US-Präsident Donald Trump fordert vom Iran die bedingungslose Kapitulation. Nun rückt die Fed-Sitzung am Mittwochabend in den Fokus der Investoren.

Seit einigen Tagen beschäftigt ein Thema die Börsen mehr als alles andere: der Krieg zwischen Israel und dem Iran. In dem Umfeld ist der Ölpreis nach oben geschossen, während sich gleichzeitig die Aussichten für die Weltwirtschaft eintrüben. Daraufhin ist der DAX mit seinen zahlreichen stark konjunkturabhängigen Unternehmen in die Nähe des Sechs-Wochen-Tiefs gesunken. Dennoch notiert der Index um lediglich rund 4 Prozent unter seinem Rekordhoch.

Dabei hat US-Präsident Donald Trump zuletzt die bedingungslose Kapitulation des Iran gefordert. In dem unsicheren Umfeld haben Investoren bei US-Staatsanleihen zugegriffen, woraufhin die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen mit 4,40 Prozent in die Nähe des Sechs-Wochen-Tiefs gesunken sind. Das hat den US-Aktienmarkt gestützt, wobei der S&P500 zuletzt in Richtung der Rekordhochs geklettert ist.

Zwar hat sich der Dollar zuletzt leicht erholt, dennoch liegt Euro-Dollar mit Kursen von um 1,16 Dollar je Euro in der Nähe des höchsten Niveaus seit Oktober 2021.

Hingegen hat der Goldpreis zuletzt ein wenig nachgegeben. Mit Kursen von rund 3.385 Dollar je Unze notiert das Edelmetall um 3,3 Prozent unter dem Rekordhoch. Ich gehe weiterhin davon aus, dass das Edelmetall schon bald die Rekordhochs ins Visier nehmen sollte. Von großer Bedeutung dürfte dabei sein, ob die Talfahrt des Dollar weitergeht, wovon ich klar ausgehe.

Warten auf Fed-Sitzung

Während Investoren vor allem die Entwicklung im Nahen Osten im Auge behalten, rückt die Fed-Sitzung am heutigen Mittwochabend, 18. Juni zügig in den Fokus. Nachdem die US-Inflationsdaten zuletzt ein bisschen besser als erwartet ausgefallen waren, hat Trump von der Fed eine Senkung der Leitzinsen um 100 Basispunkte (1 Prozentpunkt) gefordert.

Für viele Investoren ist es aber ausgemachte Sache, dass die Fed die Zinsen heute nicht senken, sondern vielmehr bei 4,25 bis 4,50 Prozent belassen wird, nachdem Fed-Chef Jay Powell zuletzt wiederholt davor gewarnt hat, dass die US-Strafzölle die Inflation anheizen könnten.

Im April war die Kernrate des PCE-Preisindex auf 2,5 Prozent zurückgegangen. Die Kernrate ist der bevorzugte Inflationsindikator der Fed. Zudem sind im Mai 139.000 Jobs geschaffen worden, das zeigt, dass der Arbeitsmarkt weiterhin läuft.

Investoren werden genau darauf achten, ob die Fed die Prognosen zum Wirtschaftswachstum, zu Inflation und zur Arbeitslosenquote jeweils leicht anpasst. Am Wichtigsten ist dabei, ob die Fed weiterhin 2 Zinssenkungen bis Ende 2025 vorhersagt.

Sollte die Fed völlig überraschend nur noch 1 Senkung signalisieren, könnte das für deutliche Turbulenzen an den Märkten sorgen. Ich gehe aber davon aus, dass es erst einmal bei 2 bleiben wird, während viele Experten von einer ersten Senkung bei der übernächsten Sitzung am 17. September ausgehen. Bei der zwischenzeitlichen Sitzung am 30. Juli könnte die Fed die Füße hingegen einmal mehr stillhalten.

Trump dürfte einmal mehr drastische Zinssenkungen fordern

Ich werde mir die heutige Pressekonferenz mit Powell ab 20.30 Uhr genau anschauen. Sollte die Fed heute einmal mehr den Leitzins nicht senken, dürfte Trump einmal mehr eine drastische Senkung fordern. Davon dürfte ihn selbst eine mögliche weitere Verschärfung der Lage im Nahen Osten nicht abhalten.

Gleichzeitig nimmt sein „großes, wunderbares Gesetz“ weiter den Weg durch den Kongress, durch das geplante massive Steuersenkungsprogramm sollen die Schulden in den nächsten 10 Jahren um zusätzlich 3,8 Billionen Dollar steigen. Die Abstimmung im Senat ist weiterhin für den 4. Juli geplant, den symbolträchtigen Unabhängigkeitstag.

Sollte das Gesetz nach der wenngleich sehr knappen Zustimmung des Repräsentantenhauses auch eine Mehrheit im Senat finden und damit schlussendlich von Trump unterzeichnet und damit in Kraft gesetzt werden, sollte das für neuen Rückenwind beim Goldpreis sorgen. Denn durch die zusätzliche Dollar-Schwemme wird der Greenback immer mehr an Kaufkraft verlieren. Genau das würde ein weiter steigender Goldpreis signalisieren.

Gold bleibt aussichtsreich

Am Donnerstag 19. Juni folgen die Sitzungen der Schweizerischen Nationalbank und der englischen Notenbank. Nur soviel zu dem Thema: Volkswirte gehen davon aus, dass die SNB den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,00 Prozent senken wird. Das wäre ein Meilenstein, nachdem es zuletzt 3 Jahre lang positive Zinsen gegen hat. Davor hatte es 7 bis 8 Jahre lang Strafzinsen in der Schweiz gegeben – welcher Irrwitz, welcher Irrwitz!

Ich fürchte zudem, dass die EZB ihren Zinssenkungskurs fortsetzen wird, nachdem sie zuletzt den Einlagenzins für die Banken – darüber steuert die EZB aktuell die Geldpolitik – um 25 Basispunkte auf 2,0 Prozent gesenkt hat. Je stärker die EZB die Zinsen senkt, umso mehr kurbelt sie die Inflation an.

Genau das ist allerdings meiner Meinung nach das Ziel der EZB, will sie doch die Staatsschulden der hochverschuldeten Länder Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland und Portugal weiter entwerten.

Den Preis dafür zahlen alle Verbraucher und Sparer der Eurozone. So ist es leider – und es gibt leider absolut keine Hoffnung, dass die EZB irgendwann mit dieser irrwitzigen Politik aufhört!

Wie immer die Sitzungen der Fed, sowie von SNB und englischer Notenbank auch ausgehen mögen, die mittel- und langfristigen Aussichten für Gold bleiben glänzend. Dafür wird vor allem Trump sorgen, aber natürlich auch sämtliche Notenbanken, allen voran die EZB.

Vor dem Hintergrund macht es weiterhin Sinn, die Bestände an physischem Gold weiter deutlich aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.