Investoren fokussieren sich plötzlich auf die negativen Seiten der Politik von US-Präsident Donald Trump. Gleichzeitig hält sich der Goldpreis in der Nähe des Rekordhochs.
Auf Fünfeinhalb-Monats-Tiefs ist der S&P 500 nach unten gerauscht und hat zuletzt auch den DAX deutlich mit nach unten gerissen. Für Verkaufsdruck am US-Aktienmarkt hat dabei vor allem die Sorge vor dem Heraufziehen einer möglichen US-Rezession gesorgt.
So war das US-Außenhandelsdefizit im Januar auf den Rekord von 131,4 Milliarden Dollar nach oben geschossen, was an einem rasanten Anstieg der Importe in die USA gelegen war. Dabei dürften viele US-Unternehmen aus Sorge vor der Strafzollpolitik von US-Präsident Donald Trump den Kauf vieler Produkte aus Kanada, Mexiko und China vorgezogen haben. Gleichzeitig kam es zu massiven Importen von Gold, gerade aus England.
In dem Umfeld notiert der Goldpreis bei rund 2.915 Dollar je Unze und damit um lediglich rund 1 Prozent unter dem Rekordhoch. In dem unsicheren Umfeld für Konjunktur und Aktienmarkt flüchten viele Investoren in den sicheren Hafen Gold – völlig zu Recht!
Je größer das US-Außenhandelsdefizit aber ist, umso mehr drückt das das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA nach unten. Daher hat die Fed von Atlanta zuletzt ihre Prognose für die US-Wirtschaft deutlich nach unten geschraubt und sagt nun für das erste Quartal einen Rückgang des BIPs um annualisiert 2,4 Prozent vorher, nachdem die Fed von Atlanta noch vor wenigen Wochen ein Wachstum von annualisiert 2,5 Prozent prognostiziert hatte. Der annualisierte Wert wird errechnet, indem man die Veränderung gegenüber dem Vorquartal mit 4 multipliziert.
Derartige Zahlen schüren plötzlich Sorgen vor dem Heraufziehen einer möglichen US-Rezession, weshalb viele Investoren bei US-Aktien kräftig den Verkaufen-Knopf gedrückt haben. Für zusätzlichen Abwärtsdruck auf die US-Konjunktur sorgt die Arbeit von Elon Musk und seinem „Department of Government Efficiency“ (DOGE), der versucht, die Staatsausgaben kräftig zu kürzen und Mitarbeiter abzubauen. Das belastet die Konjunktur kurzfristig kräftig.
KI-Hype bekommt weiteren heftigen Dämpfer
Ein zusätzlicher Belastungsfaktor für die US-Aktienmärkte war die Ankündigung des chinesischen Internethändlers Alibaba, demnach er ein ebenso leistungsstarkes KI-Modell wie das chinesische Startup DeepSeek entwickelt habe. Daher verstärkt sich bei Investoren plötzlich die Sorge, dass die Nachfrage nach Grafikprozessoren von Nvidia in den nächsten Jahren auch nicht annähernd so stark steigen könnte, wie bislang angenommen.
Diese Aussicht hat viele andere US-Technologieaktien mit nach unten gerissen, die sich stark auf das Geschäft mit Cloud-/ KI-Lösungen fokussiert haben, wie Microsoft, Amazon oder die Alphabet-Tochter Google.
Größter Zinsanstieg in Deutschland seit 1990
In Deutschland ist in der vergangenen Woche etwas Historisches passiert. Nachdem durchgesickert war, dass eine mögliche neue Bundesregierung aus CDU/ CSU und SPD ein Sondervermögen – sprich Schulden – von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur auflegen will, sowie über die Aufweichung der Schuldenbremse bis zu 500 Milliarden Euro in die Verteidigung investiert werden soll, waren die Zinsen für 10-jährige Bundesanleihen am Mittwoch, 5. Oktober um herbe 30 Basispunkte (0,3 Prozentpunkte) nach oben geschossen. Das war der stärkste Anstieg innerhalb eines Tages seit 1990, dem Jahr der Wiedervereinigung. Dass die Investoren bei der Aussicht auf bis zu 1 Billion Euro an neuen Schulden Bundesanleihen auf den Markt werfen, sollte niemanden überraschen.
Noch ist das alles aber längst nicht in trockenen Tüchern, vielmehr hängt es davon ab, ob die Grünen den Plänen von Union und SPD zustimmen, nur dann gäbe es die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag. Vor dem Hintergrund dürften die nächsten Tage ziemlich spannend werden.
Dass der Goldpreis in den vergangenen Tagen den kräftigen Zinsanstieg in der Eurozone, der zwischenzeitlich auch die Zinsen in den USA nach oben getrieben hatte, problemlos weggesteckt hat, ist mehr als beeindruckend. Sollte es auch nur den kleinsten Zinsrückgang geben, dürfte die Rekordfahrt bei der Notierung des Edelmetalls meiner Meinung nach schnell weitergehen.
EZB signalisiert Zinspause
Da der kräftige Zinsanstieg bei Bundesanleihen auch die Zinsen für viele andere Länder der Eurozone nach oben getrieben hat, wie Italien, Spanien, Frankreich und Griechenland, wird die Geldpolitik der EZB in den nächsten Monaten umso wichtiger.
Zwar hat die EZB bei der Sitzung am 6. März den Einlagenzins für die Banken – darüber steuert die EZB derzeit die Geldpolitik – um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent gesenkt. Allerdings hat die EZB wegen der zunehmenden Inflationsrisiken eine mögliche Zinspause für die nächste Sitzung am 17. April signalisiert, also keine weitere Zinssenkung.
Das letzte, was die Länder der Eurozone in dem Umfeld aber brauchen können, sind steigende Zinsen für zehnjährige Anleihen, die gleichzeitig auch noch die Zinsen für viele Kredite für Verbraucher und Unternehmen nach oben treiben, also für Autos oder Hypotheken.
Je stärker die Zinsen kurzfristig weiter steigen sollten, umso mehr dürfte der Druck auf die EZB in den nächsten Monaten zunehmen, trotz erhöhter und möglicherweise steigender Inflationsraten die Zinsen nicht etwa anzuheben, sondern vielmehr zu senken.
Und wenn alle Stricke reißen, dann dürfte die EZB schlussendlich auch vor einer Rückkehr zum Kauf von Staatsanleihen – sprich zum Gelddrucken – nicht zurückschrecken, um damit die Zinsen einmal mehr künstlich nach unten zu manipulieren.
Dann würde die EZB einmal mehr Billionen von Euro aus heißer Luft schaffen, was die Inflation zusätzlich anheizen würde. Umso mehr müsste man sich gegen diese irrwitzige Politik der EZB mit dem Besitz von physischem Gold schützen.
Warten auf US-Inflationsdaten
Erst einmal warten Investoren aber auf die US-Inflationsdaten, die am Mittwoch, 12. März um 13.30 Uhr veröffentlicht werden. Dabei soll die Inflationsrate im Februar leicht zurückgehen auf 2,9 Prozent, nach 3,0 Prozent für Januar. Zudem soll die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, im Februar auf 3,2 Prozent zurückgehen, nach 3,3 Prozent für Januar.
Am Donnerstag, 13. März folgen um 13.30 Uhr die Daten zu den Erst- und fortgesetzten Anträgen auf US-Arbeitslosenhilfe, sowie die Zahlen zu den US-Produzentenpreisen. Tags drauf am Freitag, wird am 15 Uhr das von der Universität Michigan ermittelte US-Verbrauchervertrauen bekanntgegeben.
Wie auch immer die US-Konjunkturdaten in den nächsten Tagen ausfallen mögen, wird das entsprechend auf US-Zinsen und Dollar und damit auch auf die Aktienmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks, sowie auf den Goldpreis durchschlagen.
Derweil freue ich mich über den anhaltenden Höhenflug des Goldpreises. Meiner Meinung nach sind die Aussichten weiterhin glänzend. Daher macht es weiterhin Sinn, die Bestände an physischem Gold aufzustocken, um die eigene Kaufkraft zu erhalten und sich gegen den anhaltenden Verfall der Fiat-Währungen Dollar und Euro zu schützen.
