Obwohl es bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zu keiner Einigung kam, ist der Ölpreis nach einem kurzen Sprung nach oben schnell nach unten gedreht. Investoren warten auf US-Daten.
In den vergangenen Tagen sind S&P 500 und DAX nach oben geschossen. Dabei war es bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zuletzt zu keiner Einigung gekommen. Dennoch hat der Ölpreis nach einem kurzen, kräftigen Anstieg deutlich nachgegeben, nachdem etliche Schiffe die Straße von Hormus passiert haben, was auf eine Entspannung der Lage hingedeutet hat.
Zudem hat US-Präsident Donald Trump am Dienstagnachmittag, 14. April, gesagt, dass die nächsten Gespräche mit dem Iran innerhalb von zwei Tagen stattfinden könnten.
Daraufhin sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen auf eine Berg- und Talfahrt gegangen und schlussendlich nach unten gedreht. Das hat auch den Dollar mit nach unten gezogen. Der Dollar-Index notiert damit in der Nähe des Sechs-Wochen-Tiefs. Der Index spiegelt die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen wider, vor allem dem Euro.
In dem Umfeld ist der S&P 500 in die Nähe seines Rekordhochs geklettert. Wer hätte das gedacht, dass der US-Index nach sechs Wochen Iran-Krieg quasi am Rekordhoch stehen würde? Das hätte wohl kaum jemand so erwartet, ich gestehe, ich auch nicht.
Damit signalisiert der US-Aktienmarkt, dass der Anstieg des Ölpreises um mehr als 30 % gegenüber dem Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar offenbar keinen Einfluss auf die Unternehmen aus dem S&P 500 haben könnte. Das macht aber offensichtlich keinen Sinn, oder?
Allerdings notiert der DAX mit rund 24.050 Punkten um 4,5 % unter dem Niveau von vor dem Beginn des Iran-Kriegs. Das finde ich einen bemerkenswert kleinen Rückgang, oder?
Hingegen macht es umso mehr Sinn, dass sich der Goldpreis zuletzt kräftig erholt hat und mit aktuell 4.810 US-Dollar je Unze um 12 % über dem Stand von Ende 2025 notiert. Das kann sich mehr als sehen lassen.
Nach der Rally an den Aktienmärkten verfolgen Investoren die Nachrichten zum Iran-Krieg weiterhin genau, zumal die 14-tägige Waffenruhe am 22. April ausläuft.
Was wird Trump anschließend tun? Wird er sie ein weiteres Mal verlängern, oder könnte der Iran-Krieg einmal mehr eskalieren? Das wissen derzeit wohl nur Trump und etliche seiner engsten Mitarbeiter. Viele Investoren wetten aber darauf, dass die Lage zumindest kurzfristig nicht erneut eskaliert.
Sollte der Ölpreis kurzfristig weiter nachgeben, dürften die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen weiter sinken und damit den Dollar weiter mit nach unten ziehen. Damit hätten die Aktienmärkte und der Goldpreis weiterhin Auftrieb.
Iran-Krieg treibt US-Inflation nach oben
Dabei haben die neuesten US-Konjunkturdaten auf eine schwache Konjunktur hingedeutet. So war die Wirtschaft im vierten Quartal um annualisiert 0,5 % gewachsen. Der annualisierte Wert wird berechnet, indem man die Veränderung gegenüber dem Vorquartal mit vier multipliziert. Die US-Wirtschaft stagniert also quasi.
Hingegen hat der Iran-Krieg die Inflation nach oben getrieben. So war die Inflationsrate im März von 2,4 auf 3,3 % nach oben geschossen, lag allerdings unter den Erwartungen von 3,4 %.
Allerdings ist die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, von 2,5 auf „nur“ 2,6 % geklettert und lag damit unter den Erwartungen von 2,7 %. Selbstverständlich macht eine „Kernrate“ absolut keinen Sinn, schließlich kann niemand auch nur ein paar Tage ohne Nahrungsmittel und Energie leben.
Investoren dürften die Inflationsdaten allerdings nicht überinterpretieren, schließlich waren 39 % der Inflationsdaten für März geschätzt. Sie lesen richtig: „39 %.“ Die Zahlen sind also eine reine Erfindung, während die tatsächliche Inflation deutlich höher sein dürfte als die offiziell ausgewiesene.
Warten auf US-Daten
Am Donnerstagfrüh, 16. April, kommen aus China die Daten zum Wirtschaftswachstum im ersten Quartal sowie die März-Zahlen zu Einzelhandelsumsätzen und Industrieproduktion.
Wenige Stunden später folgen um 14.30 Uhr aus den USA die Zahlen zum Einkaufsmanagerindex der Fed von Philadelphia für die dortige Industrie. Er ist üblicherweise einer der wichtigsten Frühindikatoren für die US-Wirtschaft insgesamt.
Um 15.15 Uhr stehen dann die Daten zur US-Industrieproduktion auf der Agenda. Je nachdem, wie die Zahlen zum Einkaufsmanagerindex oder zur Industrieproduktion ausfallen werden, dürfte das für Ausschläge bei US-Zinsen und Dollar und damit an den Aktienmärkten und beim Goldpreis sorgen.
Sollten kurzfristig schlechte Nachrichten zum Iran-Krieg ausbleiben und Trump die Lage nicht anheizen, dürfte der Goldpreis weiter in Richtung der Marke von 5.000 Punkten laufen und sie anschließend erneut nach oben durchbrechen. Umso näher würden die Rekordhochs kommen.
Wie immer sich der Goldpreis auch kurzfristig entwickeln sollte, die mittel- und langfristigen Aussichten für das Edelmetall bleiben glänzend, zumal die geopolitischen Risiken in den nächsten Jahren anhaltend hoch bleiben dürften, gerade auch mit Blick auf die Rivalität zwischen China und den USA. Vor dem Hintergrund macht es meiner Meinung nach weiterhin großen Sinn, die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.
