Die Eskalation im Iran-Krieg treibt die Ölpreise immer weiter nach oben. Als Nächstes rückt die Fed-Sitzung am Mittwochabend ganz oben auf die Agenda der Investoren.
In den vergangenen Tagen war einmal mehr eine Menge los: Durch neue Angriffe der Huthis ist die Lage im Nahen Osten weiter eskaliert, was die Öl- und Spritpreise weiter nach oben getrieben und damit die Inflation angeheizt hat. Damit wächst das Risiko eines Ölpreisschocks für die Weltwirtschaft.
In dem Umfeld hat die EZB nach der Sitzung vom 10. September den Einlagenzins für die Banken um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf 2,5 Prozent erhöht – das ist das höchste Niveau seit März 2025 – und vor einem „ausgedehnten Zeitraum“ gewarnt, in dem die Inflation in der Eurozone über dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB bleiben werde.
Nachdem die am gleichen Tag veröffentlichten Daten zu den US-Produzentenpreisen gemischt ausgefallen waren, waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen weiter nach oben geschossen. Die Produzentenpreise sind jene Preise, die die Unternehmen untereinander weitergeben.
Wenige Stunden später hat dann das US-Finanzministerium im Rahmen der Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen (Papiere mit einer Laufzeit von 10 bis 30 Jahren) für lediglich 5,2 Mrd. US-Dollar Anleihen zurückgekauft. Das war deutlich weniger als die maximal 6,0 Mrd. US-Dollar, die das Finanzministerium zuvor angekündigt hatte, woraufhin die Zinsen für US-Anleihen weiter deutlich geklettert sind.
Die tags drauf am Freitag, 11. September, veröffentlichten US-Inflationsdaten waren leicht schlechter als erwartet. So stagnierte die Inflationsrate im August bei 3,4 Prozent, während die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, leicht zurückgegangen ist von 2,5 auf 2,4 Prozent.
Nach der Bekanntgabe der US-Inflationsdaten ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf dann 3,75 bis 4,0 Prozent bei der nächsten Fed-Sitzung am 16. September auf knapp 90 Prozent nach oben geschossen. Für viele Investoren ist es also praktisch ausgemachte Sache, dass die Fed auf den kräftigen Anstieg der Ölpreise nun mit einer Zinserhöhung reagieren dürfte.
Zudem sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen nach einer kurzen Berg- und Talfahrt auf 4,98 Prozent gestiegen und lagen damit auf dem höchsten Niveau seit Dezember 2020. Dennoch war der Goldpreis am Freitag leicht gestiegen und schloss den Handel bei rund 4.350 US-Dollar je Unze ab. Inzwischen hat die Notierung etwas nachgegeben bis auf 4.325 US-Dollar.
Gold sollte weiterem Zinsanstieg trotzen
Wie sieht damit die Lage insgesamt aus? Die Zinsen steigen kräftig, nicht nur in den USA, sondern weltweit. Wie ich zahllose Male geschrieben habe, liegt das in den USA daran, dass die Hyperscaler, also die Betreiber riesiger Rechenzentren, massiv Schulden für den Bau neuer Rechenzentren aufnehmen.
Das heizt die Kreditnachfrage erheblich an, während die US-Regierung trotz Rekordschulden von mehr als 40 Billionen US-Dollar weiterhin massiv Schulden macht. Dabei liegen die jährlichen Zinszahlungen bereits bei horrenden 1,4 Billionen US-Dollar – Wahnsinn! Zudem treiben die kräftig steigenden Ölpreise die Zinsen nach oben.
In Japan wiederum steigen die Zinsen ebenfalls kräftig, nachdem Regierungschefin Sanae Takaichi mit noch mehr Schulden die Probleme Japans „lösen“ will. Dabei war die Inflationsrate im Juli auf 1,9 Prozent nach oben geschossen. Dass die Schuldensause in Deutschland im Speziellen und der Eurozone im Allgemeinen ebenfalls auf vollen Touren läuft, muss ich eigentlich nicht extra erwähnen.
Der daraus resultierende kräftige Zinsanstieg belastet den Goldpreis. Allerdings spiegeln die kräftig steigenden Zinsen auch die zunehmende Sorge vor der mittel- und langfristigen Tragfähigkeit der Staatsschulden wider, sprich, Investoren machen sich zunehmend Sorgen, wie viele Schulden viele Länder bei stark steigenden Zinsen noch aufnehmen können und wie vor allem die Zinsen bezahlt werden sollen. Das wiederum stützt den Goldpreis, er ist umso mehr als sicherer Hafen gefragt.
Ich gehe daher davon aus, dass der Goldpreis in den nächsten Wochen und Monaten den möglicherweise weiterhin deutlich steigenden Zinsen trotzen sollte.
Regierungen manipulieren Zinsen und Währungen
Gleichzeitig manipuliert das US-Finanzministerium nicht nur die Zinsen nach unten, sondern gemeinsam mit dem japanischen Finanzministerium und der japanischen Notenbank auch den Dollar-Yen-Wechselkurs nach unten bzw. den Yen nach oben. So hatte US-Finanzminister Scott Bessent zuletzt Investoren gewarnt, auf einen Rückgang des Yen zu wetten. „Ich bin das Haus (Casino). Sie können gegen mich wetten, wenn Sie wollen“, sagte Bessent.
So war der Dollar zuletzt bis auf 153,5 Yen je Dollar gesunken und lag damit in der Nähe des Zehn-Monats-Tiefs. Sinn der Übung: Japan soll nach dem vorherigen Verfall des Yen nicht weiter unter Druck kommen und damit keine US-Staatsanleihen verkaufen, was ansonsten die US-Zinsen noch weiter nach oben treiben würde.
Problem der Übung: Laut den Schätzungen von Experten haben Investoren weltweit in den vergangenen Jahren umgerechnet Billionen von US-Dollar an Yen-Krediten aufgenommen und dabei von den sehr niedrigen japanischen Zinsen und dem Verfall des Yen profitiert. Das Geld haben Investoren beispielsweise in US-Aktien gesteckt. Das Spiel geht aber nur so lange gut, wie die Zinsen in Japan niedrig und der Yen schwach ist.
Wenn sich dieses Umfeld plötzlich umkehrt, also die Zinsen in Japan nach oben schießen und sich der Yen kräftig erholt wie derzeit, läuft das Spiel plötzlich in die andere Richtung. Dann lösen Investoren ihre Yen-Kredite auf und verkaufen im Gegenzug ihre Aktien. In dem Szenario kann es schnell zu Turbulenzen kommen, nicht nur bei US-Aktien, sondern am weltweiten Aktienmarkt.
Gold bleibt aussichtsreich
Und damit wieder zurück zur Fed-Sitzung am Mittwoch. Ich gehe davon aus, dass Fed-Chef Kevin Warsh und seine Kollegen den Leitzins tatsächlich um 25 Basispunkte anheben werden. Sollten sie das nicht tun und damit kein Signal zur Inflationsbekämpfung senden, würden damit die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen noch weiter nach oben schießen. Das wollen Bessent und US-Präsident Donald Trump unter allen Umständen vermeiden.
Umso wichtiger wird sein, was Warsh auf der Pressekonferenz nach der Fed-Sitzung sagen wird. Er muss den Investoren vorgaukeln, dass die Fed seinen Worten Taten folgen lassen und die Inflation tatsächlich bekämpfen wird.
Umso gespannter bin ich, wie die US-Anleihemärkte und damit die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen reagieren werden. Falls Warsh zu taubenhaft sein sollte, dürften die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen nach oben schießen.
Das sollte meiner Meinung nach den Goldpreis nur kurz belasten, anschließend sollte er umso stärker nach oben drehen. Denn wie oben geschrieben, spiegelt der kräftige Zinsanstieg auch die Sorge um die Tragfähigkeit der Staatsschulden wider. In dem Umfeld sollte Gold als sicherer Hafen gefragt sein.
In dem Szenario sollte es sich lohnen, die aktuellen Goldpreise zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken – denn je kräftiger die US-Zinsen kurzfristig steigen sollten, umso stärker sollten US-Finanzministerium und die Fed anschließend reagieren, um die Zinsen künstlich wieder nach unten zu manipulieren. Das sollte im Gegenzug den Goldpreis umso mehr nach oben treiben.
