Trotz kräftig gestiegener US-Zinsen hat sich der Goldpreis zuletzt stabilisiert. Umso gespannter warten Investoren auf das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Trump und seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping.

An den Börsen herrscht weiterhin das gleiche Bild wie schon seit Monaten: Während der S&P 500 auf Rekordfahrt ist, vor allem weil Halbleiter- und KI-Aktien den Index nach oben treiben, ist der DAX innerhalb weniger Tage um 1.000 Punkte nach unten gerauscht und liegt damit mit rund 24.000 Punkten auf dem gleichen Niveau wie Mitte Mai 2025. Der Index ist also rund 12 Monate lang lediglich seitwärts gelaufen.

Die Rekordfahrt beim S&P 500 ist umso bemerkenswerter, nachdem die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen zuletzt bis auf 4,46 % gestiegen sind, womit das 52-Wochen-Hoch von 4,60 % vom Mai 2025 immer näher rückt.

Die US-Zinsen werden von den kräftig gestiegenen Ölpreisen nach oben getrieben, nachdem US-Präsident Donald Trump gesagt hatte, die Vorschläge des Iran zur möglichen Beendigung des Krieges seien „völlig inakzeptabel“. Daraufhin war der Preis der US-Sorte WTI auf mehr als 100 US-Dollar nach oben geschossen, während jener für die Nordseesorte Brent bis auf 107 US-Dollar nach oben geschossen ist.

Die deutlich gestiegenen US-Zinsen haben den Dollar Index etwas mit nach oben gezogen. Der Index bildet die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen ab, vor allem gegenüber dem Euro.

Obwohl der Goldpreis damit gleich von zwei Seiten aus Gegenwind hatte, hat die Notierung des Edelmetalls in den vergangenen Tagen nicht etwa nachgegeben, sondern seitwärts tendiert. Mit Kursen von rund 4.700 US-Dollar je Unze steht ein Kursgewinn von 8,8 % seit Jahresanfang zu Buche – das finde ich mehr als akzeptabel.

Diese Widerstandsfähigkeit des Goldpreises ist meiner Meinung nach ein gutes Zeichen. Sollte es irgendwelche Nachrichten geben, die auch nur für einen kurzen Rückgang beim Ölpreis sorgen und damit die US-Zinsen nach unten ziehen sollten, könnte der Goldpreis meiner Meinung nach deutlich zulegen.

Höchste US-Inflation seit 3 Jahren

Für Aufwärtsdruck bei den US-Zinsen haben zuletzt auch die US-Inflationsdaten gesorgt, die etwas schlechter waren als erwartet. So waren die Verbraucherpreise im April aufgrund der im Zuge des Iran-Kriegs kräftig gestiegenen Energiepreise um 0,6 % gegenüber dem Vormonat nach oben geschossen.

Zudem ist die Inflationsrate von 3,3 % auf 3,8 % nach oben geschossen – das war das höchste Niveau seit Mai 2023.

Außerdem ist die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, von 2,6 % auf 2,8 % geklettert und lag damit leicht über den Erwartungen von 2,7 %. Offensichtlich schwappen die stark gestiegenen Energiepreise allmählich auf andere Bereiche über, was die Kernrate nach oben treibt.

Das sollte meiner Meinung nach allerdings noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein, weil es etliche Monate dauern dürfte, bis die gestiegenen Energiepreise auf alle anderen Bereiche durchschlagen, woraufhin nicht nur die Inflationsrate, sondern auch die Kernrate in den nächsten Monaten weiter deutlich steigen dürften.

Trump trifft Xi Jinping

Als Nächstes rückt das geplante Treffen von Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping ganz oben auf die Agenda der Investoren. Es soll am 14. und 15. Mai in Peking stattfinden. Die beiden Präsidenten haben eine Menge zu besprechen, allen voran die Themen Iran-Krieg und Taiwan.

Was könnte das Gipfeltreffen für Ergebnisse bringen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwelche bedeutenden Ergebnisse geben wird, schließlich liegen die Interessen Chinas und der USA viel zu weit auseinander. Aber schauen wir mal, was rauskommt.

Meiner Meinung nach ist das Risiko jedenfalls groß, dass nach dem Treffen der Iran-Krieg eskalieren könnte. Das könnte die Ölpreise erneut nach oben schießen lassen, was wiederum die US-Zinsen nach oben treiben würde und auch den Dollar etwas mit nach oben ziehen könnte. In dem Szenario droht leider erneut etwas Gegenwind für den Goldpreis.

Ich werde die Nachrichten in den nächsten Tagen jedenfalls genau verfolgen, wobei es möglicherweise am Freitagabend neue zum Iran-Krieg geben könnte.

Unabhängig von der kurzfristigen Entwicklung des Goldpreises bleiben die mittel- und langfristigen Aussichten für das Edelmetall allerdings glänzend. Daher sollte es sich lohnen, die aktuellen Preise zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.