Im Zuge der Nominierung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh hatten die Edelmetalle die größten Kurseinbrüche seit Anfang der 1980er-Jahre verbucht. Wie geht es weiter?
Einen „schwarzen Freitag“ haben die Besitzer von Gold und Silber am vergangenen Freitag, 30. Januar, erlebt. Nachdem eine Journalistin am Freitagfrüh (deutscher Zeit) getweetet hatte, dass das ehemalige Fed-Mitglied Kevin Warsh noch am gleichen Tag als der nächste Fed-Chef nominiert werde, hatten Investoren begonnen, Gold und Silber auf den Markt zu werfen, woraufhin die Notierungen von ihren Rekordhochs deutlich nach unten gedreht sind.
Der Grund für das Verhalten der Investoren: Warsh sei früher teilweise ein Falke gewesen, habe sich also für eine restriktive Geldpolitik und gegen die massiven Anleihekäufe der Fed ausgesprochen. Als US-Präsident Donald Trump wenige Stunden später dann tatsächlich Warsh nominiert hat, haben Investoren geradezu panikartig Gold und Silber verkauft.
Daraufhin ist Gold am Freitag um 12 Prozent nach unten gerauscht, während Silber im Tagesverlauf zwischenzeitlich sogar um bis zu 35 Prozent eingebrochen war, ehe am Handelsschluss ein Absturz um rund 30 Prozent zu Buche gestanden war.
Am Montag, 2. Februar, hielt der Verkaufsdruck auf die Edelmetalle an, woraufhin es zu einer heftigen Berg- und Talfahrt gekommen war, ehe sich die Notierungen tags darauf am Dienstag, 3. Februar, jeweils deutlich erholt haben und sich dies tags darauf am Mittwoch fortgesetzt hat.
Damit notiert Gold aktuell mit 5.083 US-Dollar je Unze wieder deutlich über der 5.000er-Marke, gegenüber Jahresanfang steht damit ein Kursanstieg um stattliche 17,7 Prozent zu Buche. Gleichzeitig ist der Silberpreis auf 90 US-Dollar je Unze geklettert, gegenüber Jahresanfang sind das hervorragende 25,6 Prozent.
US-Zinsen steigen nicht nach Warshs Nominierung
Experten haben den Einbruch bei den Edelmetallpreisen auf mehrere Faktoren zurückgeführt. Zuerst hatte die weltgrößte Derivatebörse CME am Dienstag, 27. Januar, per Mittwochabend, 28. Januar, die Margin (Sicherheitsleistung in Geld) für die Edelmetalle deutlich erhöht, was am Mittwoch und Donnerstag für deutliche Schwankungen bei den Preisen gesorgt hatte.
Am Freitag folgte dann das Thema Warsh. Hinzu kamen Meldungen aus China, demnach etliche Privatanleger über kleine Onlinehändler Silber gekauft hätten. Als es zum Kurseinbruch gekommen war, konnten die Händler das Silber aber nicht liefern bzw. konnten Kunden ihr Silber nicht verkaufen. Im Klartext: Es kam zu Betrug auf dem Silbermarkt in China, was für zusätzliche Turbulenzen am Markt gesorgt hat.
Und schlussendlich hat die CME am Freitag, 30. Januar, die Margin für die Edelmetalle per Montagabend, 2. Februar, erneut deutlich erhöht.
Insgesamt macht es für mich aber absolut keinen Sinn, dass Investoren aufgrund der Nominierung von Warsh massiv Gold und Silber verkauft haben. Schließlich wird Warsh nur dann den Posten als Fed-Chef bekommen, wenn Warsh Trump versprochen hat, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um nach seiner möglichen Ernennung zum Fed-Chef die anderen Fed-Mitglieder dazu zu bewegen, in den nächsten Monaten den US-Leitzins drastisch zu senken.
Bei einer Verschuldung auf Bundesebene von 38,5 Billionen US-Dollar kann man nicht mehr die Inflation bekämpfen, vielmehr richtet man sein Hauptaugenmerk darauf, dass sich der Staat weiterhin möglichst günstig finanzieren kann. Schließlich liegen die Zinsbelastungen aktuell bei rund 1,2 Billionen US-Dollar pro Jahr.
Nach Warshs Nominierung am Freitag waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen gar nicht gestiegen. Für mich war seine Nominierung für etliche US-Banken nur ein Vorwand, um die Preise von Gold und Silber über die Futures-Märkte massiv nach unten zu manipulieren.
Die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen sind nämlich erst am Montag, 2. Februar, ab 16 Uhr deutlich nach oben gedreht, nachdem der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) überraschend stark nach oben gesprungen ist, wobei gerade die Komponente mit dem Auftragseingang geradezu nach oben geschossen ist. Für viele Investoren hat das offenbar auf eine deutliche Belebung der US-Wirtschaft hingedeutet.
Mich würde es hingegen nicht überraschen, wenn der Index von etlichen saisonalen Effekten überlagert worden ist und er in den nächsten Monaten deutlich sinken würde, während auch der Auftragseingang erheblich nachgeben könnte. Ich warte daher gespannt auf die Veröffentlichung der Daten Anfang März.
Warten auf EZB-Sitzung
Nachdem die für Freitag, 6. Februar, geplante Veröffentlichung des offiziellen US-Arbeitsmarktberichts aufgrund des Shutdowns in den USA verschoben worden ist, schauen Investoren am Mittwoch, 4. Februar, um 14.15 Uhr auf den Arbeitsmarktbericht von ADP. Um 16 Uhr folgt dann der Einkaufsmanagerindex von ISM für den US-Dienstleistungssektor.
Je nachdem, wie die Zahlen von ADP und ISM ausfallen, hat das Auswirkungen auf US-Zinsen und Dollar und damit auf S&P 500 und DAX sowie gerade auch auf Gold und Silber.
Tags darauf, am Donnerstag, steht die EZB-Sitzung ganz oben auf der Agenda der Investoren. Die Wirtschaft der Eurozone war im vierten Quartal um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, zudem war die Inflationsrate in der Eurozone im Dezember etwas gesunken – von 2,1 auf 1,9 Prozent.
Vor diesem Hintergrund ist es für viele Investoren ausgemachte Sache, dass die EZB diesmal den Einlagenzins für die Banken – darüber steuert die EZB aktuell die Geldpolitik – erneut bei 2,0 Prozent belassen dürfte.
Das „Problem“ ist allerdings, dass der Euro Ende Januar mit 1,20 US-Dollar je Euro auf Mehrjahreshochs gestiegen war, ehe die Gemeinschaftswährung zuletzt leicht nachgegeben hat. Mit dem deutlich gestiegenen Euro werden allerdings Produkte aus der Eurozone in den USA deutlich teurer, was die Exportwirtschaft der Eurozone und damit die Wirtschaft insgesamt dämpft.
Vor diesem Hintergrund bin ich sehr gespannt, was EZB-Chefin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz ab 14.45 Uhr zum Thema Wechselkurs sagen wird.
Und was wird Lagarde für die darauffolgende Sitzung am 19. März signalisieren? Viele Experten gehen davon aus, dass die EZB auch dann den Einlagenzins unverändert lassen wird.
Allerdings dürfte die EZB meiner Meinung nach kaum tatenlos zuschauen, wenn der Aufwärtstrend des Euro in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen und er sich allmählich der Marke von 1,25 US-Dollar nähern sollte.
Gold und Silber bleiben aussichtsreich
Ich gehe davon aus, dass die Preise für Gold und Silber kurzfristig unter deutlichen Schwankungen weitgehend seitwärts tendieren werden. Schließlich könnte es ein paar Wochen dauern, bis sich nach dem zwischenzeitlichen Einbruch die Lage weitgehend beruhigt hat.
Selbstverständlich sollte niemand überrascht sein, wenn die CME in den nächsten Tagen und Wochen die Margin für die Edelmetalle weiter deutlich erhöhen würde, um den Höhenflug der Edelmetalle zumindest kurzfristig zu stören.
Trotz dieser möglichen kurzfristigen Turbulenzen bleiben meiner Meinung nach die mittel- und langfristigen Aussichten für Gold und Silber glänzend. Schließlich sollte sich durch die mögliche spätere Ernennung von Warsh zum Fed-Chef ab Mitte Mai nichts am sogenannten „Debasement-Trade“ ändern.
Dabei sollte die Fed die Zinsen – wie von Trump gewünscht – kräftig senken und damit gleichzeitig dafür sorgen, dass der Dollar auf Talfahrt bleibt. Mit der anhaltenden Entwertung des Dollar verlieren auch sämtliche anderen Währungen an Wert – zwar nicht gegenüber dem Dollar, aber gegenüber echtem Geld, sprich Gold.
Vor diesem Hintergrund sollte meiner Meinung nach die Rekordfahrt bei Gold und Silber in den nächsten Jahren klar weitergehen. Dann dürften sich die aktuellen Turbulenzen einmal mehr als hervorragende Gelegenheit herausstellen, um nach einer Beruhigung der Lage die Bestände an physischem Gold und Silber weiter deutlich aufzustocken.
