Nach der Fed-Sitzung waren die Aktienmärkte und Gold eingebrochen. Umso erleichterter waren Investoren, nachdem die USA und der Iran die Absichtserklärung frühzeitig unterzeichnet haben.

Die mit großer Spannung erwartete Fed-Sitzung unter dem neuen Chef Kevin Warsh hat für einige Überraschungen bei Investoren gesorgt. Dabei hat sich Warsh als entschlossener Inflationsbekämpfer gezeigt, dazu gleich mehr, aber der Reihe nach.

Aufgrund der Folgen des Iran-Kriegs hat die Fed die Inflationsprognose für das vierte Quartal 2026 von 2,7 auf 3,6 Prozent angehoben. Zudem wurde die Prognose für die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, von 2,7 auf 3,3 Prozent nach oben geschraubt.

Trotz der erhöhten Inflation hat die Fed den Leitzins allerdings bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Warsh hat gesagt, dass die Fed fünf Arbeitsgruppen zu folgenden Themen einsetzen werde: Kommunikation, Bilanzsumme der Fed, Datenerhebung, Produktivität & Arbeitsmarkt sowie Inflation.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sollen im Herbst bzw. bis spätestens zum Jahresende vorliegen. Der Anleihen-„König“ Jeff Gundlach sagte vor diesem Hintergrund, dass es keine Änderung der Geldpolitik geben dürfte, ehe nicht sämtliche Arbeitsgruppen ihre Vorschläge präsentiert hätten. Ich bin völlig Gundlachs Meinung.

Warsh bestätigte zudem erst einmal das Inflationsziel der Fed von 2 Prozent. Außerdem sagte der Fed-Chef, dass die Fed keine „Forward Guidance“ mehr geben werde, also nicht mehr vorab ankündigen werde, wie sich die Geldpolitik in den nächsten Monaten entwickeln soll.

Zudem betonte Warsh zahllose Male, dass die „Fed für Preisstabilität sorgen“ werde, nachdem die Fed fünf Jahre in Folge ihr Inflationsziel verfehlt habe, die Inflation also andauernd über dem Ziel gelegen habe.

Nachdem er andauernd von „Preisstabilität“ geredet hatte, waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen bis auf 4,50 Prozent nach oben geschossen, was wiederum den Dollar kräftig mit nach oben gezogen hatte. Im Gegenzug waren der S&P 500 und der Goldpreis eingebrochen.

Iran-Deal frühzeitig unterzeichnet

Allerdings gibt es wenige Stunden nach der Fed-Sitzung gute Nachrichten für die Besitzer von Aktien und Gold. Schließlich haben die USA und der Iran die Absichtserklärung unterzeichnet und damit zwei Tage früher als ursprünglich geplant.

Die Absichtserklärung sieht vor, dass die Straße von Hormus per sofort geöffnet wird. Auf den ersten Blick sieht die Erklärung wie ein Sieg des Iran auf voller Linie aus. Demnach haben die USA und der Iran 60 Tage Zeit für ein endgültiges Friedensabkommen.

In der Zwischenzeit bekommt der Iran Zugriff auf das bislang eingefrorene Vermögen, zudem kann der Iran wieder Öl auf dem Weltmarkt verkaufen, während die USA sämtliche Sanktionen gegen den Iran außer Kraft setzen. Außerdem bekommt der Iran nach einer endgültigen Einigung Zugriff auf eine Wiederaufbauhilfe von 300 Milliarden US-Dollar.

Nach all diesen Punkten kann man durchaus fragen, welche Vorteile der Krieg für die USA gebracht haben könnte. Schließlich gibt es auch noch keine Einigung zum iranischen Atomprogramm, außer dass die Mullahs einmal mehr gesagt haben, dass sie keine Atomwaffen anstreben. Ich bezweifle weiterhin sehr, dass es spätestens nach 60 Tagen zu einem endgültigen Abkommen zwischen den USA und dem Iran kommen wird, aber schauen wir mal, was tatsächlich passieren wird.

Jedenfalls hat nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung der Ölpreis weiter nachgegeben, woraufhin die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen deutlich gesunken sind. Allerdings hat der Dollar nur leicht nachgegeben. In dem Umfeld ist der Aktienmarkt in den USA vorbörslich deutlich nach oben gedreht, während sich auch der Goldpreis deutlich erholt hat und damit aktuell bei rund 4.285 Punkten notiert.

Gold könnte das Tief hinter sich haben

Zwar dürften Warshs Aussagen kurzfristig für Aufwärtsdruck bei US-Zinsen und Dollar sorgen. Wenn aber der Ölpreis auf Talfahrt bleiben sollte, wovon ich ausgehe, weil Trump immer wieder von „großen Fortschritten“ bei den Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen reden dürfte, dann sollten auch die US-Zinsen nachhaltig nach unten tendieren. Das könnte verhindern, dass der Dollar weiter steigt.

In dem Umfeld dürfte der Goldpreis das Tief hinter sich haben und sich allmählich weiter erholen. Umso wichtiger wäre es, dass die nächsten Konjunkturdaten aus den USA nicht überraschend gut ausfallen. So wird am Donnerstag, dem 18. Juni, um 14.30 Uhr (deutscher Zeit) der Einkaufsmanagerindex der Notenbank von Philadelphia veröffentlicht. Er ist üblicherweise einer der wichtigsten Frühindikatoren für die US-Wirtschaft insgesamt.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.