Nachdem die Fed früher als erwartet zum Gelddrucken zurückgekehrt ist, warten Investoren gespannt auf die Ergebnisse der EZB-Sitzung. Zudem werden wichtige US-Inflationsdaten veröffentlicht.

Wenn man sich die Entwicklung der vergangenen Tage bei S&P500 und DAX anschaut, sieht es so aus, als ob die von vielen Anlegern erhoffte Jahresendrally ausfallen könnte. Offensichtlich belastet die Sorge vor einem möglichen Platzen der KI-Blase den Aktienmarkt in den USA, während jener in Deutschland die schwache Konjunktur hierzulande und die abnehmende Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen zu spüren bekommt.

Im Gegensatz dazu ist der Goldpreis weiterhin auf Höhenflug, die Notierung des Edelmetalls liegt mit 4.315 Dollar je Unze um lediglich 2 Prozent unter dem Rekordhoch. Seit Jahresanfang ist der Goldpreis damit um herbe 65 Prozent nach oben geschossen – Wahnsinn! Für Rückenwind hat zuletzt die Fed-Sitzung gesorgt, das können Sie in dem Beitrag „Rückkehr der Fed zum Gelddrucken…“ nachlesen.

US-Arbeitsmarkt schwächelt erheblich

Zuletzt gab es einmal mehr schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt, was bei einigen Investoren die Hoffnung geschürt hat, dass die Zinssenkungen der Fed möglicherweise bereits bei der übernächsten Sitzung im März 2026 weitergehen könnten. Die Arbeitsmarktzahlen für Oktober und November 2025 sind wegen des Shutdowns verspätet und erst am 16. Dezember zusammen veröffentlicht worden.

Demnach sind in den USA im Oktober 105.000 Jobs abgebaut worden, hingegen hatten Volkswirte einen Aufbau um 50.000 Jobs vorhergesagt. Grund für den Rückgang war, dass der Staat 162.000 Mitarbeiter abgebaut hatte, nachdem sie im Frühjahr Abfindungsangebote der Regierung aus Washington angenommen hatten, woraufhin das Gehalt noch ein paar Monate weiter gezahlt worden war.

Zudem sind die Zahlen zu den neu geschaffenen Jobs für August und September um insgesamt 33.000 nach unten korrigiert.

Im November sind dann 64.000 Jobs geschaffen worden, das lag deutlich über den Erwartungen von 40.000. Allerdings ist die Arbeitslosenquote auf 4,6 Prozent gestiegen, das war der höchste Wert seit September 2021.

Das Problem an den ohnehin schwachen Daten: laut Fed-Chef Jay Powell könnten die offiziellen Arbeitsmarktdaten die tatsächliche Entwicklung am Arbeitsmarkt um 60.000 überzeichnen, laut ihm könnte ein ausgewiesener Anstieg um 40.000 Jobs tatsächlich einen Rückgang um 20.000 bedeuten.

Bei Blick auf die November-Daten bedeutet das, dass tatsächlich womöglich nur 4.000 Jobs geschaffen worden sein könnten. Dass solche Zahlen für Abwärtsdruck auf die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen sorgen, sollte niemanden überraschen.

Wenn die Zinsen sinken, zieht das wiederum den Dollar weiter mit nach unten. In dem Umfeld hat der Goldpreis gleich von zwei Seiten aus Rückenwind, weshalb die Rekordfahrt weitergehen sollte.

Schwache Daten aus Deutschland und der Eurozone

Nun warten Investoren auf die EZB-Sitzung am Donnerstag, 18. Dezember. Um 14.15 Uhr gibt die EZB die Ergebnisse ihrer Sitzung bekannt, um 14.45 Uhr beginnt die Pressekonferenz mit EZB-Chefin Christine Lagarde.

Zuletzt gab es einmal mehr schwache Konjunkturdaten für Deutschland und die Eurozone. So ist der von S&P Global veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie im Dezember von 48,2 auf 47,7 Punkte gesunken – das war ein Zehn-Monats-Tief -, und lag damit deutlich unter den Erwartungen von 48,7 Punkten. Das signalisiert, dass sich die Rezession im der deutschen Industrie weiter verschärft.

Die Zahlen für die Eurozone sehen zwar nicht ganz so schlecht aus, allerdings sind auch sie auf Talfahrt. Demnach ist der Einkaufsmanagerindex für die Industrie der Eurozone im Dezember von 49,6 auf 49,2 Punkte zurückgegangen, das war ein Acht-Monats-Tief.

Warten auf EZB-Sitzung

Trotz dieser Daten dürfte Lagarde auf der Pressekonferenz am Donnerstag einmal mehr behaupten, dass die Wirtschaft der Eurozone „resilient“ sei und ganz gut laufe. Wer das glaubt, dem kann ich wirklich nicht helfen.

Zuletzt hat EZB-Mitglied Isabel Schnabel gesagt, dass die Risiken für Wachstum und Inflation (in der Eurozone) aufwärts gerichtet seien, also das Wachstum in den nächsten Monaten stärker und die Inflationsrate höher ausfallen könnte als bislang erwartet. Schnabel stimme daher mit den Marktüberwartungen überein, demnach der nächste Schritt der EZB eine Zinserhöhung sein könne, „wenn auch nicht in naher Zukunft.“

Ich lach mich schlapp: In einem Umfeld, in dem die Fed auf Zinssenkungskurs ist, will die EZB den Einlagenzins für die Banken – darüber steuert die EZB weiterhin die Geldpolitik – anheben?

Dass ich nicht lache, schließlich würde eine mögliche Zinserhöhung der EZB dafür sorgen, dass der Euro gegenüber dem Dollar steigt und damit aus dem mehrmonatigen Seitwärtstrend nach oben ausbricht, möglicherweise auf 1,20 Dollar, oder sogar darüber hinaus.

Das Letzte, das die schwächelnde Exportwirtschaft Deutschlands und der gesamten Eurozone derzeit brauchen könnte, sind ein steigender Euro. Denn dann werden die Produkte aus der Eurozone in den USA noch teuer als ohnehin schon, was den Absatz weiter dämpfen würde.

Was könnte die EZB nach der Sitzung am 18. Dezember ankündigen? Dass der Einlagenzins für die Banken erst einmal bei 2,0 Prozent bleibt. Eine mögliche Änderung der Geldpolitik sei zudem „Datenabhängig.“

Zudem dürfte ein Journalist oder eine Journalistin Lagarde fragen, ob eine mögliche Zinserhöhung Thema für irgendeinen Notenbanker sei. Auf diese Frage, sollte meiner Meinung nach die EZB-Chefin Gedanken über eine mögliche Zinserhöhung ins Reich der Fantasie verweisen, alles andere würde mich extrem überraschen.

Je nachdem, was Lagarde auf der Pressekonferenz sagen wird, hat das Einfluss auf die Zinsen in der Eurozone und damit auch in den USA, sowie auf Euro-Dollar und damit wiederum auf die Aktienmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks, sowie auf Gold und Silber. Vor dem Hintergrund werde ich mir die Pressekonferenz mit Lagarde und vor allem die Reaktion der Märkte darauf ganz genau anschauen.

US-Inflationsdaten im Fokus

Zudem werden am Donnerstag um 14.30 Uhr die US-Inflationsdaten veröffentlicht. Weil wegen des Shutdowns keine Daten für Oktober gesammelt worden sind, werden nur jene für November bekanntgegeben.

Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die Inflationsrate im November leicht gestiegen sein auf 3,1 Prozent, nach 3,0 Prozent für September, letzteres war der höchste Wert seit Januar. Je nachdem wie die Novemberzahlen ausfallen, hat auch das Auswirkungen auf Zinsen und Dollar und damit auf die Aktienmärkte und Gold.

Unabhängig von der kurzfristigen Entwicklung bleiben die mittel- und langfristigen Aussichten für Gold glänzend. Es macht daher weiterhin Sinn, die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken, oder es seinen Lieben zu Weihnachten zu schenken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.