CoT-Daten für Platin vom 8. Dezember:

Zur Vorwoche und zum Vormonat zeigen die Terminmarktdaten, dass das Angebot und die Nachfrage am physischen Markt vermutlich ausgeglichen waren. Der CoT-Index verbesserte sich zum Vormonat von 68 auf 75 Punkte. Insgesamt ist der Terminmarkt mit einem CoT-Index von 75 im leicht bullischen Bereich, doch bedeutet dies nicht, dass man technische Kaufsignale sorgenlos annehmen sollte. In den letzten Monaten zeigten die Terminmarktdaten Schwäche und eine Rezession könnte schnell zu einem Überangebot führen, wenn die industrielle Nachfrage kurzzeitig einbricht und so den Preis stark unter Druck bringt. Da das deflationäre Umfeld aktuell anhält, besteht diese Gefahr unverändert fort. Da der Terminmarkt überverkauft ist, könnten sich zwar Chancen auf der Long-Seite für kurzfristige Preisanstiege nach technischen Kaufsignalen ergeben, die Daytrader nutzen können, doch von einem Kauf auf Sicht von Wochen rate ich ab.

Mit einem CoT-Index von 75 Punkten ist Platin noch immer überverkauft, doch zeigte sich zuletzt ein Überangebot am Markt

 

Technische Chartanalyse – kurzfristiger Ausblick

Zuletzt hatten wir erwartet, dass Platin wieder auf 900 US-Dollar und darunter gen 800 US-Dollar fallen würde, was eintraf.

In der Analyse vom 10. Oktober schrieb ich:

Die kurzfristige Entwicklung des Platinpreises hängt weiterhin von der Entwicklung des Goldpreises ab. Die Erholung des Goldpreises hat eine Fortsetzung des Preiseinbruchs am Platinmarkt bis auf 800 US-Dollar vorerst verhindert. Womöglich springen die Spekulanten nun wieder auf und treiben den Preis am Platinmarkt wieder nach oben. Bei 915 US_Dollar verläuft ein Abwärtstrend und sollte dieser überwunden werden, wäre ein Preisanstieg auf 1.000 US-Dollar denkbar. Dort würde die Luft kurzfristig wieder dünn werden und der Platinpreis könnte mit einer erneuten Schwäche am Goldmarkt dann die 800 US-Dollar letztlich noch anlaufen.

Da der Terminmarkt deutlich überverkauft war, gab es die Chance für den Platinpreis an den Widerstand bei 1.000 US-Dollar zu steigen, wenn der Goldpreis sich weiterhin um die Marke von 2.000 US-Dollar halten kann oder gar darüber ansteigt. Diese kleine Hoffnung für einen kurzfristigen Preisanstieg um 70 US-Dollar wurde enttäuscht und Platin handelt weiterhin unverändert auf dem gleichen Niveau. Während der Silberpreis wenigstens kurzzeitig von der Stärke bei Gold profitieren konnte, blieb der Platinpreis zurück. Dies ist ein Zeichen von Schwäche im Vorfeld einer Rezession und einer möglichen Fortsetzung der Korrektur am Goldmarkt über die Amplitude oder die Zeitachse.

Da sich das wirtschaftliche Umfeld eintrübt, sollte man erst eine Bereinigung am gesamten Edelmetallmarkt abwarten, bevor man bedenkenlos im Swing-Trading auf Sicht mehrerer Wochen oder Monate mit einem guten CRV (Chance-Risiko-Verhältnis) erneut auf einen Anstieg des Platinpreises wetten kann. Der Goldmarkt ist jedoch noch nicht bereinigt, was ein Risikofaktor für den Platinmarkt ist, ebenso wie die aufziehende Rezession.

Das fundamentale Umfeld lässt wenig Fantasie für einen nachhaltigen Preisanstieg und es gibt mehr Risiken als Chancen. Wer kein kurzfristig agierender Trader ist, sollte diesem Markt vorerst meidenbis eine Rezession komplett eingepreist ist und die Notenbanken mit dem Drucken von Geld aus dem Nichts eine Kreditkrise bekämpfen.

Im Falle einer Rezession mit einer Verkaufspanik an den Märkten, wäre es möglich, dass die Tiefs aus dem Crash in 2020 noch einmal angelaufen oder deutlich unterschritten würden, was man als perfekte Kaufchance sehen sollte.

Der Platinpreis zeigt im Vorfeld einer Rezession Schwäche und konnte nicht von der Manie am Goldmarkt profitieren

Langfristige Analyse

Mittel- bis langfristig hat Platin weiterhin ein Problem, da mehr als die Hälfte der jährlichen Minenproduktion in der Automobilindustrie zur Herstellung von Katalysatoren Verwendung findet. Die Rezession wird in den nächsten Jahren im Umfeld steigender Zinsen an Fahrt aufnehmen, sowie die hohen Zinsen die Leasing- sowie Finanzierungsmodelle für Neuwagen auf die Probe stellen. Mit einem starken Rückgang der Neuwagenverkäufe und entsprechenden Gewinnrückgängen für die Automobilhersteller ist zu rechnen. Dazu kommt, dass mit der Umstellung auf Elektrofahrzeuge der Bedarf an Katalysatoren abnimmt, was ein langfristig belastender Faktor sein dürfte.

Dennoch dürfte sich im Bereich zwischen 800 US-Dollar und 1.000 US-Dollar ein langfristiger Boden ausbilden. Wir empfehlen Rücksetzer in den Bereich um die 800 US-Dollar als mittel- bis langfristige Kaufchance zu nutzen. Auch kurzfristig agierende Trader haben dort grundsätzlich ein Setup mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis.

Man muss sich jedoch bewusst sein, dass der Platin- und Palladiumpreis während Rezessionen in der Vergangenheit kurzzeitig auch immer stark einbrach, weshalb eine Stop-Loss-Order der beste Freund kurzfristig agierender Trader ist. Ein panikartiger Einbruch auf nochmals 500 US-Dollar wäre in einer Rezession oder einer neuen Krise mit einer Verkaufspanik an den Märkten durchaus denkbar.

Die einzige Hoffnung für eine Stärke des Platinpreises wäre ein signifikanter Rückgang des Angebots aufgrund einer zunehmenden Stromknappheit in Südafrika, sowie einer politischen Krise in dem zunehmend instabilen Land. Dies lässt sich jedoch, anders als die kommende Rezession, schwer prognostizieren. Das Angebot kann deutlich zurückgehen, doch muss das nicht passieren. Die kommende Rezession ist hingegen sicher.

Sobald die Notenbanken mit neuen QE-Programmen auf die bevorstehende weltweite Rezession oder alternativ schon früher auf einen exogenen Faktor hin reagieren werden, bieten sich enorme Chancen für die Bullen. Sollten die Notenbanken aufgrund exogener Ereignisse jedoch vor der offenen Manifestation einer Rezession agieren, worauf der Bail Out von SVB und der Credit Suisse zu Jahresbeginn hindeuten, so würde ein Preiseinbruch verhindert werden. Wichtig ist, dass man zum Bullen mutiert, sobald die Notenbanken auch nur neue QE-Programme in Erwägung ziehen. Andererseits sollte man vorsichtig sein im Vorfeld der aufkommenden Rezession.

Wie in der Vergangenheit ist bei einer Rezession ein nochmaliger starker Preiseinbruch möglich, es sei denn, es gibt davor schon ein neues QE-Programm

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Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.