Obwohl die US-Konjunkturdaten zuletzt gemischt ausgefallen sind, sind die Zinsen nach oben geschossen, was die Aktienmärkte und Gold belastet hat. Umso wichtiger werden das Fed-Protokoll am Mittwochabend, sowie die Zahlen zum bevorzugten Inflationsindikator der Fed am Freitag.

Drehen die Aktienmärkte in den USA und in Deutschland nach der Rally der vergangenen Monate nach unten? Das fragen sich viele Anleger, nachdem S&P 500 und Nasdaq Composite zuletzt deutlich nachgegeben haben und damit auch den DAX etwas mit nach unten gezogen haben.

Für Verkaufsdruck bei den US-Indizes hat vor allem der kräftige US-Zinsanstieg gesorgt, was auch den Dollar mit nach oben gezogen hat. Damit hatten die sehr hoch bewerteten US-Indizes gleich von zwei Seiten Gegenwind. Dass es so kommen würde, davor habe ich im Beitrag „Trotz zuletzt nur langsam sinkender US-Inflation läuft Börsenparty auf vollen Touren“ gewarnt.

Steigende US-Zinsen und der steigende Dollar haben leider auch den Goldpreis belastet. Mit rund 1.835 Dollar je Unze ist die Notierung des Edelmetalls in die Nähe des niedrigsten Niveaus seit Jahresanfang gesunken. Und ich kann nicht ausschließen, dass sich der Kursrückgang kurzfristig noch etwas ausweiten könnte.

Einige US-Daten schüren Inflationssorgen

Für kräftigen Aufwärtsdruck bei den US-Zinsen haben einige überraschend gute US-Konjunkturdaten gesorgt. So waren die Einzelhandelsumsätze im Januar um 3,0 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Das lag deutlich über der Vorhersage der Volkswirte von 1,7 Prozent. Besser als erwartete Einzelhandelsumsätze deuten daraufhin, dass die US-Wirtschaft besser läuft als erwartet, was wiederum bei Investoren die Sorge schürt, dass die Fed in den nächsten Monaten den Leitzins stärker anheben könnte als bislang erwartet.

Zudem waren die Produzentenpreise, also die Preise, die Unternehmen untereinander weitergeben, im Januar um 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr geklettert. Das war zwar der geringste Anstieg seit März 2021, allerdings hatten die Volkswirte einen Rückgang auf 5,4 Prozent prognostiziert. Die Januar-Zahlen haben daher Inflationssorgen geschürt, und damit die US-Zinsen weiter nach oben getrieben.

Zuletzt hat sich dann auch noch der Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor, den S&P Global veröffentlicht, viel stärker erholt als erwartet, woraufhin die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen noch weiter nach oben geschossen sind. Mit 3,95 Prozent liegen die Zinsen damit um herbe 45 Basispunkte (0,45 Prozentpunkte) über dem Niveau von Anfang Februar. Das ist eine enorme Bewegung, das entspricht einem Anstieg um 60 Basispunkte auf einen Monat hochgerechnet!

Gleichzeitig sehen Investoren darüber hinweg, dass es zwischenzeitlich auch etliche schwache US-Konjunkturdaten gegeben hat, wie zu den Neubaubeginnen, der Industrieproduktion, oder dem Kollaps des Einkaufsmanagerindex der Notenbank von Philadelphia, der üblicherweise als einer der besten Frühindikatoren für die US-Wirtschaft insgesamt betrachtet wird. Allerdings fokussieren sich viele Investoren stark auf die besser als erwarteten Konjunkturdaten und die zunehmenden Inflationssorgen, woraufhin die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen steigen, was wiederum für Turbulenzen an den US-Aktienmärkten sorgt.

Warten auf Fed-Protokoll…

Umso mehr rückt die Veröffentlichung des Fed-Protokolls am Mittwochabend, 22. Februar um 20 Uhr in den Fokus der Investoren. Was könnte in der Mitschrift der Fed-Sitzung vom 1. Februar stehen? Dass die Fed in den nächsten Monaten den Leitzins von zuletzt 4,5 bis 4,75 Prozent weiterhin auf 5,1 Prozent oder möglicherweise etwas darüber hinaus anheben will. Am Markt ist inzwischen sogar eine Anhebung bis auf 5,35 Prozent im Juli eingepreist. Damit hat sich das monatelange Gerede von einer möglichen „Kehrtwende“ der Fed in Richtung Zinssenkungen völlig in Luft aufgelöst.

Zudem sollten die Fed-Mitglieder auf der Sitzung wiederholt von „Disinflation“, also einem Rückgang der Inflationsraten, gesprochen haben. Außerdem sollten die Fed-Mitglieder keine Pläne haben, etwas gegen die starke Lockerung der Finanzbedingungen zu unternehmen. Dazu ist es gekommen, weil bis zur Fed-Sitzung am 1. Februar die Zinsen für US-Anleihen kräftig gesunken waren und damit den Dollar nach unten gezogen haben, woraufhin der US-Aktienmarkt im Gegenzug nach oben geschossen war. Damit waren die Finanzbedingungen gleich von drei Seiten aus lockerer geworden.

Sollte in dem Fed-Protokoll überraschend drin stehen, dass die Fed den Leitzins möglicherweise deutlich stärker anheben will, oder etwas unternehmen möchte um dafür zu sorgen, dass die Finanzbedingungen deutlich verschärft werden, dürften die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen noch weiter nach oben schießen und gleichzeitig den Dollar weiter mit nach oben ziehen. Das würde dem US-Aktienmarkt einen Tiefschlag verpassen und damit zwangsläufig auch den DAX etwas nach unten drücken.

Allerdings dürfte dieses Szenario auch den Goldpreis kurzfristig belasten, wenngleich er bei Weitem nicht so stark nachgeben sollte wie der S&P 500. Denn bei einem Kursrutsch am US-Aktienmarkt könnten Investoren etwas Geld in den sicheren Hafen Gold umschichten.

… und auf bevorzugten Inflationsindikator der Fed

Am Freitag, 24. Februar wird dann die Kernrate des sogenannten PCE-Preisindex, der bevorzugte Inflationsindikator der Fed, für Januar ganz oben auf der Agenda der Investoren stehen. Die Daten werden um 14.30 Uhr veröffentlicht.

Der PCE-Preisindex ist eine Erfindung der Fed. Der Sinn der Übung: die Inflation künstlich nach unten zu rechnen. So wird bei dem Index so getan, dass die Verbraucher beispielsweise auf einen kräftigen Preisanstieg bei Steaks durch den Umstieg auf Hamburger reagieren. Bei der Kernrate werden zudem Nahrungsmittel und Energie herausgerechnet.

Die Folge: Während die offizielle Inflationsrate im Dezember 2022 bei 6,5 Prozent und im Januar 2023 bei 6,4 Prozent lag, lag die Kernrate des PCE-Preisindex im Dezember bei „nur“ 4,4 Prozent. Und schon sieht die Lage für die Fed nicht mehr ganz so schlimm aus. Dabei belastet die hohe Inflation in der Realität viele Amerikaner enorm, nicht nur die einkommensschwachen und die hochverschuldeten.

Sollte die Kernrate des PCE-Preisindex für Januar höher ausfallen als erwartet, dürfte das die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen und den Dollar weiter nach oben treiben, was für zusätzlichen Verkaufsdruck auf den S&P 500 sorgen sollte. Ich werde mir daher die Daten ganz genau anschauen.

Je nachdem ob die US-Zinsen und der Dollar weiter steigen, könnte es beim Goldpreis kurzfristig noch ein wenig abwärts gehen. Das sollte sich allerdings einmal mehr als günstige Kaufgelegenheit herausstellen, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.

Denn je höher die US-Zinsen in den nächsten Monaten sein sollten, umso stärker werden die Zinsen die hochverschuldete Privatwirtschaft belasten und umso größer wird das Rezessionsrisiko. Dann schauen wir mal, wie lange die Fed zuschauen und damit riskieren kann, dass das riesige Schuldenhaus kollabiert. Ich denke das wird nicht lange der Fall sein! Bei weiteren Signalen von Fed-Chef Jay Powell, dass sich die Fed in den nächsten Monaten nur zaghaft gegen die anhaltend hohe Inflation stemmen will, sollte der Goldpreis kräftig nach oben drehen.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.