Zum Monatsbeginn betonte US-Notenbankchef Jerome Powell noch in einer Rede, dass es verfrüht sei weitere Zinsanhebungen auszuschließen oder bereits auf Zinssenkungen zu spekulieren. Man sei bereit, die Geldpolitik weiter zu straffen, wenn es notwendig würde, dies zu tun. Diametral gegensätzlich äußerte sich Powell hingegen vergangenen Mittwoch auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid des FOMC. Er sagte, es sei wahrscheinlich nicht angebracht die Zinsen weiter anzuheben. Binnen zwei Wochen hatte sich die Einschätzung der Fed völlig geändert, worauf der US-Dollar einbrach und die Aktien-, Anleihen und der Edelmetallmarkt alle anstiegen.

Powell gab die Trendwende bekannt und der Dot-Plot signalisiert nun drei Zinssenkungen im nächsten Jahr und vier Zinssenkungen in 2025 auf einen Leitzins von 2,5 %. Dies ist ein unrealistisch niedriges Zinsniveau weit unter dem natürlichen Marktzins, das ohne eine erneute Lockerung der Geldpolitik nicht einmal kurzzeitig tragbar sein dürfte. Während die Fed den Sieg über die Preisinflation erklärte, werden die QT-Programme unvermindert fortgesetzt, womit das deflationäre Umfeld anhalten wird.

Powell betonte, dass Zinssenkungen ohne eine Rezession gerechtfertigt seien und sich die Wirtschaft womöglich „normalisieren“ würde. Die Vorstellung, die Weltwirtschaft könnte einen historisch starken Zinsanstieg verarbeiten, ohne die Fehlallokationen aus dem vorherigen Konjunkturaufschwung in einer Rezession zu bereinigen, ist meiner Meinung nach eine Wunschvorstellung fern ab der Realität. Es ist völlig normal in der Welt des Fiat-Money, dass zwischen Zinsanstiegen und dem Ausbruch von Rezessionen eine gewisse Zeit vergeht. Die Zinsanstiege führen zu Kreditausfällen, die sukzessive weitere Unternehmen zu Fall bringen und letztlich zu einer Kreditkontraktion führen. Bereits jetzt schrumpfen die Kreditgeldmenge der Banken sowie die Bilanzen der Notenbanken aufgrund der QT-Programme, was ein schwieriges Umfeld für Bullen an den Finanzmärkten ist. Während Inflation alle Assetklassen steigen lässt, bewirkt die Deflation genau das Gegenteil und es sollte Verkaufsdruck entstehen, bis die Notenbanken aufgrund einer Rezession wieder neue QE-Programme lancieren.

Für mich stellt sich daher nicht die Frage, ob eine Rezession bevorsteht, sondern nur wie lange die Notenbanken die Füße in dieser Deflation stillhalten werden, bevor sie mit neuerlichen QE-Programmen eingreifen werden, um das Kreditgeld- und Bankensystem vor dem Kollaps zu bewahren. Wenn die Notenbanken intervenieren, werden die Fiat-Währungen erneut abwerten und der Goldpreis diametral gegensätzlich stark ansteigen. Doch bis dahin ist das Umfeld deflationär, womit eine neuerliche Rallye des Goldpreises aktuell unwahrscheinlich ist und man vorerst bestenfalls mit einer trendlosen, seitwärts gerichteten Entwicklung rechnen muss, wenn nicht neue exogene Faktoren die Notenbanken zu frühen geldpolitischen Lockerungen zwingen.

Fed-Chef Williams dämpft die Euphorie

Nachdem der Goldpreis auf die Aussagen von Jerome Powell hin am Mittwoch von 1.983 US-Dollar bis Freitag auf 2.047 US-Dollar ansteigen konnte, führten die Aussagen des New Yorker Notenbankchefs John Williams zu einem erneuten Rückgang des Goldpreises auf 2.015 US-Dollar je Feinunze. Williams relativierte nicht nur die Aussagen von Powell, wonach man beim FOMC über Zinssenkungen bereits sprechen würde, sondern erklärte diametral gegensätzlich, dass dies falsch wäre und man im Moment nicht wirklich über Zinssenkungen redet. Weiterhin sagte er, „es ist einfach verfrüht, darüber nachzudenken“, was die Märkte nun sichtbar verunsichert und sich die anfängliche Euphorie wieder gelegt hat. Er fügte hinzu: “Es sieht so aus, als ob wir in Bezug auf ausreichende Restriktionen so weit wären, aber die Dinge können sich ändern“. “Wir haben im vergangenen Jahr gelernt, dass sich die Daten verändern können, und zwar in überraschender Weise, so dass wir bereit sein müssen, die Politik weiter zu straffen, falls die Inflationsentwicklung ins Stocken gerät oder sich umkehrt.” Immerhin sagte Williams, er sei optimistisch, dass sich die jüngste Verbesserung der Inflation fortsetzen und dies der Fed den Spielraum geben werde, im nächsten Jahr Zinssenkungen in Betracht zu ziehen, wobei der Markt möglicherweise stärker reagiere, als die Prognosen der Fed vermuten lassen. Seither sind die Märkte verunsichert, wie es weitergehen wird, doch noch hält sich der Goldpreis über der Unterstützung bei 2.000 US-Dollar je Feinunze.

Goldpreis charttechnisch angeschlagen

Das Chartbild für den Goldpreis ist mittlerweile stark angeschlagen. Das historisch starke Reversal an einem neuen Allzeithoch am Goldmarkt hat viele Bullen auf dem falschen Fuß erwischt und entsprechend verunsichert sind die Investoren aktuell. Charttechnisch gesehen ist das Reversal mit dem folgenden Test der Unterstützung bei 1.980 US-Dollar ein kurzfristig sehr bärisches Zeichen. Kein erfahrener Spekulant wird bei dieser Schwäche über einem Allzeithoch noch auf eine Rallye hoffen. Im Gegenteil sind die Bären am Zug und nachdem nun die Euphorie nach den Aussagen von Fed-Chef Williams wieder verflogen ist, droht der Goldpreis unter die wichtige Unterstützung bei 1.980 US-Dollar zu fallen.

Bullen wurden zu einem neuen Allzeithoch abgefischt und der Aufwärtstrend bereits gebrochen. Charttechnisch erfolgte mit dem Preisanstieg in der letzten Woche ein erneuter Test des ehemaligen Aufwärtstrends, was noch immer bärisch ist. Erst Preise oberhalb von 2.080US-Dollar würden das Chartbild wieder aufhellen. Fällt der Goldpreis hingegen wieder unter 1.980 US-Dollar, so lägen die nächsten beiden Unterstützungen bei 1.940 US-Dollar und insbesondere erst bei 1.900 US-Dollar je Feinunze, was das wahrscheinlichste Szenario sein dürfte.

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Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.