Der Goldpreis hat sich deutlich erholt. Umso mehr rückt die Fed-Sitzung am Mittwochabend in den Fokus der Investoren, am Freitag soll dann die Unterzeichnung des Iran-Deals folgen.

An den Börsen gibt es derzeit hauptsächlich ein Thema: das sensationelle Börsendebüt von SpaceX am Freitag, 12. Juni, und den darauffolgenden Tagen. Dabei hat der US-Raumfahrt-, Telekommunikations- und KI-Konzern herbe 86,2 Milliarden US-Dollar bei institutionellen Investoren und Privatanlegern eingesammelt, das war der mit weitem Abstand größte Börsengang aller Zeiten, während der Börsenwert anfangs bei 1,75 Billionen US-Dollar lag.

Nachdem die Aktie am Dienstag, 16. Juni, bei 201,80 US-Dollar geschlossen hat, stand damit ein Kursanstieg von herben 49,5 Prozent innerhalb von nur 3 Tagen gegenüber dem Emissionspreis von 135 US-Dollar zu Buche – Wahnsinn! Damit ist der Börsenwert auf horrende 2,66 Billionen US-Dollar explodiert.

Damit ist SpaceX minimal mehr wert als die Nummer 5 im S&P 500, Amazon, mit 2,65 Billionen US-Dollar. Allerdings wird SpaceX auf absehbare Zeit nicht in den Index aufsteigen, nachdem der Indexanbieter S&P Dow Jones Indices seine Regeln für einen schnellen Aufstieg dieser Schwergewichte nicht geändert hat.

Endet der Iran-Krieg bald?

Das zweite wichtige Thema an den Börsen ist die Deeskalation im Iran-Krieg, soll doch am kommenden Freitag, 19. Juni, eine Absichtserklärung zur Beilegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran unterzeichnet werden.

Auf diese Nachrichten hin ist der Ölpreis einmal mehr eingebrochen, woraufhin die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen deutlich nachgegeben haben. Das hat den Dollar Index leicht nach unten gezogen. Der Index spiegelt die Entwicklung des Greenback gegenüber 6 wichtigen Währungen wider, vor allem gegenüber dem Euro.

Damit hatte der Goldpreis gleich von 2 Seiten aus Rückenwind und hat sich deutlich erholt. Mit Kursen von rund 4.325 US-Dollar je Unze notiert er damit wieder auf dem Niveau vom Jahresanfang.

Bleibt die Frage, ob der Iran-Krieg tatsächlich schnell enden wird, zumal US-Präsident Donald Trump die Benzinpreise in den nächsten Monaten deutlich nach unten treiben will, um die Chancen der Republikaner vor den Halbzeitwahlen am 3. November zu verbessern. Zuletzt haben jedenfalls 2 iranische Schiffe mit Öl die Straße von Hormus durchquert, nachdem die USA dem Iran erlaubt haben, wieder Öl zu verkaufen.

Laut Medienberichten sollen die Iraner im Fall einer Unterzeichnung der Absichtserklärung Zugriff auf einen Wiederaufbaufonds von 300 Mrd. US-Dollar bekommen. Warum sollten die USA aber, nachdem sie hunderte Mrd. US-Dollar für den Krieg ausgegeben haben, dem Iran 300 Mrd. US-Dollar für den Wiederaufbau zukommen lassen, was nur die Position der Mullahs festigen würde? Das ergibt doch absolut keinen Sinn, oder?

Gleichzeitig fordert der Iran den Abzug Israels aus dem Libanon, während weiterhin nicht geklärt ist, wie es mit dem iranischen Atommaterial weitergehen soll. Vor dem Hintergrund all dieser Punkte halte ich es für sehr zweifelhaft, dass trotz einer möglichen Unterzeichnung der Absichtserklärung zu einem schnellen Ende des Krieges kommen dürfte.

Dennoch dürfte Trump weiterhin alles in seiner Macht Stehende tun, um den Ölpreis weiter nach unten zu reden. In dem Szenario sollten die Zinsen für 10-jährige US-Zinsen weiter nachgeben, was den Goldpreis stützen sollte.

Warten auf Fed-Sitzung

Trotz des Hypes um den Börsengang von SpaceX und der Nachrichten zum Iran-Krieg haben Investoren genau auf die neuesten US-Inflationsdaten geachtet. So war die Inflationsrate im Mai deutlich gestiegen, von 3,8 auf 4,2 Prozent, und hat damit die Schätzungen der Volkswirte genau getroffen. Hingegen ist die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, lediglich leicht geklettert, von 2,8 auf 2,9 Prozent.

Als Nächstes steht die Fed-Sitzung am Mittwoch, 17. Juni, ganz oben auf der Agenda der Investoren. Um 20 Uhr gibt die Fed die Ergebnisse bekannt, um 20 Uhr startet die Pressekonferenz, diesmal zum ersten Mal mit dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh.

Für viele Investoren ist es ausgemachte Sache, dass die Fed trotz der hohen Inflation im Gegensatz zur EZB die Zinsen nicht anheben wird, sondern den Leitzins vielmehr bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen dürfte. Von großer Bedeutung wird daher, was Warsh auf der Pressekonferenz sagen und was er eventuell für die darauffolgende Sitzung am 29. Juli signalisieren wird.

In den vergangenen Wochen hatte er wiederholt betont, dass sich die Fed im Gegensatz zur bisherigen Praxis nicht mehr so sehr auf die weitere Entwicklung der Geldpolitik festlegen solle, sondern auf Basis der Entwicklung der Daten kurzfristig entscheiden solle. Das würde logischerweise für eine erhöhte Volatilität an den Märkten sorgen, aber dagegen habe ich absolut nichts einzuwenden.

Spannend wird zudem sein zu sehen, ob Warsh einmal mehr sagen wird, dass KI disinflationär wirke, also für sinkende Inflationsraten sorgen werde, weil die Produktivität in den USA deutlich steigen würde. Sollte das der neue Fed-Chef diesmal tatsächlich sagen, dürfte das für Abwärtsdruck auf die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen sorgen, was den Goldpreis stützen sollte.

Als Nächstes gilt es also, die Pressekonferenz mit Warsh genau im Auge zu behalten, am Freitag soll dann die Unterzeichnung des Iran-Deals folgen. Wenn sowohl bei der Fed-Sitzung als auch am Freitag alles läuft wie geplant, könnten die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen weiter nachgeben, was auch den Dollar mit nach unten ziehen würde. In dem Umfeld dürfte der Goldpreis das Tal hinter sich haben, und die Erholung könnte erst einmal weitergehen.