Der Gold- und der Silberpreis handelten auch in der letzten Handelswoche weiter in luftigen Höhen an wichtigen Unterstützungen. Die Bullen und Bären am Silbermarkt kämpfen bereits seit Mitte Dezember in einer engen Handelsspanne von nur anderthalb US-Dollar. Ein Ausbruch aus dieser potenziell bullischen Formation zwischen 24,50 US-Dollar auf der Oberseite und 23,25 US-Dollar auf der Unterseite dürfte einen starken Impuls nach sich ziehen. Gewinnen die Bullen diese Schlacht, so dürfte der Silberpreis auf 28 US-Dollar springen, bevor die Bären einen erneuten Angriff starten. Verlieren die Bullen hingegen und Silber bricht nach unten aus, dann fällt dessen Preis in den Bereich zwischen 20 US-Dollar und 21 US-Dollar zurück, wo sich die Bullen neu formieren und wieder zum Angriff übergehen dürften.

Die neuesten Terminmarktdaten vom Freitag fielen überraschend gut aus. Insgesamt ist das Sentiment am Goldmarkt noch neutral, weshalb sich der Preisanstieg nach dem Ende dieser Konsolidierung oder Korrektur grundsätzlich fortsetzen könnte. Silber und Platin zeigen hingegen erste Anzeichen einer spekulativen Übertreibung, weshalb bei diesen Edelmetallen eine Korrektur stärker ausfallen wird.

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Gold und Silber halten sich trotz Rallye aufgrund eines schwachen US-Dollars noch immer in luftigen Höhen

Die Gold- und Silberminenaktien halten sich ebenso stark wie die Edelmetalle selbst. Aktuell wird jeder Kursrücksetzer von Investoren gekauft. Der HUI-Goldminenindex ging mit 258 Punkten ins Wochenende, was einem Plus von 43 % seit dem Novembertief bei 180 Punkten entspricht. Der Index hatte dort einen mehrjährigen, langfristigen Aufwärtstrend getestet, wo ich dazu riet „All In“ zu gehen.

Die Minenaktien befinden sich aktuell erst am Anfang einer neuen übergeordneten Hausse in den nächsten Jahren, ähnlich der Rallye in den Siebzigern. Darum sind die Gold- und Silberminenaktien auch nach dieser bisherigen Rallye noch ein Kauf und ich rate dazu jede Korrektur für weitere Käufe zu nutzen. Die Goldminenaktien sind zum Goldpreis noch immer historisch unterbewertet, weshalb es hier viel Aufholpotenzial gibt. Sie werden in den nächsten Jahren der Stagflation eines der besten Investments sein. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist so gut, dass wohl selbst Gordon Gekko diese kaufen würde.

Wichtige Termine in dieser Woche bringen die Entscheidung am Goldmarkt

Am Mittwochabend um 20 Uhr wird die US-Notenbank ihren Leitzins voraussichtlich um 25 Basispunkte auf 4,5 %-4,75 % anheben. Der Markt erwartet aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von 98 % dieses Ergebnis. Wichtiger wird daher sein, was US-Notenbankchef Jerome Powell in der anschließenden Pressekonferenz zur Wirtschaft und Geldpolitik sagen wird. Sollte sich die Fed für eine Anhebung um 25 Basispunkte entscheiden, so dürfte Powell auf weitere Zinserhöhungen in der Zukunft hinweisen.

Der USD-Index war seit Anfang November stark eingebrochen, was der primäre Treiber dieser Goldrallye war. Diametral gegensätzlich stieg der Euro von 0,97 US-Dollar auf aktuell 1,09 US-Dollar an, was ein beachtlicher Sprung in dieser kurzen Zeit ist. Der Terminmarkt zeigt jedoch, dass dieser Trade schon gerammelt voll und es deshalb fraglich ist, ob die Dollarschwäche anhalten wird. Fundamental steht die Eurozone mit dem Krieg in der Ukraine und ihrer inneren Zerrissenheit nicht besser da als die USA. Für Goldtrader ist die Entwicklung des US-Dollars kurzfristig extrem wichtig. Eine weitere Dollarschwäche würde den Goldpreis bis zum nächsten Widerstand bei 1.980 US-Dollar führen, wogegen eine technische Erholung des US-Dollar bis 108 Punkte im USD-Index eine Korrektur bis 1.800 US-Dollar nach sich ziehen könnte.

Am Donnerstag um 13 Uhr gibt es den Zinsentscheidung der Bank of England (BoE). Nachdem diese im Dezember den Leitzins bereits um 50 Basispunkte auf 3,5 % angehoben hat, um die zweistellige Inflation zu bekämpfen, scheint sie wie die Fed hin- und hergerissen zu sein, ob eine Anhebung um einen Viertel oder halben Prozentpunkt angebracht ist.

Den USD-Index et vice versa den Euro wird auch der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank am Donnerstagnachmittag um 14:45 beeinflussen, mit einer Pressekonferenz von EZB-Chefin Christine Lagarde im Anschluss. Wahrscheinlich wird der Leitzins um weitere 50 Basispunkte angehoben. Die Märkte glauben aktuell noch der Ankündigung von Christine Lagarde, die Zinsen so lange anheben zu können, bis die Inflation wieder das zwei Prozentziel der EZB erreicht hat, wie die Stärke des Euro zeigt. Drei weitere Zinserhöhungen um einen halben Punkt seien vermeintlich noch geplant.

Wahrscheinlicher ist hingegen, die EZB wird ebenso wie die BoE bis zum Tag ihres Einknicken hawkish sein. Wie die BoE wird die EZB von der Realität eingeholt werden und gezwungen sein, die Anleihenmärkte zu stützen, um ein Auseinanderbrechen der EU zu verhindern. Höhere Kreditkosten sind ein Risiko für die hoch verschuldeten Staaten der Eurozone wie Griechenland, Italien und Portugal, weshalb ähnlich hohe Leitzinsen wie in den USA äußerst unwahrscheinlich sind. Entweder verlassen diese Staaten die Eurozone, wodurch der Euro gefährdet würde oder man wird die Zinsen durch weiteres Drucken von Geld versuchen zu kontrollieren. Dies wird am Ende des Tages extrem bullisch für den Goldpreis sein.

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Die USA führen die Zinswende an, wodurch der Dollar zur Stärke neigte

Die US-Arbeitsmarktdaten am Freitagnachmittag um 14:30 werden noch einmal den US-Dollar bewegen, sodass es in dieser Woche viele wichtige Termine gibt, die den Gold- und Silberpreis aus ihrer wochenlangen Lethargie befreien dürften. Wir werden in dieser Woche daher wahrscheinlich endlich eine Entscheidung am Edelmetallmarkt bekommen mit einem Ausbruch bei Gold und Silber aus ihren Formationen. Die Rallye wird sich dann entweder fortsetzen oder eine mehrwöchige Korrektur beginnen. Es wird spannend!

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Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.