Vor wenigen Tagen ist Kevin Warsh zum Nachfolger von Fed-Chef Jay Powell gewählt worden. Als Nächstes rücken etliche US-Konjunkturdaten in den Fokus der Investoren.

Nach der Rekordfahrt beim S&P 500 haben Investoren am Freitag, 15. Mai, ein paar Gewinne mitgenommen. Dabei waren die US-Technologieaktien eingebrochen, nachdem ein Streik beim koreanischen Chip- und Smartphonehersteller Samsung Electronics begonnen hatte, weil sich Management und Arbeitnehmer nicht über den Bonus einigen konnten.

Hingegen hat das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping in Peking am 13. und 14. Mai keine wichtigen Ergebnisse gebracht, schließlich sind die Interessen beider Länder bei vielen Themen, allen voran Taiwan, viel zu unterschiedlich.

Für zunehmenden Gegenwind beim S&P 500 und beim Goldpreis sorgen auch die deutlich gestiegenen US-Zinsen; jene für zehnjährige US-Anleihen sind zuletzt bis auf 4,61 Prozent nach oben geschossen und lagen damit am 52-Wochen-Hoch.

Für kräftigen Aufwärtsdruck bei den US-Zinsen hat eine Serie von US-Konjunkturdaten gesorgt, die teilweise deutlich besser ausgefallen sind als erwartet. So waren die Produzentenpreise im April von 4,3 Prozent auf 6,0 Prozent nach oben geschossen – das war das höchste Niveau seit Dezember 2022 – und lagen damit weit über den Schätzungen der Volkswirte von 4,8 Prozent. Die Produzentenpreise sind jene Preise, die die Unternehmen untereinander weitergeben.

Die Daten haben die Sorge geschürt, dass die Inflation, also die Entwicklung der Verbraucherpreise, in den nächsten Monaten weiter kräftig steigen könnte, nachdem die Inflationsrate im April von 3,3 Prozent auf 3,8 Prozent nach oben geschossen war – das war der höchste Wert seit Mai 2023.

Zudem sind die US-Einzelhandelsumsätze im April um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen und spiegeln damit vor allem den Inflationsanstieg wider. Und schlussendlich ist die Industrieproduktion im April um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat geklettert und hat damit die Erwartungen von 0,2 Prozent deutlich übertroffen.

Außerdem ist der Ölpreis zuletzt wieder nach oben geschossen, weil sich weiterhin keine Lösung des Iran-Kriegs abzeichnet. Das hat die US-Zinsen zusätzlich nach oben getrieben, was wiederum den US-Dollar deutlich mit nach oben gezogen hat.

Damit hatte der Goldpreis gleich von zwei Seiten aus zunehmenden Gegenwind, weshalb die Notierung des Edelmetalls bis auf unter 4.500 US-Dollar je Unze eingebrochen ist, ehe sie sich etwas erholt hat. Mit aktuell rund 4.550 US-Dollar notiert der Goldpreis in der Nähe des Vier-Monats-Tiefs.

Warsh tritt Amt an

In der vergangenen Woche gab es ein weiteres wichtiges Ereignis: Der US-Senat hat mit einer Mehrheit von lediglich 54 zu 45 Stimmen Kevin Warsh zum Nachfolger von Fed-Chef Jay Powell gewählt, dessen Amtszeit am 15. Mai geendet ist.

Das war die knappste Mehrheit, die es jemals bei der Wahl eines Fed-Chefs gegeben hatte, schließlich stemmen sich viele Abgeordnete der Demokraten weiter energisch gegen Trumps Politik, zumal die Abgeordneten Sorge haben, dass Warsh nur eine Marionette von Trump sein könnte, also die Zinsen trotz zu hoher Inflation kräftig senken könnte.

Dabei hat Warsh zuletzt mit einigen Aussagen für Aufsehen gesorgt. Er hat offen gesagt, dass die Fed in den vergangenen Jahren die Schuldensause der US-Regierung durch Anleihekäufe, sprich mit der Notenpresse, finanziert habe. Das und nicht etwa der Ukraine-Krieg und die Pandemie hätten zur Inflation in den USA geführt.

Und die Inflation sei schlecht, weil sie untere Einkommen überproportional belaste. Bis hierhin bin ich völlig Warshs Meinung.

Er strebe daher einen Abbau der Bilanzsumme der Fed an, also den massiven Verkauf von Anleihen, schließlich sei sie um Billionen US-Dollar zu hoch. Warsh wollte sich allerdings nicht festlegen, wie schnell das vonstattengehen soll.

Und Warsh behauptete, dass es nach dem Abbau der Bilanzsumme auch niedrigere Zinsen geben könne. Wie das laufen soll, hat er allerdings nicht gesagt, und diese Aussage ergibt für mich auch absolut keinen Sinn. Schließlich würden bei massiven Verkäufen von Staats- und Hypothekenanleihen aus dem Bestand der Fed die Zinsen erst einmal deutlich steigen. Das würde Trump aber absolut nicht gefallen.

Zudem gab sich Warsh zuletzt der Überzeugung, dass Künstliche Intelligenz (KI) disinflationär sei, also zu einem Rückgang der Inflationsrate führen könne, weil durch KI die Produktivität der Arbeitnehmer deutlich gesteigert werden würde. Und das gäbe der Fed wiederum die Möglichkeit, die Zinsen zu senken.

Nach dem kräftigen Inflationsanstieg im März und gerade im April sowie dem überraschend starken Sprung nach oben bei den Produzentenpreisen für April ist eine mögliche Zinssenkung für viele Experten aber absolut kein Thema.

Vielmehr ist die Wahrscheinlichkeit zuletzt auf etwas mehr als 50 Prozent gestiegen, dass die Fed bis zum Jahresende den Leitzins einmal, also um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte), anheben könnte.

Warsh wird die nächste Fed-Sitzung am 17. Juni leiten. Umso genauer werden Investoren die darauf folgende Pressekonferenz verfolgen. Zumindest kurzfristig dürfte es ihm sehr schwerfallen, eine mögliche Zinssenkung ins Spiel zu bringen.

Ich bin allerdings weiterhin der Überzeugung, dass Warsh den Posten nur deshalb bekommen hat, weil er Trump versprochen haben dürfte, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Zinsen schnellstmöglich deutlich zu senken. Schauen wir mal, was in den nächsten Monaten passieren wird.

Warten auf US-Daten

Umso gespannter warten Investoren am Aktien- und Goldmarkt auf die nächsten US-Konjunkturdaten. Je nachdem, wie sie ausfallen, könnten sie die US-Zinsen weiter nach oben treiben und damit möglicherweise auch den US-Dollar. Umso mehr Gegenwind würden der US-Aktienmarkt und der Goldpreis bekommen.

Am Dienstag, 19. Mai, werden die Daten zu den US-Neubaubeginnen und den Baugenehmigungen ebenso veröffentlicht wie jene zu den anstehenden Häuserverkäufen. Am Mittwochabend folgt das Fed-Protokoll von der Sitzung vom 29. April.

Am Donnerstag, 21. Mai, werden dann der Einkaufsmanagerindex der Fed von Philadelphia für die dortige Industrie veröffentlicht; der Index ist üblicherweise der wichtigste Frühindikator für die US-Wirtschaft insgesamt. An dem Tag gibt auch S&P den Einkaufsmanagerindex für die US-Wirtschaft, also Industrie plus Dienstleistungen, bekannt. Am Freitag folgt dann das US-Verbrauchervertrauen, das die Universität Michigan veröffentlicht.

Je nachdem, ob die US-Daten weiter besser ausfallen sollten als erwartet und ob der Ölpreis weiter steigt, könnte das die US-Zinsen und den US-Dollar weiter nach oben treiben, was kurzfristig leider für zusätzlichen Abwärtsdruck auf den Goldpreis sorgen könnte.

Unabhängig davon bleiben die mittel- und langfristigen Aussichten für das Edelmetall glänzend, schließlich dürfte die Schuldensause in den nächsten Jahren in den USA ebenso weitergehen wie in Europa, in Japan usw. Vor dem Hintergrund macht es meiner Meinung nach weiterhin Sinn, eine Beruhigung am Goldmarkt abzuwarten, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.