Während sich der US-Aktienmarkt zuletzt in der Nähe des Rekordhochs gehalten hat, ist der Goldpreis deutlich unter die Räder gekommen. Umso gespannter warten Investoren auf die nächsten US-Konjunkturdaten, allen voran den Arbeitsmarktbericht am Freitag.

Scheinbar kann nichts die Rekordfahrt am US-Aktienmarkt aufhalten, selbst die kräftig steigenden US-Zinsen konnten die Party beim S&P500 zuletzt kaum bremsen. Dabei trüben sich bei kräftig steigenden Zinsen, nicht nur in den USA, sondern weltweit, die Aussichten für die Unternehmen aus dem S&P500 zusehends ein, schließlich werden Kredite für Unternehmen und Verbraucher immer teurer.

Allerdings werden die US-Indizes S&P500 und gerade der technologielastige Nasdaq 100 von der Rückkehr des KI-Hypes nach oben getrieben. Zuletzt hatte der KI-Riese Anthropic die Unterlagen für seinen geplanten Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Laut Gerüchten strebt Anthropic dabei einen Börsenwert von astronomischen 2,0 Billionen Dollar an.

Zwar ist noch nicht klar, wieviel Geld Anthropic beim Börsengang einsammeln will. Je nachdem wie viel es sein wird, seien es möglicherweise 50, 75 oder gar 100 Milliarden Dollar, sollte das die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen weiter nach oben treiben, schließlich haben die Technologiefirmen aus den USA einen gewaltigen Kapitalbedarf, gerade für den massiven Bau von Rechenzentren.

In dem Umfeld sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen zuletzt bis auf knapp 5,30 Prozent nach oben geschossen, das war das höchste Niveau seit März 2002. Gleichzeitig sind die Zinsen für 10-jährige Inflationsgeschützte US-Anleihen bis auf 2,9 Prozent nach oben geschossen, das ist das höchste Niveau seit November 2008.

Die kräftig steigenden US-Zinsen haben den Dollar mit nach oben gezogen, damit notiert der Dollar Index in der Nähe des höchsten Niveaus seit April 2025. Der Dollar Index bildet die Entwicklung des Greenback gegenüber 6 wichtigen Währungen ab, allen voran dem Euro.

Damit hatte der Goldpreis gleich von 2 Seiten aus Gegenwind und war am Montag, 28. September um herbe 4,0 Prozent bis auf 4.115 Dollar je Unze eingebrochen, hat sich inzwischen allerdings bis auf 4.195 Dollar erholt. Umso wichtiger ist es, wie sich US-Zinsen und Dollar in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln werden.

Warten auf US-Konjunkturdaten

Umso wichtiger werden daher die US-Konjunkturdaten der nächsten Tage. Am Mittwoch, 30. September wird um 14.15 Uhr der Arbeitsmarktbericht von ADP veröffentlicht. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die Privatwirtschaft im September 70.000 Jobs geschaffen haben, nach 38.000 im August.

Kurz danach folgen am Mittwoch um 14.30 Uhr wichtige Inflationsdaten. Demnach soll der PCE-Preisindex im August bei 3,7 Prozent stagniert haben. Zudem soll die Kernrate, also der um Nahrungsmittel und Energie bereinigte PCE-Preisindex, bei 3,3 Prozent stagniert haben. Die Kernrate des PCE-Preisindex ist der bevorzugte Inflationsindikator der Fed und liegt weiterhin meilenweit über dem Zwei-Prozent-Inflationsziel der Fed.

Tags drauf am Donnerstag, 1. Oktober veröffentlicht das Institute for Supply Management (ISM) den wichtigen Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie für September. Investoren werden dabei nicht nur auf den Index selbst, sondern vor allem auch auf die Preiskomponente schauen, nachdem sie im August stabil geblieben war bei 71,1 Punkten und damit einen starken Preisauftrieb signalisiert hatte.

Am Freitag, 2. Oktober wird um 14.30 Uhr der wichtige US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht werden. Laut den Schätzungen der Volkswirte sollen im September 90.000 Jobs geschaffen worden sein, nach den sensationell starken 162.000 Jobs für August. Zudem soll die Arbeitslosenquote mit 4,1 Prozent stabil bleiben.

Spannend wird nicht nur sein, wie die Zahlen für September ausfallen, sondern ob möglicherweise auch die Zahlen für Juli bzw. August nach oben korrigiert werden sollten. Das würde US-Zinsen und Dollar noch weiter nach oben treiben und im Gegenzug leider den Goldpreis belasten.

Insgesamt wird es wichtig sein, wie die Zahlen von ADP, über PCE und ISM-Index bis hin zum Arbeitsmarktbericht ausfallen. Denn die Daten könnten für deutliche Ausschläge bei US-Zinsen und Dollar und damit am Aktienmarkt und beim Goldpreis sorgen.

Kurzfristig weiterer Abwärtsdruck bei Gold möglich

Ich kann nicht ausschließen, dass der Goldpreis erst einmal weiter nachgeben könnte, zumal wenn die US-Zinsen weiter kräftig steigen und damit den Dollar weiter nach oben ziehen sollten.

Umso mehr wächst allerdings der Druck auf Finanzminister Scott Bessent, die Zinsen wieder künstlich nach unten zu manipulieren, schließlich belasten sie die Wirtschaft erheblich, steigen doch die Zinsen für Kredite an Unternehmen und Konsumenten (Hypothekenkredite, Autokredite, Kreditkartenkredite) immer weiter. Sollte es Bessent gelingen, die Zinsen zumindest kurzfristig nach unten zu manipulieren, sollte sich der Goldpreis meiner Meinung nach umso kräftiger erholen.

Die kurzfristige Entwicklung beim Goldpreis ändert allerdings nichts daran, dass die mittel- und langfristigen Aussichten für das Edelmetall meiner Meinung nach hervorragend bleiben, schließlich besteht das Risiko, dass die weltweite Schuldensause trotz des kräftigen Zinsanstiegs der vergangenen Monate weitergeht.

Je schneller aber die Geldmenge im Verhältnis zur Menge an produzierten Gütern und Dienstleistungen wächst, umso mehr wird die Inflation angekurbelt und durch die Schwemme an Fiat-Geld jeder Dollar und Euro immer weniger wert. Umso wichtiger ist es, sich dagegen durch den Besitz von physischem Gold zu schützen.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.