Die Party an den Börsen läuft auf vollen Touren. Kurzfristig sind die Augen der Investoren auf den „Shutdown“ in den USA gerichtet.
Viele Anleger blicken mit Freude auf den häufig nicht besonders erfreulichen Monat September zurück. Der S&P 500 hat seit Monatsanfang um stattliche 3,5 Prozent zugelegt und ist von einem Rekordhoch zum nächsten geklettert, während der Goldpreis sogar um sensationelle 11,8 Prozent nach oben geschossen ist und von einem Rekordhoch zum nächsten eilt.
Offenbar wird vielen Investoren rapide klar, dass man in einem Umfeld, in dem die US-Regierung von Donald Trump die Fed zu massiven Zinssenkungen drängt, die die Inflation anheizen und damit gleichzeitig die Talfahrt des Dollars beschleunigen würden, Gold als stabilen Wertanker sehr gut gebrauchen kann.
Für die Talfahrt beim Dollar sorgt die anhaltende Dollar-Schwemme. Im August war die US-Geldmenge M2 auf den Rekord von 22,2 Billionen Dollar gestiegen und lag damit um 1,0 Billion Dollar über dem Vorjahreszeitraum. Damit lag das Wachstum bei „nur“ 4,8 Prozent. Dass bei einer derartigen Dollar-Schwemme der Greenback rapide an Wert verliert, sollte niemanden überraschen.
Und wenn die mit weitem Abstand wichtigste Weltleitwährung Dollar rapide an Wert verliert, dann verlieren auch praktisch alle anderen Fiat-Währungen mehr oder minder stark an Wert gegenüber Gold. Dass der Goldpreis selbst auf Basis von Schweizer Franken von einem Rekordhoch zum nächsten steigt, sollte niemanden überraschen, von der Weich-Währung Euro will ich da gar nicht reden.
Für etwas Rückenwind beim Gold sorgt auch, dass es am 1. Oktober zum „Shutdown“ in den USA gekommen ist. Nun muss die Regierung schauen, wo sie kurzfristig die Ausgaben kürzt und sich schnellstmöglich mit den oppositionellen Demokraten auf eine weitere Finanzierung der Staatsausgaben einigt.
Deutschland in der Krise
Gleichzeitig sind die Nachrichten, die aus Deutschland kommen, weiterhin unerfreulich. Von dem von Bundeskanzler Friedrich Merz ehemals ausgerufenen „Herbst der Reformen“ ist absolut nichts zu sehen, was allmählich auf die Stimmung der hiesigen Unternehmen durchschlägt.
So war der ifo-Geschäftsklimaindex, der üblicherweise der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft ist, nach einigen Monaten mit jeweils leichten Anstiegen im September deutlich gesunken. Dabei haben die befragten Unternehmen nicht nur ihre Geschäftslage als etwas schlechter eingeschätzt, sondern gerade auch ihre Erwartungen haben sich deutlich eingetrübt.
Im gleichen Monat ist die Inflation von 2,2 auf 2,4 Prozent gestiegen und lag damit leicht über den Schätzungen der Volkswirte von 2,3 Prozent. Gleichzeitig sind die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent über dem Vormonat geklettert und haben damit ein Rekordhoch erreicht.
Für EZB-Chefin Christine Lagarde, viele „Experten“ und viele einkommensstarke Haushalte mag es keine große Rolle spielen, ob die Inflation bei 2,0, 2,5 oder 3 Prozent liegt. Viele Verbraucher mit kleinem oder mittlerem Einkommen und Sparer sehen das aber völlig anders. Das Leben in Deutschland wird von Tag zu Tag immer teurer und es ist absolut kein Ende dieser Negativ-Spirale in Sicht.
Umso schöner ist, wie hervorragend Gold die Kaufkraft der Besitzer des Edelmetalls erhalten hat. Seit Jahresanfang ist die Notierung des Edelmetalls auf Euro-Basis um stattliche 30,7 Prozent nach oben geschossen. Da kann man die Inflation hierzulande problemlos verkraften, wenngleich meiner Meinung nach die tatsächliche Inflation deutlich höher sein dürfte als die offiziell ausgewiesene.
Inzwischen dürfte es nicht nur vielen Experten dämmern, dass selbst die geplante Schuldensause der Merz-Regierung die Konjunktur hierzulande im nächsten Jahr nur in sehr begrenztem Umfang anschieben dürfte.
Denn wenn sich Bürger in einem Umfeld weiter steigender Arbeitslosigkeit – den deutlichen Job-Abbau vieler hiesiger Unternehmen kann man alltäglich in den Medien verfolgen – 2026 beim Konsum zurückhalten sollten, dann dürfte der mögliche Konjunkturaufschwung sehr, sehr gedämpft ausfallen.
Nun werden viele Investoren schauen, wie lange der „Shutdown“ in den USA dauern wird. In dem Umfeld verzögert sich üblicherweise die Veröffentlichung von Konjunkturdaten, beispielsweise die des US-Arbeitsmarktberichts, der eigentlich für Freitag, 3. Oktober, 14.30 Uhr geplant ist.
Hingegen dürfte meiner Meinung nach in dem Umfeld die Rekordfahrt beim Goldpreis in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten klar weitergehen. Daher macht es weiterhin Sinn, die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.
