Die Talfahrt beim Goldpreis ist weitergegangen. Umso wichtiger werden die nächsten Konjunkturdaten aus den USA.
Vor allem ein Thema beschäftigt derzeit viele Investoren an den Börsen: dass die Aktien der Hyperscaler auf Talfahrt sind, während gleichzeitig jene der Chipaktien auf Rekordfahrt sind.
Investoren haben Sorge, dass die Hyperscaler aus den USA (gigantische Cloud-Anbieter), wie Amazon und Microsoft, viel zu viel Geld in den Bau von Rechenzentren für KI-Anwendungen investieren könnten, weshalb deren Cashflow implodiert und sie viel weniger eigene Aktien zurückkaufen dürften als in den Vorjahren. Damit fällt dieser wichtige Rückenwind für die Aktien weg.
Gleichzeitig boomt das Geschäft der Halbleiterfirmen, wie des US-Herstellers von Speicherchips Micron, mehr als je zuvor. Eines sollte allerdings klar sein: Auf die Dauer können die Papiere der Hyperscaler und der Chipfirmen nicht auseinanderlaufen, denn je weiter die Aktien der Hyperscaler fallen sollten, umso mehr wächst der Druck auf das jeweilige Management, endlich auf die Investitionsbremse zu treten.
Wenn das erste Unternehmen das aber tatsächlich tun sollte, könnten die Wettbewerber unter Druck kommen zu folgen, woraufhin die mögliche KI-Blase schnell platzen würde.
Während sich die Investoren auf die obige Entwicklung fokussieren, ist der Ölpreis trotz der zwischenzeitlichen Eskalation des Iran-Kriegs weiterhin im Rückwärtsgang und liegt damit auf dem Niveau vom Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar. Das dämpft die Inflationssorgen und sorgt für Abwärtsdruck auf die US-Zinsen.
Hingegen treibt eine Serie überraschend guter US-Konjunkturdaten die Zinsen weiter nach oben. So war die Zahl der offenen Stellen in den USA im Mai leicht gestiegen auf 7,594 Mio., das lag deutlich über den Schätzungen der Volkswirte von 7,298 Mio. Aktuell liegen die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen bei 4,47 Prozent.
Gleichzeitig ist der US-Dollar weiter auf dem Weg nach oben, so ist der Dollar Index auf das höchste Niveau seit Ende März 2025 geklettert. Der Dollar bildet die Entwicklung des Greenback gegenüber 6 wichtigen Währungen ab, allen voran gegenüber dem Euro. So ist Euro-Dollar mit 1,14 US-Dollar je Euro auf ein 52-Wochen-Tief gesunken.
Gleichzeitig ist der japanische Yen auf ein Vierzig-Jahres-Tief gegenüber dem Greenback abgeschmiert. Vor dem Hintergrund steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die japanische Notenbank und das Finanzministerium schon bald eingreifen und Yen kaufen könnten, um die schwache Währung zu stützen.
Steigender US-Dollar belastet Goldpreis
Für Aufwärtsdruck beim US-Dollar sorgt die Erwartung der Investoren, dass der neue Fed-Chef Kevin Warsh auf die anhaltend hohe Inflation reagieren und die Leitzinsen anheben könnte. Aktuell ist eine Anhebung um 35 Basispunkte (0,35 Prozentpunkte) bis Ende 2026 an den Märkten eingepreist.
Aber warum sollten Warsh und seine Kollegen in den nächsten Monaten den Leitzins anheben, wenn – bei möglicherweise weiter sinkenden Ölpreisen – der Inflationsdruck nachlassen sollte? In dem Umfeld sollte doch die Wahrscheinlichkeit für mögliche Zinserhöhungen in den USA nicht etwa zu-, sondern vielmehr abnehmen, oder?
Umso gespannter werden Investoren beobachten, was Warsh auf dem Notenbankertreffen der EZB im portugiesischen Sintra sagen wird, das bis Mittwoch, 1. Juli, läuft. An dem Tag wird Warsh ab 14 Uhr an einer Diskussionsrunde mit EZB-Chefin Christine Lagarde sowie den Chefs der Notenbanken von England und Kanada teilnehmen.
Der Anstieg des US-Dollars sorgt jedenfalls für zunehmenden Abwärtsdruck auf den Goldpreis, weshalb er auf 3.980 US-Dollar gesunken ist. Damit notiert das Edelmetall am Acht-Monats-Tief und gleichzeitig um 8 Prozent unter dem Niveau von Ende 2025. Ich gebe offen zu, dass ich mit einem derart starken Rückgang – gegenüber dem Rekordhoch vom Ende Januar 2026 sind es herbe 28 Prozent – nicht gerechnet habe.
Warten auf US-Arbeitsmarktbericht
Ebenfalls am 1. Juli, um 14.15 Uhr, veröffentlicht ADP den US-Arbeitsmarktbericht. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die US-Privatwirtschaft im Juni 117.000 Jobs geschaffen haben, nach 122.000 für Mai. Eine Zahl in der Größenordnung signalisiert, dass der US-Arbeitsmarkt ganz ordentlich läuft.
Wegen des Unabhängigkeitstags am Samstag, 4. Juli, sind die US-Börsen tags zuvor am Freitag geschlossen, weshalb der offizielle US-Arbeitsmarktbericht diesmal bereits am Donnerstag veröffentlicht wird. Um 14.30 Uhr wird es soweit sein.
Im Juni sollen 114.000 Jobs geschaffen worden sein, nach 172.000 für Mai. Zudem soll die Arbeitslosenquote bei 4,3 Prozent stabil bleiben. Je nachdem, wie der Bericht von ADP und der offizielle ausfallen sollten, sollte das für Ausschläge bei US-Zinsen und US-Dollar und damit an den Aktienmärkten und beim Goldpreis sorgen.
Ich kann nicht ausschließen, dass der Goldpreis kurzfristig weiter nachgeben könnte, zumal wenn der US-Dollar weiter steigen sollte. Vor dem Hintergrund gilt es weiter zu warten, bis sich die Lage beruhigt und die Notierung des Edelmetalls den Boden finden sollte, um dann die Bestände an physischem Gold aufzustocken.
