Trotz der anhaltenden Talfahrt beim Ölpreis sind die US-Zinsen zuletzt nicht gesunken. Als Nächstes rücken die US-Inflationsdaten in den Fokus der Investoren.
Etliche Themen halten weiterhin die Börsen in Atem. Einerseits der Kurseinbruch der Aktie des Raumfahrt- und KI-Unternehmens von Elon Musk, SpaceX, und andererseits der Kurseinbruch bei den Chipaktien zuletzt.
Auslöser war ein Medienbericht, demnach der südkoreanische Hersteller von Speicherchips SK Hynix beim Hochfahren seiner Kapazitäten für KI-Chips ein wenig das Gas rausgenommen habe und sich stattdessen etwas mehr auf das Geschäft mit herkömmlichen Speicherchips fokussiere.
Diese Meldungen haben die Sorge vor einem möglichen Platzen der KI-Blase geschürt, woraufhin Investoren in den sicheren Hafen US-Dollar geflüchtet sind.
Zuvor hatte der Greenback bereits von einigen überraschend guten US-Konjunkturdaten profitiert, die darauf hindeuten, dass die Wirtschaft der USA deutlich besser läuft als jene der Eurozone, was wiederum die US-Zinsen nach oben getrieben hat.
Da half es auch nichts, dass der Ölpreis zuletzt weiterhin auf Talfahrt war, weil es angeblich Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA gegeben habe. Damit ändert sich zusehends das Umfeld, nachdem in den vergangenen Wochen der sinkende Ölpreis für einen Rückgang der US-Zinsen gesorgt hatte, weil die Inflationssorgen nachgelassen hatten.
Umso mehr fokussieren sich Investoren auf die Konjunkturdaten aus den USA und der Eurozone. Zwar war der von S&P Global veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für die Eurozone (Industrie plus Dienstleistungen) im Juni von 48,5 auf 49,5 Punkte gestiegen und lag damit über den Schätzungen der Volkswirte von 48,7 Punkten. Werte unterhalb der 50er-Marke deuten allerdings auf eine schwache Konjunktur hin.
Hingegen war der Einkaufsmanagerindex für die USA von 51,5 auf 52,2 Punkte geklettert und lag damit deutlich über den Erwartungen von 51,2 Punkten. Der deutliche Abstand zwischen dem Barometerstand für die USA und jenem für die Eurozone beflügelt den US-Dollar.
In dem Umfeld ist der Euro zuletzt auf 1,1350 US-Dollar je Euro gesunken, womit die Gemeinschaftswährung in der Nähe des Dreizehn-Monats-Tiefs notiert. Im Gegenzug belastet der steigende US-Dollar umso mehr den Goldpreis. Er ist zuletzt bis auf 4.080 US-Dollar je Unze gesunken und notiert damit um 5,5 % unter dem Niveau vom Jahresanfang.
Warten auf US-Inflationsdaten
Umso gespannter warten Investoren auf die nächsten US-Daten. So werden am Donnerstag, 25. Juni um 14.30 Uhr die dritte Schätzung zum Wirtschaftswachstum für das erste Quartal sowie die Inflationsdaten für Mai veröffentlicht.
Volkswirte gehen davon aus, dass die Wirtschaft im ersten Quartal um annualisiert 1,6 % gewachsen ist, womit die zweite Schätzung bestätigt werden würde. Der annualisierte Wert wird errechnet, indem man die Veränderung gegenüber dem Vorquartal mit vier multipliziert.
Bei den Inflationsdaten geht es diesmal nicht um die Inflationsrate, sondern um den PCE-Preisindex sowie die Kernrate des PCE-Preisindex, der der bevorzugte Inflationsindikator der Fed ist. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll der PCE-Preisindex im Mai deutlich gestiegen sein, von 3,8 % auf 4,1 %.
Hingegen soll die Kernrate im Mai lediglich leicht gestiegen sein, von 3,3 % auf 3,4 %. Allerdings würde sie sich damit noch etwas weiter vom 2 %-Inflationsziel der Fed entfernen. Umso wichtiger wäre es, dass US-Präsident Donald Trump den Ölpreis weiter nach unten redet, woraufhin die Spritpreise weiter sinken. Das würde die Inflation dämpfen.
In dem Szenario müssten der neue Fed-Chef Kevin Warsh und seine Kollegen in den nächsten Quartalen bis zum Jahresende den Leitzins möglicherweise gar nicht erhöhen. Bislang gehen Investoren von einer Anhebung um rund 40 Basispunkte bis zum Jahresende aus.
Wie lange steigt der US-Dollar noch?
Sollte der US-Dollar kurzfristig weiter steigen, weil möglicherweise die Turbulenzen am US-Aktienmarkt anhalten, gerade bei den Chipaktien im Speziellen und den Technologieaktien im Allgemeinen, oder weil die US-Konjunkturdaten überraschend gut ausfallen, könnte die Talfahrt beim Goldpreis kurzfristig leider erst einmal weitergehen.
Umso mehr gilt es, eine Beruhigung der Lage abzuwarten, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken, schließlich sollte meiner Meinung nach die Schuldensause in den USA, der Eurozone und vielen anderen Ländern in den nächsten Jahren weitergehen, womit die Fiat-Währungen immer weiter entwertet werden.
Mich würde es zudem nicht überraschen, wenn Trump bald versuchen würde, nach dem Ölpreis auch den US-Dollar nach unten zu reden. Schließlich werden bei einem steigenden US-Dollar US-Produkte im Ausland teurer, womit sich die Aussichten für die Exportwirtschaft der USA eintrüben.
Genau das dürfte Trump absolut nicht gefallen, schließlich will er über einen schwachen US-Dollar den Export von US-Gütern ankurbeln. Als Goldbesitzer gilt es daher, die Entwicklung beim US-Dollar weiter genau im Auge zu behalten. Sollte der US-Dollar nach unten drehen, würde der Goldpreis meiner Meinung nach deutlichen Auftrieb bekommen.