Der Goldpreis kam auch in der letzten Handelswoche wieder unter Druck und fiel im Tief auf 1.884 US-Dollar. Das Protokoll der letzten Notenbanksitzung (Fed-Minutes) zeigte, dass die Notenbankchefs besorgt über einen erneuten Anstieg der Inflation waren. Bisher hatte die Fed angedeutet, dass man die Zinssätze im nächsten Jahr bereits wieder senken könnte, denn man war vermeintlich zuversichtlich, die Inflation würde weiter rückläufig sein. Dies hatte nicht nur die Aktienmärkte, sondern auch den Goldpreis beflügelt.

Das Protokoll zeigt jedoch, dass die Fed ihre Pläne überdenken muss, wenn die Inflation länger heiß bleibt als vom Markt bisher erwartet wurde. Da Zinssenkungen bereits eingepreist sind, reagierten die Aktienmärkte auf die Fed-Minutes mit weiteren Kursrückgängen, während der US-Dollar anstieg und folgend auch der Goldpreis unter Druck geriet.

Steigen die Zinsen bis Jahresende weiter, anstatt zu sinken, so dürfte es einen Großteil der Investoren auf dem falschen Fuß erwischen. Auch der Goldpreis könnte dann unter einem stärkeren US-Dollar in einem deflationären Umfeld weiter unter Verkaufsdruck geraten.

Seitdem die Märkte mit der Idee neuer Zinssenkungen im nächsten Jahr um die Ecke kamen, widerspreche ich dieser Vorstellung und stehe damit ziemlich allein auf breiter Flur. Die Märkte schreiben den säkulären Anleihen-Bärenmarkt der letzten 40 Jahre fort, was nach dem Erreichen der Null- und Negativzinsen jedoch Unsinn ist. Man glaubt, die Fed würde nach dem Muster der letzten 40 Jahre die Zinsen nach den Anhebungen wieder auf null Prozent senken. Man liest, hört und sieht diesen Unsinn überall und es hat die Aktienmärkte aber auch den Goldpreis in diesem Jahr nach oben geschoben.

Die US-Notenbank ist nicht in der Lage die Zinsen erneut zu senken, denn dies würde sofort den Dollar abwerten und die Teuerung anheizen, was die Zinsen auf nur noch höhere Niveaus anheben würde. Sollte die Fed zur Marktmanipulation einen Bluff versuchen Zinsen senken, würde dies eine tolle Tradingchance bieten, denn das Scheitern dieses Vorhabens wäre sicher. Nach 40 Jahren künstlich niedriger Zinsen und einer Dekade mit Nullzinsen ist das Spiel vorbei. Die Notenbanken haben nicht länger die Macht die Zinsen zu drücken. Die Zinsen werden daher auf hohem Niveau verharren und wahrscheinlich in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Sollte die US-Notenbank in der nächsten Rezession ein neues QE-Programm lancieren, würde dies sogar Zinsen im zweistelligen Bereich nach sich ziehen, ähnlich den siebziger Jahren. Diese schwere Stagflation wird in die Geschichtsbücher eingehen!

Da die Zinsen nicht gesenkt werden, wird die Geldmenge weiter schrumpfen und eine Rezession nach sich ziehen. Bis dahin wird es der Goldpreis schwer haben, insbesondere dann, wenn die Märkte beginnen zu verstehen, dass die Zinsen nicht gesenkt werden, die Rezession kommt und die Geldmenge weiter schrumpft. Erst dann, wenn die Notenbanken ein Eingreifen andeuten, wird es kein Halten mehr geben für den Goldpreis, denn der US-Dollar wird dann fallen und die Zinsen weiter ansteigen. Die nächsten Monate werden daher volatil bleiben.

US-Wirtschaft noch robust

Die Prognose der Fed von Atlanta zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts war in der letzten Woche ebenfalls nicht das, was die immer robusten US-Märkte sich erhofften. So soll die US-Wirtschaft im dritten Quartal voraussichtlich mit einer annualisierten Rate von 5,8 % wachsen, wie aus dem GDPNow-Prognosemodell hervorgeht. Auch wenn diese annualisierte Schätzung zu Quartalsbeginn Unsinn ist und noch nach unten revidiert werden wird, so überraschte es die Märkte, dass die US-Wirtschaft noch immer nicht in eine Rezession abzugleiten droht. Die trotz des starken Zinsanstiegs noch robuste Wirtschaft wird in den Augen des Marktes die Fed von Zinssenkungen abhalten, da eine starke Wirtschaft vermeintlich Inflation verursachen würde. Diese Idee, eine starke Wirtschaft wäre die Ursache von Inflation ist ebenso großer Unsinn, wie der Glaube die Fed würde die Zinsen wieder senken und ein neuer Konjunkturaufschwung beginnen. Da die Märkte jedoch dieses Narrativ glauben, sorgten diese guten Wirtschaftsdaten erneut für eine Dollarstärke und diametral gegensätzlich für einen schwachen Goldpreis.

Starker US-Dollar drückt auf den Goldpreis

Der USD-Index war im letzten Monat um über 4 % angestiegen und wie der Phönix aus der Asche auferstanden, nachdem die Medien den US-Dollar für Tod erklärt und sich die Analysten mit bärischen Prognosen überschlugen. Stattdessen konnte der US-Dollar gleich mehrere Widerstände und einen wichtigen Abwärtstrend überwinden, was die Bären bereits in Angst versetzte. Für die nächsten Tage und Wochen scheint eine Korrektur des starken Anstiegs beim US-Dollar überfällig und wahrscheinlich zu sein, was dem Goldpreis noch einmal helfen könnte, sich über 1.900 US-Dollar zu behaupten.

Kurzfristig fehlen jedoch die Katalysatoren für eine erneute Rallye des Goldpreises. Einige Marktteilnehmer haben sich aufgrund des wilden Gerüchts, die BRICS würden eine Goldwährung einführen, Long positioniert, was viel Potenzial für Enttäuschung lässt und der Goldpreis deutlich korrigieren könnte. Südafrika und Indien hatten dieses Gerücht sofort dementiert, was jedoch nicht verhinderte, dass diese Sau bis heute durch Dorf getrieben wird.

Die Terminmarktdaten für Gold und Silber sind noch immer bestenfalls als neutral zu bezeichnen, was auch von dieser Seite her nicht viel Hoffnung gibt. Sollte sich das aktuelle Umfeld hoher Zinsen und einer Abnahme der Liquidität anhalten, so könnte es noch eine vollständige Bereinigung am Terminmarkt geben, wobei der Goldpreis bis auf 1.800 US-Dollar fallen würde.

Marktkommentar 22.08.2023 Bild 1

Rallye des US-Dollars dürfte kurzfristig in eine Konsolidierung übergehen

Goldminen mit herben Verlusten erreichen Zielbereich

Der HUI-Goldminenindex fiel auf 215 Punkte und hat damit mein Korrekturziel schon früher abgearbeitet als der Goldpreis. Ich gab im April und Anfang Mai ein Verkaufssignal für die Minen bei 280 Punkten im HUI-Goldminenindex und riet zu Gewinnmitnahmen. Premium-Abonnenten von Blaschzok Research hatten hier einen Vorteil im Markt. Das Verkaufssignal gab ich zu einer Zeit, als die Masse der Investoren an eine Fortsetzung der Rallye glaubten, was an jedem Hoch eines Marktes immer so war und auch künftig immer sein wird.

Alles unter 200 Punkte im HUI-Goldminenindex sehe ich als Kaufgelegenheit auf Sicht von 12 Monaten. Auch wenn die Minenaktien bisher stärker fielen als der Goldpreis, so besteht noch die Gefahr, dass der Goldpreis noch bis 1.800 abrutschen wird und die Minen weiter mit nach unten gezogen werden. Spätestens bei 180 Punkten im HUI dürfte das Smart Money jedoch die Hand aufhalten und ein weiterer Kursverlust aufgehalten werden. Goldminenaktien sind eine gute Investition, wenn der Goldpreis aufgrund einer neuerlich lockeren Geldpolitik wieder ansteigt.

Marktkommentar 22.08.2023 Bild 2

Die Goldminen sind stärker gefallen, als es der Rückgang des Goldpreises hätte vermuten lassen

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Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.