Der Goldpreis hat zuletzt deutlich nachgegeben. Umso wichtiger wird die Fed-Sitzung am Mittwochabend, am Donnerstag folgt die EZB-Sitzung.
Im Zuge des von US-Präsident Donald Trump einseitig angekündigten Waffenstillstands im Iran-Krieg hat der S&P500 die Rekordfahrt fortgesetzt, wobei gerade die Chipaktien, angetrieben vom KI-Hype, auf neue Rekordhochs nach oben geschossen sind. Dabei werden mit jedem Tag, an dem die Straße von Hormus von den USA blockiert wird, die Lagervorräte an Öl in Europa und Asien immer geringer, was für kräftigen Aufwärtsdruck beim Ölpreis sorgt. Daher ist der Preis der US-Sorte WTI zuletzt auf 100 US-Dollar je Barrel nach oben geschossen, während jener für die Nordseesorte Brent sogar auf 105 US-Dollar geklettert ist. Das hat Inflationssorgen geschürt, woraufhin die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen bis auf 4,36 Prozent gestiegen sind. Damit rücken die Zehn-Monats-Hochs von 4,50 Prozent zusehends näher. Das hat den Goldpreis zuletzt deutlich belastet, woraufhin er bis auf rund 4.550 US-Dollar je Unze abgerutscht war, ehe er sich ein wenig erholt hat. Damit steht gegenüber Jahresanfang ein Anstieg um nurmehr 6,2 Prozent zu Buche.
Im Gegensatz zum S&P500 hat der DAX nach der zwischenzeitlichen Rally zuletzt deutlich nachgegeben. Offenbar sind viele Investoren der Überzeugung, dass zahlreiche exportabhängige deutsche Unternehmen den Inflationsschock und gleichzeitig die deutliche Schwäche der Weltwirtschaft erheblich zu spüren bekommen werden. Ich teile diese Sorge, zumal wenn man sieht, dass der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die deutsche Wirtschaft (Industrie plus Dienstleistungen) zuletzt heftig eingebrochen ist und damit ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung hierzulande signalisiert. Und dass der ifo-Geschäftsklimaindex, der üblicherweise der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft ist, im April auf das niedrigste Niveau seit Mai 2020, also kurz nach dem Beginn der Pandemie, abgeschmiert ist, sollte auch niemanden überraschen.
Warten auf Fed-Sitzung …
Nach dem Höhenflug beim S&P500 warten Investoren auf die Fed-Sitzung am Mittwochabend, 29. April, tags darauf am 30. April folgt die EZB-Sitzung. Für viele Investoren ist es ausgemachte Sache, dass weder die Fed noch die EZB auf den jüngsten deutlichen Inflationsanstieg aufgrund des Iran-Kriegs reagieren werden, sondern die Zinsen unverändert lassen dürften. Die Fed dürfte also den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen, während die EZB den Einlagenzins für die Banken (darüber steuert die EZB schon länger die Geldpolitik) bei 2,0 Prozent belassen dürfte. Von umso größerer Bedeutung für die Märkte wird sein, was Fed-Chef Jay Powell und EZB-Chefin Christine Lagarde auf ihren jeweiligen Pressekonferenzen für die darauffolgenden Sitzungen signalisieren könnten.
Dabei dürfte es diesmal Powells letzte Sitzung als Fed-Chef sein, schließlich endet seine Amtszeit als Fed-Chef Mitte Mai und Trump hat Powell wiederholt dazu gedrängt, anschließend nicht als normales Fed-Mitglied im Gremium zu bleiben.
Umso mehr dürfte Powell letztmals das hohe Lied auf die „Unabhängigkeit der Fed“ singen, obwohl die Fed spätestens seit den Jahren nach der 2008er-Schuldenkrise in den USA immer so reagiert hat, als sei die Fed eine Unterabteilung des Finanzministeriums. Die Fed hat also mit immer neuen Runden an Anleihekäufen die Schuldensause in den USA finanziert und damit die Inflation angeheizt. Zudem könnte Powell einmal mehr betonen, dass die Fed die weitere Inflationsentwicklung ebenso genau beobachten werde wie die Schwäche am Arbeitsmarkt. Allerdings dürfte Powell keine konkreten Signale für die darauffolgende Sitzung am 17. Juni senden, ansonsten würde er die Handlungsmöglichkeiten seines designierten Nachfolgers Kevin Warsh zu sehr einengen.
… und EZB-Sitzung
Auch EZB-Chefin Lagarde dürfte einmal mehr betonen, dass die EZB die Entwicklung der Inflation genau verfolgen werde und dass die EZB jederzeit bereit sei zu reagieren, falls das notwendig sei. Ich bezweifle allerdings sehr, dass die EZB im Laufe der nächsten Monate die Zinsen anheben dürfte, schließlich hat sich die Wirtschaft der Eurozone nicht zuletzt aufgrund der Schwäche der deutschen Wirtschaft erheblich abgeschwächt. Das Letzte, das die Konjunktur der Eurozone braucht, sind daher steigende Zinsen.
Meiner Meinung nach dürften viele EZB-Mitglieder in den nächsten Monaten viel über die wahrscheinlich weiter deutlich steigende Inflation reden – und damit mögliche Zinserhöhungen signalisieren, aber absolut nichts dagegen unternehmen. Schauen wir mal, ob ich Recht habe. Sollte der Ölpreis kurzfristig weiter steigen, wovon ich ausgehe, könnten die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen weiter steigen, woraufhin sich der Kursrückgang beim Goldpreis noch etwas ausweiten könnte. Dann gilt es, eine Beruhigung der Lage abzuwarten, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken, denn die mittel- und langfristigen Aussichten für das Edelmetall bleiben meiner Meinung nach glänzend.
