Die US-Zinsen haben inzwischen kritische Niveaus erreicht. Umso gespannter warten Investoren auf das Fed-Protokoll und die nächsten US-Konjunkturdaten.
Nach der Rekordfahrt am US-Aktienmarkt haben die Kurse zuletzt etwas nachgegeben. Dabei sind gerade die Papiere aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) eingebrochen, vor allem die Halbleiteraktien, was auch die Technologieaktien insgesamt mit nach unten gezogen hat.
Für Gegenwind bei den KI-Aktien im Speziellen und dem US-Aktienmarkt im Allgemeinen sorgt der Streik bei dem südkoreanischen Chip- und Smartphonehersteller Samsung, wo sich Management und Arbeitnehmer nicht auf die Höhe des Bonus einigen konnten. Das hat auch die US-Chipaktien belastet.
Für zusätzlichen Abwärtsdruck am Aktienmarkt sorgt dabei der kräftige Zinsanstieg in den USA, wobei die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen bis auf 4,69 Prozent nach oben geschossen sind. Das ist ein 52-Wochen-Hoch. Damit nähern sich die Zinsen zügig dem Drei-Jahres-Hoch vom Oktober 2023 von knapp unter 5,0 Prozent. Je höher die Zinsen sind, umso unattraktiver werden Aktien im Vergleich zu Anleihen.
Gleichzeitig sind die Zinsen für 30-jährige US-Anleihen bis auf 5,20 Prozent nach oben geschossen und liegen damit in der Nähe des höchsten Niveaus seit Juni 2007, also in der Nähe des 19-Jahres-Hochs!
Der kräftige Aufwärtsdruck bei den US-Zinsen wird von zwei Faktoren verursacht: Einerseits gab es zuletzt einige US-Konjunkturdaten, die Inflationssorgen geschürt haben, gerade der Sprung nach oben bei den Produzentenpreisen für April oder die überraschend guten Daten zur Industrieproduktion.
Andererseits ist der Ölpreis weiter auf dem Weg nach oben – und das trotz zahlreicher Versuche von US-Präsident Donald Trump, die Notierung des Rohstoffs mit irgendwelchen Aussagen nach unten zu reden. Das hat bislang aber absolut nicht funktioniert, schließlich war der Ölpreis immer nur kurz eingeknickt, um anschließend deutlich zu steigen.
Immerhin wissen Investoren, dass weiterhin viel weniger Öl durch die Straße von Hormus transportiert wird als vor dem Iran-Krieg. Das sorgt zwangsläufig für Aufwärtsdruck beim Ölpreis, schließlich leeren sich die Lagervorräte in vielen Ländern und Regionen wie Europa und Asien mit jedem Tag immer weiter.
Die kräftig gestiegenen US-Zinsen haben auch den US-Dollar mit nach oben gezogen. Damit nähert sich der Dollar-Index zusehends dem 52-Wochen-Hoch. Der Index bildet die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen ab, vor allem gegenüber dem Euro.
Mit den kräftig gestiegenen US-Zinsen und dem gestiegenen US-Dollar hatte der Goldpreis zunehmenden Gegenwind, weshalb die Notierung des Edelmetalls zuletzt bis auf 4.475 US-Dollar eingebrochen ist, ehe sie sich etwas erholt hat. Damit liegt der Preis um rund 20 Prozent unter dem Rekordhoch vom Januar 2026.
Warten auf US-Daten
Umso gespannter warten Investoren auf das Fed-Protokoll, das am Mittwochabend, 20. Mai, um 20 Uhr veröffentlicht wird. Hoffentlich steht nichts in der Mitschrift, das die Inflationssorgen und damit die Sorgen vor einer möglichen Zinserhöhung schürt.
Tags darauf, am Donnerstag, 21. Mai, werden die Zahlen zu den US-Neubaubeginnen und Baugenehmigungen, der Einkaufsmanagerindex der Fed von Philadelphia (der Index ist üblicherweise der wichtigste Frühindikator für die US-Wirtschaft insgesamt) und der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die US-Wirtschaft (Industrie plus Dienstleistungen) veröffentlicht.
Am Freitag, 22. Mai, beenden die Daten zum US-Verbrauchervertrauen, das die Universität Michigan bekannt gibt, den Zahlenreigen dieser Woche. Wie immer die jeweiligen Indikatoren ausfallen sollten, wird das Auswirkungen auf US-Zinsen und den US-Dollar haben und damit auf die Aktienmärkte und Gold.
Ich kann nur hoffen, dass die Daten jeweils nicht überraschend gut ausfallen und dass der Anstieg beim Ölpreis allmählich ausläuft, ansonsten könnte der Gegenwind für die Aktienmärkte und Gold kurzfristig leider weiter zunehmen. Das ändert meiner Meinung nach allerdings absolut nichts an den mittel- und langfristig glänzenden Aussichten für das Edelmetall.
