Nachdem in der Vorwoche mehrere Fed-Mitglieder Signale in Richtung weiterer geldpolitischer Lockerung gesendet hatten, stieg nach den Fed Funds Futures die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Dezember auf etwa 100 Prozent an, während sie in der Woche bei nur 30 Prozent gelegen hatte. Nach dieser Senkung dürfte es im Januar erst einmal eine Zinssenkungspause geben. Parallel dazu sorgte die Spekulation um Kevin Hassett als möglichen nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank für zusätzliche Fantasie in Richtung einer tendenziell zinssenkungsfreundlicheren Fed in der Zukunft. Trump erklärte in dieser Woche, er habe bereits entschieden, wer Powell als Fed-Vorsitzender ersetzen wird. Der Markt erwartet eine Bekanntgabe innerhalb der nächsten zwei Wochen, wobei jeder andere Kandidat als Kevin Hassett eine Überraschung wäre.

In Folge kletterte der Goldpreis um mehr als 100 US-Dollar bis an seinen Abwärtstrend bei 4.175 US-Dollar an und der Silberpreis bis an sein Allzeithoch bei 54 US-Dollar. Charttechnisch hatte sich der Goldpreis in den vergangenen Wochen immer weiter eingekeilt, wozu auch die Zentralbanken beitrugen, die im Oktober ihre Goldkäufe verstärkt und ihre Reserven um netto 53 Tonnen aufgestockt hatten, was der stärkste monatliche Zuwachs seit November 2024 war.

Im dünnen Feiertagshandel rund um das Thanksgiving-Wochenende am Freitag gelang schließlich der Ausbruch nach oben, gefolgt von einem Preisanstieg bis zum nächsten Widerstand bei 4.245 US-Dollar. Der Silberpreis, der für meine Premium-Abonnenten bereits bei 52,50 US-Dollar ein erneutes Kaufsignal generierte, brach am Freitag über sein Allzeithoch bei 54 US-Dollar aus, worauf sich Shortseller eindecken mussten und der Preis auf ein neues vorläufiges Allzeithoch von 59 US-Dollar sprang und eine überdurchschnittliche Performance zeigte. Das Gold-Silber-Ratio sank darauf deutlich auf 72 am heutigen Mittwoch, dem niedrigsten Stand seit 2021.

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Silber hat den Goldpreis in den letzten Monaten stark outperformed, was das gesunkene Gold-Silber-Ratio zeigt

Nominal handelt Silber nun weit über seinem Allzeithoch, doch real ist noch einiges an Luft nach oben vorhanden. Das inflationsbereinigte Hoch aus dem Jahr 1980 liegt bei über 160 US-Dollar je Feinunze, was das Potenzial zeigt, das Silber in einem Short-Squeeze haben könnte, wenn beispielsweise die großen vier Händler an der COMEX ihre große Shortposition in steigende Preise hinein eindecken müssten. Leider wird die CFTC nach dem Government Shutdown noch bis Ende Januar benötigen, um die CoT-Reporte auf den aktuellen Stand zu bringen. Erst dann werden wir sehen, ob und wie weit sich diese großen Händler bereits eingedeckt haben und wie viel Potenzial es noch nach oben geben könnte.

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Der inflationsbereinigte Allzeithoch aus dem Jahr 1980 würde erst jenseits der 160 US-Dollar erreicht werden

Gold hingegen hat sein reales Hoch von 1980 bei 2.780 US-Dollar bereits deutlich übertroffen. Aber auch Gold ist aktuell keineswegs „zu teuer“, da die offiziellen Inflationszahlen nicht die reale Geldentwertung abbilden und das reale inflationsbereinigte Hoch noch deutlich höher liegt.

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Der inflationsbereinigte Allzeithoch aus dem Jahr 1980 würde erst jenseits der 160 US-Dollar erreicht werden

Ausbruchsniveau entscheidende Marke bei Gold auch für Silber

Dieser Ausbruch über die wichtigen charttechnischen Marken erfolgte im Feiertagshandel unter dünner Liquidität. Seit der Rückkehr der Händler am Dienstag nach Thanksgiving bewegt sich der Markt eher seitwärts und die Rallye des dünnen Feiertagshandels ist zumindest vorerst zum Stillstand gekommen.

Das Kaufsignal mit dem Ausbruch über den Abwärtstrend brachte den erwarteten Anstieg bis zum nächsten Widerstand mit einem neuen Verlaufshoch bei 4.264 US-Dollar im Goldpreis, während Silber einen Profit von 6 US-Dollar brachte, bevor der Markt auf aktuell etwa 58 US-Dollar zurückkam. Solange der Goldpreis über seinem Abwärtstrend handelt, bleibt das Chartbild langfristig aufwärtsgerichtet, ebenso beim Silberpreis oberhalb seines Allzeithochs.

Der Bereich um 4.175 US-Dollar bleibt die zentrale Zone, an der sich entscheidet, ob der Ausbruch nach oben Bestand hat und ein weiterer Anlauf in Richtung des Allzeithochs bei rund 4.400 US-Dollar möglich bleibt oder ob der Goldpreis wieder in den alten Abwärtstrend zurückfällt und die Korrekturszenarien mit 3.700 US-Dollar und 3.450 US-Dollar wieder in den Vordergrund rücken.

Wir verfügen derzeit nicht über den aktuellen CoT-Report der CFTC, da die Datenerfassung aufgrund des Government-Shutdowns erst Ende Januar wieder aktuell sein wird. Jedoch kann die Positionierung der Spekulanten am Terminmarkt anhand der Veränderung der offenen Positionen in den Gold-Futures abgeleitet werden. Demnach haben die Spekulanten ihre Long-Positionen in Gold in den letzten zwei Wochen deutlich ausgebaut, während der Goldpreis nicht in dem gleichen Maß angestiegen ist. Dies ist tendenziell eher ein bärisches Indiz, weshalb man im Trading genau darauf achten sollte, ob der Goldpreis zurück in den Abwärtstrend rutscht, denn ein folgender Long-Drop könnte dann schnelle Preisrückgänge mit sich bringen.

Der Goldpreis brach nach oben aus – solange es zu keinem Rückfall in den vorherigen Abwärtstrend kommt, ist ein weiterer Anstieg auf das Allzeithoch denkbar

Beim Silberpreis bleibt der Bereich um das frühere Hoch bei 54 US-Dollar sowie das Korrekturziel von 40 US-Dollar der maßgebliche Referenzrahmen, falls die aktuelle Stärke durch eine erneute Schwäche am Goldmarkt nicht bestätigt werden sollte. Die physische Investmentnachfrage bei Silber stützt weiterhin den aktuell hohen Preis, während die industrielle Verwendung des Metalls aufgrund seines Rekordanstiegs und einer schwächeren Wirtschaft voraussichtlich zurückgehen wird.

Steigt der Goldpreis nun weiter in Richtung seines Allzeithochs, dürfte insbesondere der Silberpreis kurzfristig davon profitieren, da zusätzliche spekulative Investmentnachfrage einen weiteren Short-Squeeze am Terminmarkt nach sich ziehen könnte. Ein explosiver Preissprung in Richtung 100 US-Dollar wäre dann durchaus vorstellbar, wobei man sich darüber im Klaren sein muss, dass der Preis nach dem Ende eines solchen Squeezes ebenso schnell wieder deutlich korrigieren kann. Deshalb sollte man die Entwicklung des Goldpreises nun sehr genau verfolgen und beobachten, ob der Ausbruch sich als nachhaltig erweist oder nur ein Ergebnis des dünnen Feiertagshandels war. Wir sind im Premium-Research an den entscheidenden Marken bei Gold und Silber Long gegangen und hoffen nun auf eine Fortsetzung der Rallye, während wir uns dem Risiko bewusst sind und mit Stopps unsere Gewinne abgesichert haben.

Der Silberpreis stieg auf ein neues Allzeithoch auf über 59 US-Dollar an

Zentralbanken steigern Goldkäufe

Die Zentralbanken weltweit haben im Oktober ihre Goldkäufe verstärkt und ihre Reserven um netto 53 Tonnen aufgestockt, wie das World Gold Council (WGC) berichtet. Dies entspricht einem Anstieg von 36 % gegenüber September und ist der stärkste monatliche Zuwachs seit November 2024. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Käufe auf 254 Tonnen, was deutlich weniger ist als in den letzten drei Jahren, da die höheren Preise die Nachfrage dämpfen.

Polen bleibt mit 83 Tonnen seit Jahresbeginn der herausragende Käufer. Nach einer fünfmonatigen Pause nahm die polnische Nationalbank ihre Käufe nun wieder auf und kaufte im Oktober 16 Tonnen hinzu, womit sie ihre Bestände auf 531 Tonnen (26 % der Gesamtreserven) erhöhte.

Brasilien zog mit den Käufen Polens im Oktober gleich. Es kaufte zum zweiten Mal in Folge 16 Tonnen hinzu, wodurch sich seine Reserven auf 161 Tonnen (6 % der Gesamtreserven) erhöhten. Die chinesische Zentralbank, ein weiterer Top-Käufer, meldete Goldkäufe für 12 Monate in Folge und kaufte im Oktober 0,9 Tonnen hinzu, wodurch sich die offiziell gemeldete Gesamtmenge auf 2.304 Tonnen erhöhte. Im Gegensatz dazu war Russland der einzige Verkäufer in diesem Monat mit einer Bestandsreduktion um 3 Tonnen.

Analyse zu Palladium: Aufwärtstrend noch intakt

Nachdem der Goldpreis im August über seinen Widerstand bei 3.400 US-Dollar ausbrechen konnte und auch Silber seinen Widerstand bei 35,50 US-Dollar überwand, sprangen Spekulanten auch bei Platin und Palladium auf, worauf die Investmentnachfrage bei den beiden Industriemetallen stark anstieg. Dies mag fundamental unbegründet sein, doch wie auch beim Platin handelt es sich beim Palladium um einen vergleichsweise kleinen Markt, in dem bereits moderate Zuflüsse auf der Investorenseite zu kurzfristigen Preisspitzen führen können.

Die zentrale Frage ist, wie nachhaltig dieser Anstieg tatsächlich ist. In der Regel sind spekulativ getriebene Bewegungen über den Terminmarkt nur von begrenzter Dauer. In den letzten CoT-Daten zeigte sich wieder eine deutliche Verschlechterung in den letzten Wochen, was darauf hindeutet, dass dieser Anstieg in erster Linie spekulativ getragen wurde und die Spekulanten ihr Pulver weitgehend verschossen haben.

Mit dem Ausbruch am Goldmarkt im August über 3.400 US-Dollar gab ich auch ein Kaufsignal für Palladium mit dem möglichen Ziel bei 1.600 US-Dollar, da ich mit erneuten spekulativen Käufen gerechnet hatte. Das gegebene Ziel um den Widerstand bei 1.600 US-Dollar für Gewinnmitnahmen war goldrichtig und brachte meinen Premium-Abonnenten einen schönen Profit. Da der Palladiummarkt eigentlich unter einem strukturellen Überangebot leidet, sagte ich bereits im Vorfeld, dass man dort die Gewinne mitnehmen und auf die Shortseite wechseln sollte. Kurzfristig erwarte ich einen erneuten Test der Unterstützung bei 1.300 bis 1.350 US-Dollar je Feinunze, sobald der Aufwärtstrend bei Palladium bricht. Nur dann, wenn Gold über sein Allzeithoch weiter ansteigt Richtung 5.000 US-Dollar und auch der Silberpreis squeezed Richtung 100 US-Dollar, wäre es denkbar, dass die Investmentnachfrage weiter ansteigt und so auch der Palladiumpreis über 1.600 US-Dollar ansteigen kann. Bleibt dies aus, shorten wir einen Bruch des Aufwärtstrends mit dem ersten Ziel bei 1.300 US-Dollar.

Langfristig ist es jedoch in einer Rezession möglich, dass die Unterseite der Handelsspanne bei 860 US-Dollar erneut angelaufen wird, wobei sich erst bei Bereinigung des überkauften Terminmarktes eine neue Chance auf der Longseite ergeben dürfte. Aktuell dürften kurzfristig weiterhin die Bären am Zug sein.

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Der letzte Trade ging wieder einmal perfekt auf

Langfristige Analyse

Der rückläufige Bedarf infolge des Übergangs zur Elektromobilität sowie das zunehmende Angebot durch die Ausweitung des Sekundärmarkts aus recycelten Katalysatoren dürften in den kommenden drei Jahren zu einem deutlichen Überschuss führen. Dies sollte den Verkaufsdruck auf dem Palladiummarkt weiter erhöhen. Nur ein starker Anstieg der Investmentnachfrage könnte dieses Angebot kompensieren, was einen weiterhin steigenden Gold- und Silberpreis erfordert.

Zusätzlich stellt eine globale wirtschaftliche Abschwächung ein weiteres Risiko für den Palladiumpreis dar. Im Falle einer Rezession mit dem Einbruch des Aktienmarktes wäre ein kurzfristiger und markanter Rückgang auf die Unterstützungszone bei 850 US-Dollar sehr wahrscheinlich.

Das langfristige Bild ist nicht optimistisch für den Palladiumpreis, da das wachsende Angebot aus dem Recyclingbereich voraussichtlich anhaltenden Einfluss auf den Markt haben wird. Spekulativ getriebene Preisanstiege, wie die kürzliche Preisrallye, stellen eine ideale Short-Chance dar. Parallel dazu dürfte sich das bereits historisch niedrige Palladium-Gold-Ratio in den kommenden Jahren weiter verringern und womöglich auf ein neues Allzeittief fallen.

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Bei 1.600 US-Dollar wurde ein signifikanter Widerstand erreicht

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Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.