Der Kursrückgang bei Gold hat sich deutlich ausgeweitet. Umso gespannter warten Investoren auf die nächsten Zahlen aus den USA.

In den vergangenen Tagen hat die erhöhte Volatilität bei Gold und damit gerade auch bei Silber angehalten. Zuerst war der Goldpreis am Donnerstagnachmittag, 12. Februar, innerhalb weniger Stunden um rund 150 US-Dollar je Unze eingebrochen und hat damit den Silberpreis mit nach unten gerissen.

Dabei gab es absolut keine fundamentalen Nachrichten für diesen Kursrutsch, weil es praktisch keine Bewegung bei US-Zinsen oder dem Dollar oder irgendwelche geopolitischen Nachrichten gegeben hat. Daher kann es für mich nur eine Erklärung für den Einbruch geben: Etliche Banken haben den Preis künstlich kräftig nach unten manipuliert.

Anschließend ist der Goldpreis am Dienstag, 17. Februar, einmal mehr um rund 150 US-Dollar eingebrochen. Eine Erklärung hierfür kann ich auch kaum finden. Zwar waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen leicht gestiegen, womit die Notierung des Edelmetalls ein wenig Gegenwind hatte. Zudem war der Dollar leicht geklettert, was das Edelmetall ebenfalls belastet hat.

Außerdem war an dem Tag der US-Aktienmarkt zum Handelsauftakt etwas unter Druck. Daraufhin könnten Investoren etwas Gold verkauft haben, um ihre Verluste am Aktienmarkt zu decken. Aber komischerweise hat sich der Aktienmarkt schnell erholt und ist leicht ins Plus gedreht. In dem Umfeld hätte sich eigentlich auch der Goldpreis schnell erholen und ins Plus drehen müssen. Dass er das nicht getan hat, macht meiner Meinung nach absolut keinen Sinn.

Gewaltige Schuldensause in den USA soll weitergehen

Von dem zwischenzeitlichen Kursrückgang bei Gold lasse ich mich allerdings überhaupt nicht verunsichern, schließlich soll die Schuldensause in den USA in den nächsten Jahren auf vollen Touren weitergehen. In dem Umfeld müsste die Fed die Leitzinsen kräftig senken, was auch den Dollar weiter mit nach unten ziehen würde. Damit wäre das Umfeld für Gold wieder glänzend.

So prognostiziert der Finanzausschuss des Kongresses, dass das Haushaltsdefizit zwischen dem per September endenden Fiskaljahr 2026/27 und dem Fiskaljahr 2035/36 horrende 24,4 Billionen US-Dollar erreichen soll.

Selbstverständlich ist das nur eine Schönwetterrechnung. Sollte es zwischenzeitlich „völlig überraschend“ zu einer Rezession kommen, dürfte die Neuverschuldung noch viel größer ausfallen als ohnehin schon. Je größer aber die Dollar-Schwemme sein sollte, umso mehr Aufwärtsdruck sollte der Goldpreis haben.

Warten auf Daten zu US-Wirtschaftswachstum …

Umso mehr rücken die nächsten US-Daten in den Fokus der Investoren. Am Freitagnachmittag, 20. Februar, werden um 14.30 Uhr die Zahlen zum Wirtschaftswachstum und zur Inflation bekannt gegeben.

Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die US-Wirtschaft im vierten Quartal um annualisiert 2,8 % gegenüber dem Vorquartal gewachsen sein, nach annualisiert 4,4 % für das dritte Quartal. Der annualisierte Wert wird errechnet, indem man die Veränderung gegenüber dem Vorquartal mit 4 multipliziert. Damit würden die annualisiert 2,8 % auf ein robustes Wachstum hindeuten.

Meiner Meinung nach brummt die US-Wirtschaft aber auch nicht annähernd so stark, wie uns das die US-Behörden weismachen wollen. Vielmehr überzeichnen die Daten die tatsächliche Lage bei Weitem.

So führen einerseits die Strafzölle von US-Präsident Donald Trump dazu, dass die Importe eingebrochen sind, womit das Außenhandelsdefizit deutlich kleiner geworden ist als früher. Das stützt rechnerisch das Wachstum der US-Wirtschaft.

Andererseits investieren die führenden US-Technologiefirmen massiv in Künstliche Intelligenz. Ohne diesen Effekt sind die restlichen Investitionen der US-Firmen im Rückwärtsgang. Wie soll in diesem Umfeld die US-Wirtschaft brummen? Das tut sie meiner Meinung nach schlicht und einfach nicht, ganz egal, was die offiziellen Daten zum BIP-Wachstum sagen werden.

… und Inflation

Bei den Inflationsdaten wird diesmal nicht die offizielle Inflationsrate veröffentlicht, sondern der sogenannte PCE-Preisindex und die Kernrate des PCE-Preisindex, also der um Nahrungsmittel und Energie bereinigte PCE-Preisindex. Die Kernrate ist der bevorzugte Inflationsindikator der Fed.

Laut den Schätzungen der Volkswirte soll der PCE-Preisindex im Dezember von 3,0 % auf 2,8 % zurückgehen, während die Kernrate von 3,0 % auf 2,9 % zurückgegangen sein soll. Damit würde letztere immer noch deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed liegen. Das dürfte Trump allerdings nicht davon abhalten, erneut massive Zinssenkungen zu fordern, völlig unabhängig davon, wie die Zahlen diesmal ausfallen sollten.

Je nachdem, wie die Daten zum US-Wirtschaftswachstum und zur Inflation ausfallen werden, hat das Auswirkungen auf US-Zinsen und Dollar und damit auf die Aktienmärkte und gerade auch auf Gold und Silber.

Kurzfristig könnte die erhöhte Volatilität bei Gold – und gerade auch bei Silber – noch etwas anhalten. Das ändert allerdings absolut nichts an den mittel- und langfristigen Aussichten für Gold, sie bleiben hervorragend. Daher macht es meiner Meinung nach weiterhin Sinn, eine Beruhigung abzuwarten, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.