturabhängige Unternehmen besonders stark unter die Räder gekommen ist.

Gleichzeitig haben Investoren kräftig US-Staatsanleihen verkauft, woraufhin die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen innerhalb von knapp 2 Tagen um herbe 18 Basispunkte bis auf 4,11 Prozent nach oben geschossen sind. Das mag sich vielleicht auf den ersten Blick nicht nach viel anhören, allerdings entspricht das einem Anstieg um horrende 360 Basispunkte auf einen Monat hochgerechnet – das ist eine gewaltige Bewegung!

Investoren sind diesmal also nicht in den sicheren Hafen US-Staatsanleihen geflüchtet, sondern haben sich vielmehr schnell Liquidität besorgt. Investoren sind also in Cash geflüchtet.

Die kräftig gestiegenen US-Zinsen haben den Dollar mit nach oben gerissen, dabei ist der Dollar Index innerhalb von lediglich 2 Tagen um 2,0 Prozent nach oben geschossen – eine enorme Bewegung!

Entsprechend hatte der Goldpreis deutlichen Gegenwind. Bemerkenswerterweise war er aber am Montag, 2. März, deutlich gestiegen, ehe am Dienstag massive Verkäufe eingesetzt haben. Dabei ist die Notierung innerhalb weniger Stunden um herbe 350 US-Dollar bis auf 5.025 US-Dollar nach unten gerauscht – das entspricht einem Einbruch von 6,5 Prozent, ehe sie sich aktuell bis auf rund 5.170 US-Dollar erholt hat.

Für mich macht der zwischenzeitliche Einbruch beim Goldpreis jedoch ebenso wenig Sinn wie die kräftig gestiegenen US-Zinsen. Zwar heizt der kräftig gestiegene Ölpreis zwangsläufig die Inflation an, und je länger der Iran-Krieg andauern könnte, umso mehr könnte die Notierung des Rohstoffs steigen.

Allerdings bezweifle ich sehr, dass die Fed in dem Umfeld den Leitzins tatsächlich anheben könnte und damit indirekt die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen nach oben drücken würde. Schließlich würde eine deutlich höhere Inflation die Konjunktur erheblich belasten, und das Letzte, was sie dann gebrauchen könnte, wären steigende Leitzinsen.

Ich möchte auch nicht wissen, wie US-Präsident Donald Trump reagieren würde, falls irgendeiner der Fed-Mitglieder das Wort „Zinserhöhung“ auch nur in den Mund nehmen sollte.

Insofern bleibt nur zu hoffen, dass der Iran-Krieg möglicherweise nur ein paar Wochen andauern könnte und die Lage nicht völlig eskalieren sollte. In dem Szenario sollte sich die Lage bei den US-Zinsen und beim Dollar wieder beruhigen, woraufhin der Goldpreis wieder in Richtung der Rekordhochs nach oben drehen sollte.

Überraschender Inflationsanstieg in der Eurozone

Für die Bürger der Eurozone gab es zuletzt schlechte Nachrichten. So war die Inflation im Februar von 1,7 auf 1,9 Prozent gestiegen und lag damit deutlich über den Erwartungen von 1,7 Prozent.

Dabei sind die Verbraucherpreise im Monatsvergleich um 0,7 Prozent gegenüber Januar nach oben geschossen, nachdem sie im Januar überraschend gesunken waren. Damit ist das Leben in der Eurozone teurer als jemals zuvor – und ein Ende dieses Negativtrends ist leider absolut nicht absehbar.

Zwar mag sich EZB-Chefin Christine Lagarde entspannt geben, wenn die Inflationsrate in der Nähe des Zwei-Prozent-Ziels der EZB liegt. Wenn die Preise von Monat zu Monat aber auf immer neue Rekordhochs klettern, gibt es für die Verbraucher in der Eurozone aber absolut keinen Grund zur Entwarnung. Und dass meiner Meinung nach die tatsächliche Inflation deutlich höher sein dürfte als die offiziell ausgewiesene, sei einmal mehr nur am Rande erwähnt.

Vielmehr gilt es, sich gegen die anhaltende Entwertung des Euro und damit den Kaufkraftverlust durch den Besitz von physischem Gold zu schützen. Es hat Ihre und meine Kaufkraft in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erhalten und sollte das auch weiterhin tun.

Warten auf US-Arbeitsmarktbericht

Als Nächstes rücken die US-Arbeitsmarktdaten in den Fokus der Investoren. Am Mittwoch, 4. März, legt ADP den US-Arbeitsmarktbericht vor. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die Privatwirtschaft im Februar 43.000 Jobs geschaffen haben, nach 22.000 für Januar.

Zwei Tage später, am Freitag, 6. März, folgt der offizielle Arbeitsmarktbericht. Demnach sollen im Februar 60.000 Jobs geschaffen worden sein, nach 130.000 für Januar. Allerdings sollte es niemanden überraschen, wenn die Zahlen für Januar kräftig nach unten korrigiert werden sollten. Schließlich ist in den vergangenen Jahren die Zahl für den Vormonat häufig deutlich nach unten korrigiert worden.

Wie immer die Zahlen von ADP oder der offizielle Bericht auch ausfallen sollten, könnte das für deutliche Ausschläge bei US-Zinsen und Dollar und damit an den Aktienmärkten und beim Goldpreis sorgen.

Ansonsten gilt es weiterhin, die geopolitische Lage genau zu beobachten. Jeder weitere Angriff Irans auf Ölanlagen im Ausland könnte dabei für weitere Turbulenzen an den Börsen sorgen.

Niemand kann vorhersagen, wie es kurzfristig an den Aktienmärkten, beim Öl- oder Goldpreis weitergehen könnte. Umso mehr gilt es abzuwarten, bis sich die Lage beruhigt und sich hoffentlich ein Ende des Iran-Kriegs innerhalb weniger Wochen abzeichnet. In dem Umfeld sollte der Goldpreis meiner Meinung nach schnell wieder auf Rekordfahrt gehen.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.