Während der Iran-Krieg zuletzt einmal mehr eskaliert ist, haben die deutlich besser als befürchteten US-Inflationsdaten den Goldpreis gestützt. Umso gespannter warten Investoren auf die nächsten US-Konjunkturdaten.

Zwei Themen beherrschen derzeit die Börsen: Einerseits die alltägliche Berg- und Talfahrt bei den Chip- und KI-Aktien und andererseits die erneute Eskalation im Iran-Krieg. So hatte das US-Militär in den vergangenen Tagen wiederholt Ziele im Iran angegriffen, während der Iran wiederum Schiffe in der Straße von Hormus, sowie etliche Ziele in den Nachbarstaaten attackiert hat.

Dabei hatte US-Präsident Donald Trump plötzlich eine Gebühr von 20 Prozent auf den Wert der Schiffsfracht in der Straße von Hormus gefordert, ehe Trump die Pläne schnell wieder verworfen hat.

In dem Umfeld waren die Ölpreise nach oben geschossen, womit jene der US-Sorte WTI und der Nordseesorte Brent seit Anfang Juli um jeweils rund 20 Prozent gestiegen sind. Das hat einmal mehr Inflationssorgen geschürt.

Daraufhin waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen deutlich gestiegen und nähern sich mit aktuell 4,60 Prozent zügig dem Mehr-Jahres-Hoch vom Oktober 2023 bei 5,0 Prozent. Das liegt wiederum in der Nähe des höchsten Niveau seit Juli 2007, also dem Achtzehn-Jahres-Hoch. Der kräftige US-Zinsanstieg belastet zwangsläufig den Goldpreis.

In dem Umfeld ist der Realzins auf Basis 10-jähriger Inflationsgeschützter US-Anleihen mit 2,36 Prozent in die Nähe des höchsten Niveaus seit Dezember 2008 gestiegen. Je höher der Realzins ist, umso mehr drückt das den Goldpreis nach unten. Der Realzins wird berechnet, indem man vom Nominalzins die Inflationsrate abzieht.

Die deutlich gestiegenen US-Zinsen haben den Dollar mit nach oben gezogen, damit notiert der Dollar Index in der Nähe des höchsten Niveaus seit Mai 2025. Der Index spiegelt die Entwickelt des Greenback gegenüber 6 wichtigen Währungen wider, allen voran dem Euro. Der Anstieg des Dollar sorgte für zusätzlichen Abwärtsdruck beim Goldpreis.

Als wenn das alles nicht schon genügend schlechte Nachrichten für den Goldpreis gewesen wären, kam am Montag, 13. Juli zusätzlicher Gegenwind durch den neuen Fed-Chef Kevin Warsh. Er hatte gewarnt, dass – falls die am Dienstag, 14. Juli veröffentlichten Inflationsdaten schlechter ausfallen sollten als erwartet – die Fed über eine Zinsanhebung nachdenken müsse.

US-Inflationsdaten deutlich besser als befürchtet

Umso erleichterter waren Investoren, als die am Dienstag, 14. Juli veröffentlichten Inflationsdaten deutlich besser ausgefallen waren als befürchtet. So war die Inflationsrate im Juni deutlich zurückgegangen von 4,2 auf 3,5 Prozent und lag damit deutlich unter den Schätzungen der Volkswirte von 3,8 Prozent. Gleichzeitig ist die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, deutlich zurückgegangen von 2,9 auf 2,6 Prozent und lag damit deutlich unter den Erwartungen von 2,9 Prozent.

Nach der Veröffentlichung der US-Inflationsdaten ist die Wahrscheinlichkeit für eine mögliche Zinsanhebung bei der nächsten Fed-Sitzung am 29. Juli auf nurmehr 12 Prozent eingebrochen, nachdem die Wahrscheinlichkeit noch wenige Stunden zuvor bei herben 45 Prozent gelegen war.
Die überraschend guten US-Inflationsdaten hatten dafür gesorgt, dass die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen kurz eingebrochen waren, ehe die Zinsen mit dem Anstieg der Ölpreise schnell wieder nach oben gedreht sind.

Das hatte dafür gesorgt, dass der Goldpreis kurz nach oben gesprungen war, ehe er schnell wieder nach unten gedreht ist. Mit Kursen von um die 4.025 Dollar je Unze notiert das Edelmetall damit leider in der Nähe des Achteinhalb-Monats-Tiefs.

Warten auf US-Daten

Umso gespannter warten Investoren auf die Daten zu den US-Produzentenpreisen, die am Mittwoch, 15. Juli um 14.30 Uhr veröffentlicht werden. Die Produzentenpreise spiegeln die Preise wider, die die Unternehmen untereinander weitergeben. Am gleichen Tag findet eine weitere Anhörung von Warsh vor dem US-Kongress statt, was erneut für Ausschläge bei US-Zinsen und Dollar sorgen könnte.

Tags drauf, am Donnerstag, 16. Juli folgen die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen, sowie der Einkaufsmanagerindex der Fed von Philadelphia für die dortige Industrie, der Index ist üblicherweise einer der besten Frühindikatoren für die US-Wirtschaft insgesamt.

Am Freitag, 17. Juli werden dann die Daten zu den Neubaubeginnen und Baugenehmigungen, zur Industrieproduktion und zum Verbrauchervertrauen der Uni Michigan bekanntgegeben. Je nachdem wie die Daten in den nächsten Tagen ausfallen sollten, von den Produzentenpreisen bis hin zum Verbrauchervertrauen, wird das für Ausschläge bei US-Zinsen und Dollar und damit an den Aktienmärkten und bei Gold sorgen.

Abgesehen davon können Gold-Fans nur hoffen, dass der Iran-Krieg nicht weiter eskaliert und damit der Ölpreis nicht weiter steigt, weil ansonsten die US-Zinsen und der Dollar weiter steigen würden, was den Goldpreis weiter nach unten drücken könnte. Daher gilt es weiterhin zu warten, bis sich die Lage beim Goldpreis beruhigt, um dann die Bestände an physischem Gold aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.