Bei der Sitzung im Juli wollte die Fed von einer baldigen Zinssenkung nichts wissen. Umso mehr rückt das Notenbankertreffen in den Fokus der Investoren.
In den vergangenen Tagen waren einmal mehr alle Augen auf US-Präsident Donald Trump gerichtet. Am Montag, 18. August hat er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, die Staats- und Regierungschefs etlicher europäischer Länder, sowie NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus empfangen, um weiter nach einer Lösung für ein Ende des Ukraine-Kriegs zu suchen.
Nach dem Treffen sagte Trump, dass er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesprochen habe und Pläne für ein Treffen zwischen Putin und Selenskyj vorbereite, später solle es ein Dreiertreffen inklusive Trump geben. Trump bezeichnete die Entwicklung als „sehr gut“ und „jeder ist sehr glücklich über die Möglichkeit für Frieden.“
Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, was aus diesen Plänen wird und ob Putin tatsächlich einverstanden sein könnte, wenn die Europäer mit Unterstützung der USA Sicherheitsgarantien für den Rest der Ukraine abgeben.
In dem Umfeld hat sich der S&P500 in der Nähe des Rekordhochs gehalten, während der DAX um lediglich 1 Prozent unter seinem Rekordhoch notiert.
Gleichzeitig sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen mit 4,35 Prozent auf das höchste Niveau seit Ende Juli geklettert. Dennoch nähert sich der Dollar Index allmählich dem niedrigsten Niveau seit Ende Februar 2022, womit der Goldpreis von den US-Zinsen Gegenwind und vom Dollar Rückenwind hatte. In dem Umfeld hat der Goldpreis weiterhin seitwärts tendiert und liegt damit bei rund 3.340 Dollar je Unze.
Warten auf wichtige US-Konjunkturdaten…
Nun warten Investoren auf die nächsten US-Konjunkturdaten. Am Dienstag, 19. August werden jene zu den Neubaubeginnen und Baugenehmigungen veröffentlicht.
2 Tage später, am Donnerstag, 21. August folgt der Einkaufsmanagerindex der Fed von Philadelphia für die dortige Industrie, der Index ist üblicherweise einer der besten Frühindikatoren für die US-Wirtschaft insgesamt, sowie der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die US-Industrie und die Zahlen zu den Verkäufen bestehender Häuser.
Je nachdem wie die Zahlen jeweils ausfallen, hat das Auswirkungen auf US-Zinsen und Dollar, und damit auf S&P500, Nasdaq und DAX, Öl sowie Gold. Ich als Gold-Fan wünsche mir natürlich, dass die Daten dafür sorgen, dass die US-Zinsen wieder nach unten drehen und damit den Dollar weiter mit nach unten ziehen.
… und das Notenbankertreffen
Am Donnerstag beginnt auch das Notenbankertreffen in Jackson Hole, es läuft bis Samstag, 23. August. Dabei werden am Freitag alle Augen auf Fed-Chef Jay Powell gerichtet sein, seine Rede beginnt um 16 Uhr (deutscher Zeit).
Investoren werden jedes Wort von Powell auf die Goldwaage legen, schließlich hatte er nach der Fed-Sitzung vom 30. Juli keinerlei Signale für eine mögliche Zinssenkung bei der nächsten Sitzung am 17. September gesendet. Nach dem katastrophalen Arbeitsmarktbericht für Juli und etlichen anderen schwachen US-Konjunkturdaten liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) bei der September-Sitzung aktuell aber bei 83 Prozent.
In seiner Rede könnte Powell möglicherweise kurz ansprechen, welche Folgen Strafzölle für die US-Inflation haben könnten.
Entscheidend wird aber sein, was Powell zum Thema Arbeitsmarkt sagt. Sollte der Fed-Chef tatsächlich sagen, dass sich der Arbeitsmarkt zuletzt deutlich schwächer entwickelt habe, als die Fed erwartet hatte, wäre das quasi ein klares Signal für eine Zinssenkung im September.
Auf eine derartige Aussage hin, dürften meiner Meinung nach die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen einbrechen und den Dollar mit nach unten ziehen. Das sollte für deutlichen Auftrieb nicht nur beim US-Aktienmarkt, sondern gerade auch beim Goldpreis sorgen.
Was immer Powell auch in Jackson Hole sagen wird, der Druck auf die Fed, die Zinsen bald zu senken, wird zweifellos zunehmen. Schließlich hat Trump seinen führenden Wirtschaftsberater Stephen Miran als Interimsmitglied der Fed nominiert.
Zwar ist noch nicht sicher, ob der Kongress Trumps Kandidaten durchwinkt und Miran tatsächlich bis zum 17. September offiziell Mitglied der Fed sein wird. Umso mehr dürfte er später auf kräftige Zinssenkungen drängen – ganz im Sinne Trumps.
Zwar könnte der Goldpreis in den nächsten paar Tagen weiter seitwärts tendieren. Umso größer könnten allerdings die Ausschläge ab Freitagnachmittag nach Powells Rede werden.
Unabhängig davon bleiben die mittel- und langfristigen Aussichten für das Edelmetall glänzend. Meiner Meinung nach ist es daher weiterhin vernünftig, die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.
