Gibt es tatsächlich irgendwelche Fortschritte in Bezug auf eine mögliche Einigung zur Beendigung des Iran-Kriegs? Als Nächstes rücken die US-Inflationsdaten in den Fokus der Investoren.
Scheinbar kann nichts die Rekordfahrt beim S&P 500 aufhalten: Am Dienstag, 27. Mai, ist der Index auf neue Rekordhochs geklettert. Dabei haben Investoren geradezu panikartig Chipaktien gekauft, nachdem ein Analyst das Kursziel für den US-Hersteller von Speicherchips Micron Technology verdreifacht hatte.
Damit ist der Philadelphia Semiconductor Index, der die Entwicklung der weltweit führenden Halbleiterunternehmen abbildet, allein seit Jahresanfang um 80 Prozent nach oben geschossen, gegenüber dem Stand von vor einem Jahr sind es sogar 173,8 Prozent.
Der Höhenflug am US-Aktienmarkt hat auch den DAX mit nach oben gezogen, womit der Index nur noch knapp unter dem Rekordhoch notiert – dabei ist Öl viel teurer als vor dem Beginn des Iran-Kriegs, während die Zinsen für Bundesanleihen deutlich gestiegen sind. Vor dem Hintergrund macht der Höhenflug beim DAX eigentlich keinen Sinn, oder?
Für Rückenwind an den Aktienmärkten hat in den vergangenen Tagen einmal mehr die Hoffnung auf ein mögliches Ende des Iran-Kriegs gesorgt. Wenn man den Aussagen von US-Präsident Donald Trump und jenen seines Außenministers Marco Rubio Glauben schenkt, dann steht eine Einigung mit dem Iran quasi unmittelbar bevor – so war es am vergangenen Wochenende einmal mehr zu hören, nachdem genau dasselbe schon in den vergangenen Wochen zahllose Male zu hören war.
Und was ist stattdessen passiert? Das US-Militär hat am Montag, 25. Mai, laut eigenen Angaben Raketenabschussstellungen des Iran sowie Minenlegeboote angegriffen. Im Klartext: Der Waffenstillstand steht nur auf dem Papier – und ich bezweifle sehr, dass es irgendwelche Fortschritte zur Lösung des Iran-Kriegs gegeben hat. Dazu liegen auch die Positionen des Iran und der USA viel zu weit auseinander.
Allerdings hat Trump es mit seinen andauernden Ankündigungen zu irgendwelchen „Fortschritten“ geschafft, einmal mehr den Ölpreis nach unten zu reden, woraufhin er eingebrochen ist.
Im Gegenzug sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen deutlich gesunken und liegen aktuell bei nurmehr 4,47 Prozent. Das ist ein Rückgang um 20 Basispunkte (0,20 Prozentpunkte) in gerade mal einer Woche. Das sind herbe 80 Basispunkte auf einen Monat hochgerechnet – das ist eine enorme Bewegung! Trotz der deutlich gesunkenen US-Zinsen ist der US-Dollar lediglich seitwärts tendiert.
Trotz der deutlich gesunkenen US-Zinsen ist der Goldpreis auf aktuell 4.485 US-Dollar gesunken und nähert sich damit allmählich den Fünf-Monats-Tiefs. Das ergibt für mich absolut keinen Sinn. Vielmehr müsste die Notierung des Edelmetalls in dem Umfeld allmählich nach oben drehen.
Den einzigen Grund für den Kursrückgang, den ich mir vorstellen kann, ist, dass Investoren Gold verkauft haben, um das Geld kurzfristig in Chipaktien zu stecken, um dort auf eine weitere Kursexplosion zu wetten. Umso genauer werde ich die Entwicklung bei ihnen und natürlich beim Goldpreis weiter beobachten.
10 Billionen US-Dollar an US-Anleihen werden fällig
Am vergangenen Freitag, 22. Mai, ist Kevin Warsh als neuer Fed-Chef vereidigt worden. Umso genauer werden Investoren darauf achten, was er in den nächsten Wochen und Monaten sagen wird.
Meiner Meinung nach wird er anfangs so tun, als wolle er die anhaltend hohe Inflation bekämpfen. Schlussendlich dürfte er aber Trumps Drängen nachgeben und trotz erhöhter Inflation die Zinsen senken – das bleibt meine feste Überzeugung.
Ich würde mich gerne vom Gegenteil überzeugen lassen, also von einer soliden Geldpolitik, aber sie ist bei einem Schuldenberg auf US-Bundesebene von zuletzt 39,05 Billionen US-Dollar – das ist selbstverständlich Rekord – meiner Meinung nach schlicht nicht mehr möglich.
Das absolut Letzte, was die Regierung brauchen kann, sind steigende Zinsen, zumal laut den Angaben des Finanzministeriums in den nächsten 12 Monaten Anleihen im Volumen von rund 10 Billionen US-Dollar fällig werden. Sie lesen richtig: „10 Billionen US-Dollar“ innerhalb von 12 Monaten.
Warten auf US-Inflationsdaten
Als Nächstes rücken die US-Inflationsdaten in den Fokus, die am Donnerstag, 28. Mai, um 14.30 Uhr (deutscher Zeit) veröffentlicht werden. Diesmal geht es allerdings nicht um die offizielle Inflationsrate, die im Mai von 3,3 Prozent auf 3,8 Prozent nach oben geschossen war und damit das höchste Niveau seit Mai 2023 erreicht hatte.
Diesmal geht es um den PCE-Preisindex. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll er im April deutlich gestiegen sein, von 3,5 Prozent auf 3,8 Prozent. Hingegen soll die Kernrate des PCE-Preisindex – sie ist der bevorzugte Inflationsindikator der Fed – lediglich leicht geklettert sein, von 3,2 Prozent auf 3,3 Prozent.
Ebenfalls um 14.30 Uhr wird die zweite Schätzung zum Wachstum der US-Wirtschaft für das erste Quartal bekanntgegeben. Laut der ersten Schätzung lag es bei annualisiert 2,0 Prozent. Der annualisierte Wert wird errechnet, indem man die Veränderung gegenüber dem Vorquartal mit vier multipliziert.
Je nachdem, wie die Daten zu US-Inflation und -Wirtschaftswachstum ausfallen, könnte das für Ausschläge bei US-Zinsen und US-Dollar und damit an den Aktienmärkten und beim Goldpreis sorgen.
Ich kann nicht ausschließen, dass der Goldpreis kurzfristig noch etwas nachgibt, und das bei möglicherweise sinkenden US-Zinsen. All das ändert meiner Meinung nach allerdings nichts daran, dass die mittel- und langfristigen Aussichten für Gold hervorragend bleiben.
