Die Aktienmärkte und Gold sind zuletzt gestiegen. Umso mehr rücken die nächsten US-Konjunkturdaten in den Fokus.

Trotz des Höhenflugs an den US-Börsen sind viele Anleger verunsichert. Kommt die Jahresendrally, oder haben wir den Höhepunkt an den US-Aktienmärkten bereits gesehen, dürften sich viele Anleger fragen. Dabei liegt der S&P500 um lediglich 1,0 Prozent unter dem Rekordhoch.

Zudem ist der Goldpreis zuletzt etwas gestiegen und notiert mit Kursen um die 4.200 US-Dollar je Unze um 4,5 Prozent unter dem Rekordhoch. Der Kursanstieg seit Jahresanfang um 60 Prozent kann sich aber mehr als sehen lassen.

Die neuesten Daten aus den USA deuten darauf hin, dass der Verfall des US-Dollar in den nächsten Monaten und Jahren weitergehen dürfte, woraufhin die Rekordfahrt beim Goldpreis klar weitergehen sollte.

So war das US-Haushaltsdefizit im Oktober um 10,4 Prozent auf 284,4 Mrd. US-Dollar gestiegen. Das war das zweitgrößte Defizit aller Zeiten, nur im April 2022 sah die Lage mit 308,2 Mrd. US-Dollar noch schlechter aus.

Wegen der horrenden Verschuldung sind dabei die Zinszahlungen im Oktober 2025 auf den Rekord von 104,4 Mrd. US-Dollar geklettert. Aufs Jahr hochgerechnet sind das rund 1,25 Billionen US-Dollar – 1,25 Billionen US-Dollar an Zinszahlungen pro Jahr!

Vor dem Hintergrund dieser besorgniserregenden Zahlen sollte es niemanden überraschen, dass US-Präsident Donald Trump zuletzt gesagt hat, er habe entschieden, wer der Nachfolger von Fed-Chef Jay Powell werden soll. Dessen Amtszeit an der Fed-Spitze endet im Mai 2026.

Nach Trumps Ankündigung ist die Wahrscheinlichkeit, dass Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett als Powells Nachfolger nominiert werden könnte, nach oben geschossen. Hassett ist völlig auf Trumps Linie und hat in den vergangenen Monaten wiederholt kräftige Zinssenkungen gefordert.

Turbulenzen in Japan sorgen für Aufwärtsdruck bei Zinsen im Rest der Welt

Wieso sind trotz dieser Aussicht die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen zuletzt deutlich gestiegen, während auch jene für 10-jährige Bundesanleihen deutlich geklettert sind? Grund sind die Turbulenzen in Japan, nachdem der Chef der dortigen Notenbank Kazuo Ueda völlig überraschend eine mögliche Zinserhöhung für die Sitzung am Freitag, 19. Dezember, ins Spiel gebracht hat.

Die Notenbank hatte die Zinsen letztmals im Januar 2025 von 0,25 Prozent auf 0,5 Prozent angehoben, womit sie auf dem höchsten Niveau seit 17 Jahren liegen.

Offenbar reagiert die Notenbank nun auf die Pläne der ersten weiblichen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi, die mit einem aggressiven Fiskalprogramm die Konjunktur ankurbeln will.

Uedas Signal hatte kurz für einen Anstieg des Yen gesorgt, was bei Investoren Sorgen vor einer möglichen Auflösung des Yen-Carry-Trades geschürt hat. Dabei verschulden sich Investoren zu sehr günstigen Zinsen auf Yen-Basis und stecken das Geld beispielsweise in US-Aktien. Dabei profitieren Investoren gleich von zwei Seiten: Einerseits machen sie Währungsgewinne, weil der Yen auf Talfahrt gegenüber dem US-Dollar ist, und andererseits profitieren Investoren von steigenden Kursen bei US-Aktien.

Das Spiel geht allerdings nur so lange gut, wie der Yen fällt. Wenn er plötzlich steigt, fangen Investoren an, ihre Yen-Kredite zurückzuzahlen und verkaufen dazu ihre US-Aktien, was für Verkaufsdruck am US-Aktienmarkt sorgt.

Daher ist es wichtig, wie es kurzfristig bei den Zinsen in Japan und damit beim Yen weitergeht, denn das hat Auswirkungen auf die Aktienmärkte rund um den Globus und – bei steigenden US-Zinsen – auch auf den Goldpreis.

Warten auf US-Konjunkturdaten

Umso wichtiger sind die US-Konjunkturdaten in den nächsten Tagen vor der Fed-Sitzung am Mittwoch, 10. Dezember. Am Mittwoch, 3. Dezember, schauen Investoren vor allem auf den US-Arbeitsmarktbericht von ADP, der um 14.15 Uhr veröffentlicht wird. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die US-Privatwirtschaft im November lediglich 20.000 Jobs geschaffen haben, nach 42.000 für Oktober.

Am Mittwoch um 16 Uhr folgt dann der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) für den US-Dienstleistungssektor. Er soll im November leicht zurückgegangen sein von 52,4 Punkte auf 52,1 Punkte, würde aber weiterhin ein deutliches Wachstum in dem wichtigen Sektor der USA signalisieren.

Dabei gilt es, bei dem Index auch die Beschäftigungskomponente genau anzuschauen. Im Oktober hatte sie einen Beschäftigungsabbau in dem Sektor signalisiert.

Zwei Tage später, am Freitag, 5. Dezember, werden um 14.30 Uhr die US-Inflationsdaten bekanntgegeben. Diesmal geht es allerdings nicht um die offizielle Inflationsrate, sondern um den PCE-Preisindex und die Kernrate des PCE-Preisindex, sie ist der bevorzugte Inflationsindikator der Fed.

Das sind zwar die Zahlen für September, sie werden wegen des zwischenzeitlichen Shutdowns verspätet veröffentlicht. Dennoch könnten die Börsen auf die veralteten Zahlen deutlich reagieren.

Am Freitag um 16 Uhr veröffentlicht dann die Universität von Michigan die Daten zum US-Verbrauchervertrauen.

Je nachdem, wie die einzelnen Daten in den nächsten Tagen ausfallen, hat das Auswirkungen auf US-Zinsen und US-Dollar und damit auf die Aktienmärkte in den USA und den Rest der Welt sowie auf den Goldpreis.

Unabhängig von der kurzfristigen Entwicklung sollte der Goldpreis meiner Meinung nach die Rekordfahrt klar fortsetzen. Ich gehe davon aus, dass das Edelmetall noch vor Jahresende auf neue Rekordhochs klettern und der Höhenflug 2026 weitergehen wird. Vor dem Hintergrund macht es weiterhin großen Sinn, die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.