CoT-Daten für Platin vom 15. September:

Platin zeigte sich neutral zur Vorwoche und ebenso zum Vormonat. Mit einem CoT-Index von 72 Punkten ist die Positionierung am Terminmarkt relativ neutral bis leicht bullisch. Sollte Gold nach oben über seinen Abwärtstrend ausbrechen, so würde Platin bei diesen CoT-Daten schnell wieder auf 1.000 US-Dollar laufen. Bricht Gold hingegen seine Unterstützung bei 1.900 US-Dollar nach unten, dann wäre zumindest noch ein Test der 800 US-Dollar wahrscheinlich, bevor der Markt KURZFRISTIG extrem überverkauft und reif für eine technische Erholung mit einem sehr guten CRV wäre.

Mit einem CoT-Index von 72 Punkten ist Platin nun neutral bis leicht bullisch

Technische Chartanalyse

Die CoT-Daten haben sich in den letzten drei Wochen wieder verschlechtert und die Unterstützung bei 900 US-Dollar wurde abermals angelaufen. Die CoT-Daten sind neutral bis leicht bullisch, doch ein Setup für einen Trade mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis findet man aktuell noch nicht. Zuletzt hatten wir erwartet, dass Platin wieder auf 900 US-Dollar fallen würde, was eintraf.

Nun hängt die kurzfristige Entwicklung des Platinpreises von der Entwicklung des Goldpreises ab. Der Goldpreis hat sich eingekeilt zwischen einem Abwärtstrend, der bei ca. 1.930 US-Dollar verläuft und einer Unterstützung bei 1.900 US-Dollar. Der US-Zinsentscheid am Mittwochabend wird einen Ausbruch des Goldpreises nach oben oder unten herbeiführen.

Fällt Gold jedoch unter die wichtige Unterstützung bei 1.900 US-Dollar gen 1.800 US-Dollar, dann dürfte auch der Platinpreis auf 800 US-Dollar mit nach unten gezogen werden. Da sich das wirtschaftliche Umfeld eintrübt, sollte man erst eine Bereinigung am gesamten Edelmetallmarkt abwarten, bevor man bedenkenlos im Swing-Trading auf Sicht mehrerer Wochen oder Monate mit einem guten CRV erneut auf einen Anstieg des Platinpreises wetten kann. Der Goldmarkt ist jedoch noch nicht bereinigt, was ein Risikofaktor für den Platinmarkt ist, ebenso wie die aufziehende Rezession. Aktuell ist der Platinmarkt eher was für charttechnisch orientierte Daytrader. Ein Kaufsignal für Swing-Trader gibt es noch nicht.

Wahrscheinlich dürfte sich im Bereich um die 800 US-Dollar ein sehr gutes Kaufsetup für Daytrader und Swing-Trader auftun, wenn sich der Terminmarkt bis dahin weiter bereinigt und das Sentiment dann extrem bärisch ist. Im Falle einer Rezession mit einer Verkaufspanik an den Märkten, wäre es jedoch möglich, dass die Tiefs aus dem Crash in 2020 noch einmal angelaufen würden, was man auf dem Radar haben sollte. In diesem Fall ist ein Stop-Loss der beste Freund eines Traders.

Sollte die Fed am Mittwoch dovish sein und der Goldpreis nach oben ausbrechen, so würde Platin wieder an den Widerstand bei 1.000 US-Dollar laufen. Nachdem die Trades im letzten halben Jahr perfekt liefen, sehe ich aktuell kein gutes Setup für einen Trade mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis.

Aktuell sollte man abwarten – Chancen und Risiken halten sich noch die Waage

Langfristige Analyse

Mittel- bis langfristig hat Platin weiterhin ein Problem, da mehr als die Hälfte der jährlichen Minenproduktion in der Automobilindustrie zur Herstellung von Katalysatoren Verwendung findet. Die Rezession wird in den nächsten Jahren im Umfeld steigender Zinsen an Fahrt aufnehmen, sowie die hohen Zinsen die Leasing- sowie Finanzierungsmodelle für Neuwagen auf die Probe stellen. Mit einem starken Rückgang der Neuwagenverkäufe und entsprechenden Gewinnrückgängen für die Automobilhersteller ist zu rechnen. Dazu kommt, dass mit der Umstellung auf Elektrofahrzeuge der Bedarf an Katalysatoren abnimmt, was ein langfristig belastender Faktor sein dürfte.

Dennoch dürfte sich im Bereich zwischen 800 US-Dollar und 1.000 US-Dollar ein langfristiger Boden ausbilden. Wir empfehlen Rücksetzer in den Bereich um die 800 US-Dollar als mittel- bis langfristige Kaufchance zu nutzen. Auch kurzfristig agierende Trader haben dort grundsätzlich ein Setup mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis.

Man muss sich jedoch bewusst sein, dass der Platin- und Palladiumpreis während Rezessionen in der Vergangenheit kurzzeitig auch immer stark einbrach, weshalb eine Stopp-Loss-Order der beste Freund kurzfristig agierender Trader ist. Ein panikartiger Einbruch auf nochmals 500 US-Dollar wäre in einer Rezession oder einer neuen Krise mit einer Verkaufspanik an den Märkten durchaus denkbar in diesem Jahr.

Die einzige Hoffnung für eine Stärke des Platinpreises wäre ein signifikanter Rückgang des Angebots aufgrund einer zunehmenden Stromknappheit in Südafrika, sowie einer politischen Krise in dem zunehmend instabilen Land. Dies lässt sich jedoch, anders als die kommende Rezession, schwer prognostizieren. Das Angebot kann deutlich zurückgehen, doch muss das nicht passieren. Die kommende Rezession ist hingegen sicher.

Sobald die Notenbanken mit neuen QE-Programmen auf die bevorstehende weltweite Rezession oder alternativ schon früher auf einen exogenen Faktor hin reagieren werden, bieten sich enorme Chancen für die Bullen. Sollten die Notenbanken aufgrund exogener Ereignisse jedoch vor der offenen Manifestation einer Rezession agieren, worauf der Bail Out von SVB und der Credit Suisse zu Jahresbeginn hindeuten, so würde ein Preiseinbruch verhindert werden. Wichtig ist, dass man zum Bullen mutiert, sobald die Notenbanken auch nur neue QE-Programme in Erwägung ziehen.

Wie in der Vergangenheit ist bei einer Rezession ein nochmaliger starker Preiseinbruch möglich, es sei denn, es kommt davor schon ein neues QE-Programm

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Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.