Obwohl der Ölpreis zuletzt deutlich gestiegen ist, notieren S&P500 und DAX in der Nähe ihrer Rekordhochs, während sich der Goldpreis deutlich erholt hat. Umso gespannter warten Investoren auf die US-Inflationsdaten am Mittwoch.
Die Party an den Aktienmärkten diesseits und jenseits des Atlantiks läuft auf vollen Touren, S&P500 und DAX klettern fast täglich auf neue Rekordhochs. Das ist bemerkenswert, schließlich ist der Ölpreis zuletzt deutlich gestiegen, nachdem der Iran-Krieg eskaliert ist. So hatte das US-Militär ein Schiff unter der Flagge Panamas beschossen, nachdem es versucht hatte, die Blockade der USA zu durchbrechen und einen iranischen Hafen anzulaufen.
Anschließend hatte der Ölpreis kurz nachgegeben, nachdem der Verteidigungsminister Pakistans gesagt hatte, dass sich die USA und der Iran „einer Art von Einigung“ nähern würden. Wie soll das aber gehen, wenn der Iran von den USA fordert, alle Bedingungen des Iran zu erfüllen, damit die Straße von Hormus geöffnet wird?
Die steigenden Ölpreise heizen die Inflationssorgen an und treiben damit die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen deutlich nach oben. Damit nähern sich die Zinsen zusehends dem Mehr-Jahres-Hoch vom Oktober 2023 von knapp unter 5,0 Prozent.
Trotz der deutlich gestiegenen US-Zinsen hat der Goldpreis in den vergangenen Tagen deutlich zugelegt und notiert inzwischen über der Marke von 4.000 US-Dollar je Unze. Das ist mehr als bemerkenswert, oder? Den möglichen Grund hierfür analysiere ich etwas weiter unten.
US-Hyperscaler haben riesigen Kapitalbedarf
Für Aufwärtsdruck bei den US-Zinsen sorgt allerdings nicht nur der steigende Ölpreis, sondern meiner Meinung nach vor allem auch der rapide steigende Kapitalbedarf der Hyperscaler, also der großen Betreiber von Rechenzentren. Die Unternehmen Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta Platforms und Oracle finanzieren den Bau immer neuer Rechenzentren durch massive Schulden und Kapitalerhöhungen, also die Ausgabe neuer Aktien.
Während die obigen fünf Konzerne in den vergangenen Jahren üblicherweise einen Free Cashflow von insgesamt 200 bis 300 Mrd. US-Dollar pro Jahr erwirtschaftet hatten, sagen Analysten für 2026 einen Free Cashflow von insgesamt rund minus 100 Mrd. US-Dollar vorher, also einen herben Cash-Abfluss. Der Free Cashflow wird berechnet, wenn man vom Cashflow aus dem operativen Geschäft die Investitionen abzieht.
Wie gigantisch der Kapitalbedarf durch das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist, zeigt die Meldung von Nvidia vom 10. August. Demnach ist der weltweite Branchenprimus eine Partnerschaft mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR eingegangen, um im Laufe der Zeit mehr als 500 Mrd. US-Dollar bei Dritten einzusammeln.
Dass derartige Nachrichten nicht nur die Zinsen für die Hyperscaler nach oben treiben, sondern auch jene für 10-jährige US-Anleihen, sollte jedermann klar sein, schließlich steigt der Kapitalbedarf insgesamt kräftig, zumal die Schuldensause der US-Regierung weitergeht.
Inzwischen sind die Schulden auf Bundesebene auf den Rekord von 39,9 Billionen US-Dollar gestiegen und werden sehr bald die Marke von 40 Billionen US-Dollar knacken. Bei den US-Schulden gilt offenbar: Only the sky is the limit. (Nur der Himmel ist die Grenze)
Warum steigt der Goldpreis?
Vor dem Hintergrund der deutlich steigenden Zinsen für 10-jährige US-Anleihen frage ich mich klar, warum der Goldpreis dennoch deutlich steigt. Das macht doch auf den ersten Blick eigentlich gar keinen Sinn, oder?
Man könnte natürlich argumentieren, dass die laufende Dollar-Schwemme die Inflation anheizt, was zwangsläufig den Goldpreis nach oben treiben sollte. Allerdings hat es das in den vergangenen Monaten nicht gemacht, also den Goldpreis nach oben getrieben.
Die einzige Erklärung, die für mich Sinn macht, ist, dass die Investoren am Goldmarkt das Heraufziehen einer möglichen weiteren QE-Gelddruckrunde wittern, also eine neue Runde an kräftigen Käufen von US-Staatsanleihen durch die Fed, um so die Zinsen künstlich nach unten zu manipulieren.
Könnte es dazu wirklich kommen, schließlich reden viele „Experten“ nur davon, dass die Fed – vor dem Hintergrund der erhöhten Inflation – den Leitzins von aktuell 3,5 bis 3,75 Prozent anheben müsste, um die Inflation zu bekämpfen. Das würde auch für Aufwärtsdruck bei den Zinsen für 10-jährige US-Anleihen sorgen.
Das Letzte, was die hochverschuldete US-Wirtschaft allerdings gebrauchen kann, sind höhere Zinsen. Schließlich würgen die gestiegenen Zinsen für Hypothekenkredite bereits den Immobilienmarkt ab, während der Absatz von Pkws, Pickups und kleinen Trucks aufgrund der erhöhten Zinsen schon seit etlichen Jahren stagniert. Und dennoch soll die US-Wirtschaft angeblich florieren.
Je stärker die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen kurzfristig weiter steigen sollten und damit die Zinsen für Kredite an Unternehmen und Verbraucher nach oben treiben sollten, umso mehr wird der Druck auf den neuen Fed-Chef Kevin Warsh und seine Kollegen zunehmen, trotz der deutlich erhöhten Inflation den Leitzins zu senken – oder eine neue QE-Runde zu starten – und so die Zinsen insgesamt nach unten zu ziehen. Das würde für Entlastung bei Unternehmen und Verbrauchern sorgen und damit die Konjunktur ankurbeln.
Für viele „Experten“ ist ein Szenario von US-Zinssenkungen derzeit völlig undenkbar, aber warten wir einmal ab, was in den nächsten Monaten passieren wird. Mich würde es nicht überraschen, wenn die „Experten“ einmal mehr falsch liegen würden.
Warten auf US-Inflationsdaten
In dem Umfeld warten Investoren umso gespannter auf die US-Inflationsdaten, die am Mittwoch, 12. August, um 14.30 Uhr veröffentlicht werden. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die Inflationsrate im Juli leicht zurückgegangen sein von 3,5 auf 3,4 Prozent. Ebenso soll die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, leicht zurückgegangen sein von 2,6 auf 2,5 Prozent. Sollten die Daten auch nur minimal besser als erwartet ausfallen, könnten die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen leicht nachgeben, was die Aktienmärkte und den Goldpreis stützen würde.
Am Donnerstag, 13. August, folgen um 14.30 Uhr die US-Produzentenpreise, also die Preise, die die Unternehmen untereinander weitergeben. Auch diese Daten könnten für deutliche Ausschläge bei US-Zinsen und US-Dollar und damit an den Aktienmärkten und beim Goldpreis sorgen. Tags drauf am Freitag werden dann die Daten zu den US-Einzelhandelsumsätzen und dem von der Universität Michigan veröffentlichten Verbrauchervertrauen bekanntgegeben.
Nach dem deutlichen Anstieg des Goldpreises in den vergangenen Tagen sollte sich die Stimmung vieler Investoren deutlich verbessert haben. Das bestärkt mich in meiner Einschätzung, dass das Tief beim Goldpreis hinter uns liegen sollte. In dem Szenario macht es Sinn, die aktuellen Preise zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.
