Die US-Staatsschulden sind auf den Rekord von 40 Billionen US-Dollar gestiegen. Umso begeisterter haben Investoren auf die Nachrichten vom US-Finanzministerium reagiert.

Bis auf knapp 4.530 US-Dollar je Unze war der Goldpreis am Mittwoch, 19. August, nach oben geschossen und hatte damit nicht nur die 100-Tage-Linie bei rund 4.391 US-Dollar, sondern auch die 200-Tage-Linie bei rund 4.496 US-Dollar nach oben durchbrochen, ehe der Preis auf aktuell 4.490 US-Dollar nachgegeben hat.

Den Kurssprung ausgelöst hatte eine vom US-Finanzministerium am Mittwoch, 19. August, um 14.30 Uhr veröffentlichte Nachricht, woraufhin die Zinsen für Anleihen mit einer Laufzeit von 10 bis 30 Jahren eingebrochen sind. Das hatte auch den Dollar mit nach unten gerissen. Im Gegenzug hatte der Goldpreis gleich von zwei Seiten aus Rückenwind.

Demnach stockt das Finanzministerium die Rückkäufe langlaufender Anleihen, also Papiere mit einer Laufzeit von 10 bis 20 Jahren bzw. 20 bis 30 Jahren, massiv auf, von höchstens 2 Mrd. US-Dollar pro Operation bzw. Rückkauftag auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar. Die Maßnahme startet am 9. September und soll bis 4. November laufen. Nähere Daten zu den künftigen Rückkäufen will das Ministerium am 4. November veröffentlichen.

Laut dem Finanzministerium will es damit die Liquidität am Markt erhöhen, so die offizielle Pressemeldung. Tatsächlich ist der Plan der US-Regierung aber eine Reaktion auf die kräftig gestiegenen Zinsen für 10- und 30-jährige US-Anleihen, siehe Beitrag „Weltweite Zinsen steigen auf höchstes Niveau seit Jahrzehnten“ vom Mittwoch, 19. August.

Manche „Experten“ mögen argumentieren, dass die Rückkäufe von langlaufenden US-Staatsanleihen durch das Finanzministerium kein QE-Gelddrucken seien, wie es die Fed jahrelang gemacht hatte.

Die Reaktion am Anleihenmarkt, also der Einbruch der Zinsen, zeigt aber, dass die Investoren es als QE-Gelddrucken betrachten, schließlich ist ihnen völlig egal, ob die Fed oder das Finanzministerium langlaufende Anleihen kauft, um die Zinsen künstlich nach unten zu manipulieren.

Logischerweise muss die Fed die Käufe langlaufender Anleihen durch die zusätzliche Emission kurz- und mittelfristiger Anleihen finanzieren. Das wiederum sorgt für deutlichen Aufwärtsdruck bei den Zinsen für kurz- und mittelfristig laufende Papiere.

Für den Zeitraum von knapp zwei Monaten vom 9. September bis 4. November sind 9 Operationen geplant. Demnach werden die Rückkäufe in dem Zeitraum um mindestens 18 Mrd. US-Dollar auf mindestens 36 Mrd. US-Dollar aufgestockt. Das sind lediglich rund 9 Mrd. US-Dollar zusätzlich pro Monat, also „Peanuts“, wie mancher sagen würde.

Jedermann sollte klar sein, dass ein derartig mickriges Volumen die Zinsen für 10- bis 30-jährige Anleihen nicht lange auf dem aktuellen Niveau halten kann. Sollten die Investoren daher erneut langlaufende Staatsanleihen verkaufen und damit die Zinsen wieder nach unten treiben, müsste das Finanzministerium seine Rückkäufe deutlich aufstocken.

Anleihekäufe der Fed sind nicht ausgelaufen

In dem Umfeld ist es meiner Meinung nach nur noch eine Frage der Zeit, wann die Fed dem Finanzministerium beispringen und ebenfalls langlaufende US-Anleihen kaufen wird, um die Zinsen künstlich nach unten zu manipulieren.

In meinem Beitrag vom 19. August hatte ich geschrieben, dass die Fed nicht zuschauen könne, wie die Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen immer weiter steigen würden und damit die Zinsen für Kredite für Unternehmen und Verbraucher immer weiter nach oben treiben würden. Das würde die Konjunktur in den USA immer stärker belasten.

Zur Erinnerung: Die Fed hatte bei der Sitzung im Dezember 2025 für viele „Experten“ völlig überraschend den Kauf von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von höchstens einem Jahr angekündigt, seitdem ist der Bestand der Fed um herbe 338,0 Mrd. US-Dollar nach oben geschossen. Das sind rund 40 Mrd. US-Dollar pro Monat.

Sinn der Übung: Die Zinsen für kurzfristige Anleihen künstlich nach unten zu manipulieren und damit auch jene für langlaufende Anleihen künstlich nach unten zu manipulieren.

Eigentlich hätten die Käufe Mitte April anlässlich der Steuerrückerstattungen an die privaten Haushalte auslaufen sollen. Ich hatte aber von Anfang an wiederholt gesagt und geschrieben, dass die Käufe eben nicht auslaufen, sondern vielmehr immer weiter laufen würden. Genau so ist es auch gekommen.

Denn würde die Fed die Käufe dieser kurzlaufenden Anleihen auslaufen lassen, würden die Zinsen steigen und damit auch für Aufwärtsdruck bei den Zinsen für langlaufende Anleihen sorgen. Das will die Fed aber ganz offenbar nicht.

US-Schulden steigen auf Rekord von 40 Billionen US-Dollar

Um es noch einmal klar zu sagen: Ich bezweifle sehr, dass die Fed in den nächsten Monaten trotz der deutlich erhöhten Inflation die Leitzinsen von aktuell 3,5 bis 3,75 Prozent anheben wird. Denn falls die Fed das tatsächlich tun würde, dann würden die Verbraucher und die Unternehmen nicht nur die erhöhte Inflation, sprich die hohen Spritpreise etc., zu spüren bekommen, sondern auch noch höhere Zinsen als ohnehin schon. Das würde die Wirtschaft umso mehr belasten.

Insgesamt bleibt das Problem, dass die massive Schuldensause bei den Hyperscalern, also den Betreibern großer Rechenzentren, weitergeht und damit die Zinsen nicht nur für Unternehmen, sondern auch jene für US-Staatsanleihen nach oben treibt, weil die Kreditnachfrage insgesamt kräftig steigt.

Gleichzeitig sind die Schulden auf Bundesebene am Mittwoch, 19. August, auf den Rekord von 40 Billionen US-Dollar gestiegen – damit sind die Schulden innerhalb von lediglich 3 Monaten um herbe 1,0 Billionen US-Dollar geklettert –, während sich die Zinszahlungen auf mehr als 1,1 Billionen US-Dollar pro Jahr belaufen. Das sind Zinsbelastungen von horrenden 3,0 Mrd. US-Dollar pro Tag!

Und da wollen uns viele „Experten“ weismachen, dass die Zinsen in den USA – wegen der Schuldensause – in den nächsten Monaten und Jahren weiter deutlich steigen würden. Das halte ich hingegen für extrem unwahrscheinlich, denn umso schneller würde das Kartenhaus zusammenbrechen.

Vielmehr ist meiner Meinung nach nur noch eine Frage der Zeit, bis die Fed einen Vorwand finden wird, um die Zinsen künstlich nach unten zu manipulieren. Und genau diese Aussicht sollte den Goldpreis weiter nach oben treiben – völlig zu Recht!

Ich bleibe daher mittel- und langfristig sehr bullisch für Gold. Meiner Meinung nach sollte es sich lohnen, die aktuellen Preise zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold weiter deutlich aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.