Die Rekordfahrt des Goldpreises und des US-Aktienmarkts läuft auf vollen Touren. Umso gespannter warten Investoren auf die Fed-Sitzung am Mittwochabend

Gold-Fans haben immer mehr Grund zur Freude, der Preis eilt von einem Rekordhoch zum nächsten. Seit Jahresanfang steht damit ein Kursanstieg um sensationelle 40 Prozent zu Buche – und ich bin überzeugt, dass das Ende der Fahnenstange längst noch nicht in Sicht ist.

Ebenso wie Gold klettert auch der S&P 500 von einem Rekordhoch zum nächsten. Meiner Meinung nach sorgen zwei Faktoren für den Auftrieb des Edelmetalls ebenso wie des S&P 500: einerseits die Talfahrt bei den Zinsen für 10-jährige US-Anleihen, die Zinsen liegen mit knapp über 4,0 Prozent in der Nähe des Elf-Monats-Tiefs.

Und andererseits an der Talfahrt des Dollar: Der Dollar-Index liegt in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit Februar 2022. Der Index bildet die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen ab, vor allem gegenüber dem Euro.

Im Gegensatz zum S&P 500 schwächelt der DAX erheblich und ist mit rund 23.400 Punkten in die Nähe des Drei-Monats-Tiefs gesunken. Für Gegenwind sorgt neben dem steigenden Euro vor allem auch die Talfahrt bei SAP. Die Aktie der Walldorfer Softwareschmiede ist mit einem Indexgewicht von 12,3 Prozent der mit weitem Abstand schwerste Wert im DAX vor Siemens (10,5 Prozent).

Warten auf Fed-Sitzung

Für den kräftigen Anstieg des Euro gegenüber dem Dollar – seit Jahresanfang steht ein Anstieg um  herbe 14,5 Prozent zu Buche –, ist nicht zuletzt die EZB verantwortlich. Bei der Sitzung am 11. September hat die EZB den Einlagenzins für die Banken – darüber steuert die EZB derzeit die Geldpolitik – bei 2,0 Prozent belassen. Zudem hat EZB-Chefin Christine Lagarde Hoffnungen auf mögliche Zinssenkung bei der nächsten Sitzung am 30. Oktober zerstreut.

Im Gegenzug ist es für viele Investoren ausgemachte Sache, dass die Fed bei der Sitzung am Mittwoch, 17. September den Leitzins um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf 4,0 bis 4,25 Prozent senken dürfte. Das sorgt für Abwärtsdruck auf den Dollar, zumal viele Investoren davon ausgehen, dass die Fed bis Ende 2025 den Leitzins um weitere 50 Basispunkte senken wird. Bis Ende 2026 wird ein weiterer Rückgang um bis 75 Basispunkte erwartet. Für die USA wird also eine herbe Zinssenkungsrunde erwartet.

Die Frage ist also, welches Signal Fed-Chef Jay Powell nach der Sitzung am 17. September für die Zinsentwicklung in den nächsten Monaten sendet. Immerhin ist die Lage am US-Arbeitsmarkt sehr schwach, wie die katastrophalen Berichte für die vergangenen Monate klar gezeigt haben, nicht zuletzt jener für August, als nur 22.000 Jobs geschaffen worden sein sollen. Das signalisiert quasi eine Stagnation am Arbeitsmarkt.

Gleichzeitig wird der Druck von US-Präsident Donald Trump immer größer, dass die Fed die Zinsen im Laufe der nächsten Monate noch deutlich drastischer senken soll.

EZB kommt in die Bredouille

Vor dem Hintergrund wollte Lagarde Investoren am 11. September weismachen, dass die EZB die Füße erst einmal weiter stillhalten könne und schauen, was passiert. Das betrachte ich – um es freundlich zu sagen – als Bluff. Denn je länger die EZB zuschaut, umso mehr wird der Euro steigen, womit sich die Aussichten für die exportabhängigen Unternehmen aus Deutschland und anderen Euro-Ländern und damit die Volkswirtschaften insgesamt immer mehr eintrüben.

Um es klar zu sagen: Wenn es nach mir geht, sollte die EZB die Zinsen auf keinen Fall senken, schließlich sind sie vor dem Hintergrund der anhaltenden Inflation keineswegs zu hoch. Was ich möchte, und was alle anderen Verbraucher und Sparer der Eurozone, die an einem stabilen Euro interessiert sind, wahrscheinlich möchten, hat die EZB aber noch nie interessiert.

Ich bleibe daher der Überzeugung, dass die EZB auf eine mögliche aggressive Zinssenkungsrunde der Fed ihrerseits mit einer aggressiven Zinssenkungsrunde reagieren dürfte. Das Problem dabei: die EZB hat – nach den vorherigen kräftigen Zinssenkungen – mit einem Einlagenzins von 2,0 Prozent bei Weitem nicht so viel Abwärtsspielraum wie die Fed mit einem Leitzins von 4,0 bis 4,25 Prozent.

Vor dem Hintergrund halte ich es für vernünftig, nicht auf die möglichen Reaktionen der EZB zu warten, sondern die Zeit weiterhin zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken. Aktuell liegt der Preis bei knapp 3.700 US-Dollar je Unze, in den nächsten Monaten dürfte es zügig weitergehen in Richtung 4.000 US-Dollar.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.