Nach der Juli-Sitzung hatte die Fed kein Signal für eine Zinssenkung im September gegeben. Nach den jüngsten US-Konjunkturdaten dürfte es allerdings völlig anders kommen als erwartet.

Welchen Unterschied doch lediglich 2 Tage ausmachen. Auf der Pressekonferenz nach der Fed-Sitzung vom Mittwoch, 30. Juli machte Fed-Chef Jay Powell auch nicht die kleinste Andeutung, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 17. September den Leitzins senken könnte. Laut Powell sei die US-Wirtschaft in einem guten Zustand, weshalb die Fed weiterhin abwarten könne.

Die Lage am US-Arbeitsmarkt sei weiterhin solide, während die Inflationsrate etwas über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed liege, weshalb sie weiterhin nichts unternehmen wolle.

2 Tage später, nach der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts am Freitag, 1. August sah die Lage plötzlich aber ganz anders aus, war doch der Bericht geradezu katastrophal und hat damit die Sorgen vor einer harten Landung der US-Wirtschaft geschürt.

So waren im Juli lediglich 73.000 Jobs neu geschaffen worden, statt der von Volkswirten vorhergesagten 110.000. Zudem sind die Zahlen für Mai und Juni um insgesamt 258.000 Jobs nach unten korrigiert worden – derart starke Abwärtsrevisionen gibt es normalerweise nur in Rezessionszeiten. Die Zahlen zeigen damit unmissverständlich, dass der Jobzuwachs am Arbeitsmarkt quasi zum Stillstand gekommen ist. Werden die Juli-Daten auch nach unten korrigiert, und wenn ja wie stark?

Nach der Veröffentlichung des Berichts waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen eingebrochen, zudem haben S&P500 und DAX deutlich nachgegeben. Im Gegenzug hatte der Goldpreis einen Sprung nach oben gemacht, zumal die stark gesunkenen US-Zinsen auch den Dollar mit nach unten gerissen hatten. Damit hatte der Goldpreis gleich von 2 Seiten aus Rückenwind.

US-Einkaufsmanagerindizes sind schwach

Wenige Stunden nach der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts hat das Institute for Supply Management (ISM) den viel beachteten Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie bekanntgegeben. Er ist im Juli überraschend von 49,0 auf 48,0 Punkte gesunken, wohingegen Volkswirte einen Anstieg auf 49,5 Punkte vorhergesagt hatten. Werte unterhalb der 50er-Marke signalisieren ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung in dem Sektor.

Nach der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts und des Einkaufsmanagerindex ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) bei der Fed-Sitzung im September auf rund 90 Prozent nach oben geschossen, gegenüber 46 Prozent nach der Fed-Sitzung vom 30. Juli. Wahnsinn!

Am Dienstag, 5. August folgte dann der Einkaufsmanagerindex von ISM für den US-Dienstleistungssektor – und auch er war viel schwächer als erwartet. Er war von 50,8 auf 50,1 Punkte gesunken und verfehlte damit die Erwartungen von 51,5 Punkten deutlich. Die aktuellen Zahlen deuten damit eine Stagnation im für die US-Wirtschaft so wichtigen US-Dienstleistungssektor an.

Was noch bedenkenswerter ist, ist dass die Beschäftigungskomponente von 47,2 auf 46,4 Punkte gesunken ist, und damit einen noch stärkeren Job-Abbau im Dienstleistungssektor anzeigt als zuvor.

Dass bei derartigen Zahlen die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen weiter auf Talfahrt sind, während der Goldpreis deutlich gestiegen ist, sollte niemanden überraschen. Mit den neuesten miserablen Konjunkturdaten aus den USA haben sich die kurzfristigen Aussichten für das Edelmetall deutlich aufgehellt.

Warten auf nächste US-Arbeitsmarktdaten

Umso genauer werden sich Investoren die US-Arbeitsmarktdaten anschauen, die am Donnerstag, 7. August (14.30 Uhr) veröffentlicht werden. Diesmal geht es um die Erstanträge und die fortgesetzten Anträge auf Arbeitslosenhilfe. Sollten die Zahlen schwächer als erwartet ausfallen, könnten die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen erneut sinken und damit den Dollar einmal mehr weiter nach unten ziehen. Das sollte für neuen Auftrieb beim Goldpreis sorgen.

Abgesehen von der kurzfristigen Entwicklung beim Goldpreis bleiben die mittel- und langfristigen Aussichten glänzend, zumal wenn die Fed tatsächlich die nächste Zinssenkungsrunde starten sollte, während die US-Regierung noch mehr Schulden macht als ohnehin schon.

Dabei nähern sich die Staatsschulden mit dem Rekord von horrenden 36,8 Billionen Dollar zügig der Marke von 37 Billionen Dollar. Dass die Republikaner von US-Präsident Donald Trump die Schuldenobergrenze um herbe 5 Billionen Dollar angehoben haben, bedeutet nichts anderes, als dass die Schulden der USA in den nächsten paar Jahren tatsächlich um herbe 5 Billionen Dollar steigen werden. Damit wird die Fiat-Währung Dollar immer wertloser.

Was die EZB tun dürfte, in einem Umfeld, in dem die Fed die nächste Zinssenkungsrunde startet, sollte jedermann klar sein – dann folgt auch die nächste Zinssenkungsrunde in der Eurozone. Gleichzeitig will Deutschland in den nächsten Jahren Hunderte von Mrd. Euro an neuen Schulden machen, woraufhin auch die hochverschuldeten Südländer weiter kräftig Schulden machen werden.

Entsprechend wird die Inflation in der Eurozone angeheizt, womit der Wertverfall der Fiat-Währung Euro immer weiter geht. Um einen deutlichen Zinsanstieg zu verhindern, wird die EZB zum QE-Gelddrucken zurückkehren, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.

Umso mehr Sinn macht es, die Bestände an physischem Gold weiter deutlich aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.