Haben Sie auch in der vergangenen Woche den „Schwarzen Mittwoch“ an den Börsen verfolgt, als DAX, S&P500 und viele andere Aktienmärkte eingebrochen sind? Am Donnerstag ist es noch einmal kräftig abwärts gegangen. Ausgelöst wurde der Rückschlag von einer Nachricht der Welthandelsorganisation (WTO). Ein echter Handelskrieg zwischen den USA und China könne das internationale Handelsvolumen um 17,5 Prozent nach unten drücken. “Die weltweite Wirtschaftsleistung könnte nach diesem Szenario im Durchschnitt um 1,9 Prozent belastet werden”, so der Präsident der Welthandelsorganisation, Roberto Azevêdo.

Während der S&P500 trotz des Kursrutsches um lediglich rund fünf Prozent unter dem Rekordhoch notiert, ist der DAX auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2016 eingebrochen. Das beunruhigt viele hiesige Anleger sehr – zu Recht. Gegenüber dem Rekordhoch von Ende Januar ist weltweit ein Börsenwert von umgerechnet 12 Billionen Dollar vernichtet worden – horrende 12 Billionen Dollar! Das entspricht der Wirtschaftsleistung Chinas für das Jahr 2017.

Dass der eskalierende Handelskrieg ein enormes Risiko für die Weltwirtschaft bedeutet, ist für viele Investoren absolut nicht überraschend, ich habe Ihnen wiederholt davon geschrieben. Offenbar hat die Meldung aber den Algorithmushandel, also den Computerhandel, an den Börsen schockiert. Er macht in den USA beispielsweise beim Aktienhandel rund 60 bis 70 Prozent des täglichen Handelsvolumens aus. Als die Computer die Nachricht von der WTO „gelesen“ haben, haben sie offenbar begonnen kräftig zu verkaufen, woraufhin die Kurse eingebrochen sind. Im Gegenzug ist der Goldpreis deutlich gestiegen. In den vergangenen Monaten habe ich Ihnen wiederholt geschrieben, dass der Goldpreis bei Turbulenzen am US-Aktienmarkt zulegen sollte. Genauso ist es gekommen, umso wichtiger ist die weitere Entwicklung des S&P500 für den Goldpreis.

Trump und Fed sind für die Börsenturbulenzen verantwortlich

Für zusätzlichen Verkaufsdruck beim S&P500 und damit beim DAX haben zuletzt zwei US-Chemiefirmen gesorgt, die Gewinnwarnungen abgegeben haben. Sie haben gewarnt, dass die Rohstoffpreise kräftig steigen würden, gleichzeitig schwächele die Nachfrage in China, sowie in der Autoindustrie in den USA und Europa. Bislang haben viele Investoren geglaubt, dass sich die US-Wirtschaft von der zunehmenden Abkühlung der Konjunktur in vielen anderen Teilen der Welt abkoppeln könne. Wie soll das aber gehen? Liefern die US-Unternehmen ihre Produkte künftig auf den Mond und gleichen so die schwächelnde Nachfrage im Rest der Welt aus? Die US-Wirtschaft kann sich keinesfalls abkoppeln, sie folgt mit einer zeitlichen Verzögerung von wenigen Monaten der Wirtschaft im Rest der Welt auf den Weg nach unten und das beginnt der US-Aktienmarkt allmählich einzupreisen.

Für die Gewinnwarnungen der zwei US-Chemiefirmen ist niemand anders verantwortlich als US-Präsident Donald Trump und die US-Notenbank. Trump treibt mit den US-Strafzöllen die Rohstoffpreise, wie für Stahl und Aluminium und mit den Iran-Sanktionen die Ölpreise nach oben. Gleichzeitig kühlt sich durch den Handelskrieg die Wirtschaft Chinas deutlich ab. Verschärft werden die Probleme durch die US-Notenbank, die mit ihren anhaltenden Zinssteigerungen die hochverschuldete Privatwirtschaft schwer belastet, weil die Zinsen für Hypotheken- und Autokredite auf Mehr-Jahres-hochs gestiegen sind. Die Folge: die Aktien der Hausbaufirmen, wie Lennar, Pulte und D.R. Horton sind im freien Fall, während die Autoaktien, wie von Ford auf Mehr-Jahres-Tiefs eingebrochen sind, jene von General Motors auf Zwei-Jahres-Tiefs.

Trump präsentiert Sündenbock für Kursrutsch

Jeder, der sich mit der US-Wirtschaft ein bisschen beschäftigt hat, weiß, dass der Immobiliensektor der beste Frühindikator für die Gesamtwirtschaft ist. So wie es dem Häusermarkt ergeht, so wird es innerhalb weniger Quartale der Gesamtwirtschaft ergehen. Ich gehe davon aus, dass sie im Sommer 2019 in die Rezession abrutschen wird. Das sind gar keine guten Aussichten für den US-Aktienmarkt. Daher hat Trump begonnen, die Fed mit ihren anhaltenden Zinserhöhungen für den Kursrutsch verantwortlich zu machen. „Die Fed ist verrückt geworden“, sagte Trump zuletzt. Das ist ein äußerst kluger Schachzug, jetzt schon seinen Fans den Sündenbock für einen möglichen Aktien-Crash zu präsentieren. Viele Investoren wissen allerdings, dass Trump selbst ebenfalls eine große Mitverantwortung für den jüngsten Kursrückschlag trägt.

Von umso größerer Bedeutung ist es, ob die US-Technologieaktien, wie Apple, Amazon und Facebook, nachhaltig nach unten drehen. Sollte das der Fall sein, würde das den S&P500 mit nach unten reißen, machen die Tech-Aktien doch rund 30 Prozent des Indexgewichts aus.

Italien-Krise dürfte eskalieren

Ich möchte Sie noch einmal daran erinnern, dass es neben dem Handelskrieg und den steigenden US-Zinsen noch etliche weitere Risikofaktoren für die Weltwirtschaft und damit den Aktienmarkt gibt. Besorgniserregend finde ich vor allem die Entwicklung in Italien, wo die neue Regierung trotz Staatsschulden von horrenden 2,34 Billionen Euro kräftig neue Schulden machen will. Die Populisten werden versuchen Ernst zu machen. Der Einzige, der sie zur Vernunft bringen kann, ist der Anleihenmarkt. Dazu müssten die Zinsen für italienische Anleihen noch viel deutlicher steigen als bislang. Das würde allerdings die italienischen Banken noch mehr in die Bredouille bringen, besitzen sie doch mehr als 300 Mrd. Euro an italienischen Staatsanleihen. Wenn deren Kurse weiter fallen, – sprich die Zinsen steigen -, schrumpfen die Kapitalpuffer der Institute rapide. Dass der Branchenindex FTSE Italia All-Share Banks eingebrochen ist und damit den gesamten Aktienmarkt, gemessen am FTSE Mib, auf das Niveau von März 2017 nach unten gerissen hat, sollte niemanden überraschen.

Bei all den Risiken könnte man fast die Währungskrise in den Emerging Markets vergessen. Sie ist zuletzt zwar ein bisschen in den Hintergrund gerückt. Allerdings dürfte bei der Stichwahl in Brasilien am 28. Oktober der Rechtspopulist Jain Bolsonaro haushoch gewinnen. Seien Sie bitte nicht überrascht, wenn er nach der Wahl den gleichen Weg wie Trump und die neue italienische Regierung einschlagen dürfte, nämlich kräftig neue Schulden zu machen, um Wahlgeschenke zu verteilen. Damit könnte die Währungskrise in den Emerging Markets schneller wieder auf die Agenda der Investoren zurückkehren als ihnen lieb ist.

Die Litanei an Risiken, von Handelskrieg bis zu Italien, sollte Ihnen klar machen, dass der S&P500 jederzeit dem Aktienmarkt im Rest der Welt deutlich nach unten folgen könnte. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren dürften die Investoren diesmal allerdings nicht in US-Anleihen flüchten, weil die US-Notenbank meiner Meinung nach versucht, Luft aus der Blase am Aktienmarkt herauszulassen und daher trotz möglicher weiterer Turbulenzen beim S&P500 die Zinsen weiter anheben dürfte. In dem Umfeld dürfte Gold in den nächsten Monaten ein beachtliches Comeback feiern. Ich kann Ihnen daher weiterhin nur empfehlen, die sehr günstigen Preise zu nutzen, um Ihre Bestände aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.