Der Platinpreis fiel in den vergangenen Jahren aufgrund eines persistenten Überangebots am physischen Markt sukzessive auf 780 $. Der Preisverfall beschleunigte sich mit den weltweiten Shutdowns und dem Stillstand der Automobilindustrie, sodass der Preis im März auf unter 600 $ je Feinunze fiel. Da Platin primär in Katalysatoren von Dieselfahrzeugen Verwendung findet, gibt es während Rezessionen immer starke Einbrüche des Platinpreises, wenn die Nachfrage nach Neufahrzeugen einbricht. So hatten wir auch diesmal den starken Preiseinbruch leicht antizipieren und mit großem Profit handeln können.

Platin in US-Dollar 25.05.2020

In Rezessionen brach der Preis des Industriemetalls Platin immer stark ein.

Nachdem der Preis um 40 % eingebrochen war, hatten wir zwar mit einer Zwischenerholung gerechnet, doch nicht mit einem so starken Preisanstieg auf wieder 940 $ je Feinunze in der letzten Handelswoche. Nach Jahren mit einem Überangebot, zeigte sich ausgerechnet in dem stärksten Wirtschaftseinbruch seit der großen Depression plötzlich ein physisches Defizit am Platinmarkt. Damit verhält sich der Platinpreis anders als bei jeder bisherigen Rezession. Hintergrund der relativen Stärke, die sich auch in den Terminmarktdaten der CFTC deutlich zeigt, war die corona-bedingte staatlich verordnete Zwangsschließung der Platinminen in Südafrika. Dadurch brach das Angebot stärker ein als die Nachfrage, was absurderweise gerade in der Rezession plötzlich für ein Defizit am physischen Markt gesorgt hatte.

Diese künstliche Verknappung des Angebots wird jedoch nur solange anhalten, bis die Platinminen in Südafrika ihren vollen Betrieb wieder aufnehmen werden. Erst vor wenigen Wochen wurde den Minen die Produktion mit halber Kapazität wieder gestattet. Es zeigte sich jedoch, dass die kostspielige Untertageförderung auf Sparflamme nicht rentabel ist. Die Minenindustrie in Südafrika, die weltweit der größte Platinproduzent ist, fordert daher von der Regierung ihre Produktion wieder erhöhen zu dürfen, da die Kosten höher als die Erträge sind, andernfalls drohen Minenschließungen. Da Südafrika trotz kaum umgesetzter Schutzmaßnahmen sehr gut durch die Krise ging und man sich die Steuerausfälle und Unruhen von Arbeitern nicht leisten kann, wird die Platinproduktion wahrscheinlich sehr bald wieder auf Normalbetrieb hochgefahren werden.

Die Nachfrage nach Neufahrzeugen dürfte in der Rezession jedoch nicht wieder so schnell zunehmen, weshalb auch die physische Nachfrage nicht so schnell auf das Vorkrisenniveau zurückkehren dürfte und somit das Ende des Defizits am Platinmarkt schon absehbar ist. Kurzfristig könnte das herrschende Defizit den Preis noch oben halten oder auf leicht höhere Preisniveaus führen. Auf Sicht der kommenden Monate erwarten wir mit einer Rückkehr der vollen Minenproduktion jedoch wieder das alte Überangebot am Platinmarkt und damit einen erneuten deutlichen Preiseinbruch, wobei auch das Tief bei 600 $ noch einmal angelaufen werden könnte. Im Trading muss man nun darauf warten, bis sich Schwäche am Terminmarkt zeigt, um dann mit charttechnischen Verkaufssignalen auf einen fallenden Preis zu setzen.

Das World Platinum Investment Council (WPIC) erwartet für 2020 eine insgesamt 18 % niedrigere Nachfrage, während die Produktion aufgrund der Shutdowns auf Jahressicht um 13 % abnehmen sollte. Damit soll der Markt in 2020 einen Überschuss von 247 Tsd. Unzen Platin erreichen, während es 2019 vermeintlich noch ein Defizit von 168 Tsd. Unzen gab. Auf der anderen Seite könnte die Investmentnachfrage aufgrund der massiven QE-Programme womöglich stärker zunehmen und damit das Überangebot ausgleichen. Aktuell gibt es sehr viele Variablen, die politisch abhängig sind und sich schnell ändern können, weshalb die kurz- bis mittelfristige Prognose so schwer wie noch nie sein dürfte. Aktuell erwarten wir im zweiten Quartal wieder ein Überangebot am Platinmarkt und einen weiteren Preisrücksetzer. Im dritten und vierten Quartal dürfte die Nachfrage im Zuge einer wirtschaftlichen Erholung wieder zunehmen und der Preis wieder ansteigen. Langfristig dürfte auch Platin eine interessante Möglichkeit bieten, um sich gegen Inflation zu schützen, wenn man es zu 5 bis 10 % einem Edelmetalldepot beimischt.

Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.