Welche Folgen die Entwertung des Dollar hat, konnten Anleger im Jahr 2025 unmissverständlich sehen. In dem Umfeld bleiben die Aussichten für Gold und Silber für 2026 glänzend.
Kurz vor Weihnachten eilen Gold und Silber von einem Rekordhoch zum nächsten, wobei der kleine Bruder von Gold klar auf der Überholspur ist. Damit ist der Silberpreis seit Jahresanfang um sensationelle 140 Prozent nach oben geschossen und ist damit praktisch doppelt so stark wie Gold gestiegen (71 Prozent). Dabei verbucht letzteres den größten Kursanstieg seit 1979 (123 Prozent)!
Gleichzeitig kratzt der S&P500 derzeit am Rekordhoch, während die Jahresendrally allmählich Fahrt aufnimmt, zumal Investoren zuletzt wieder bei KI-Aktien zugegriffen haben.
EZB-Chefin Lagarde will Zinserhöhung nicht ausschließen
Bei all den Sachen könnte die EZB-Sitzung vom 18. Dezember bei vielen Anlegern etwas untergegangen sein. Dabei hat die Notenbank die Prognose für das Wirtschaftswachstum der Eurozone für 2026 von 1,0 auf 1,2 Prozent angehoben. Einer der Gründe hierfür sei, dass die Exportwirtschaft der Eurozone – trotz des deutlich gestiegenen Euro und der Strafzölle von US-Präsident Donald Trump – zuletzt etwas besser gelaufen sei als erwartet.
Zudem hat die EZB die Inflationsprognose für 2026 von 1,7 auf 1,9 Prozent nach oben geschraubt.
Außerdem hat die Notenbank den Einlagenzins für die Banken diesmal unverändert gelassen bei 2,0 Prozent und betont, dass die weitere Geldpolitik „Datenabhängig“ sei.
Auf der anschließenden Pressekonferenz hat EZB-Chefin Christine Lagarde gesagt, dass die Geldpolitik „in einer guten Lage“ sei, sprich dass kurzfristig keine Zinssenkung zu erwarten sei.
Bemerkenswert war Lagardes Antwort auf die Frage eines Journalisten nach einer möglichen Zinserhöhung, nachdem EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel zuletzt davon gesprochen hatte (siehe Beitrag „Nach Fed-Sitzung ist vor EZB-Sitzung“).
„Die EZB-Ratsmitglieder sind sich einig gewesen, alle Optionen sollten auf dem Tisch bleiben“, sagte Lagarde für mich völlig überraschend. Sprich auch eine Zinserhöhung sei damit möglich. Ernsthaft? Will uns Lagarde ernsthaft weismachen, dass die EZB in den nächsten Monaten die Zinsen anheben könnte, und das in einem Umfeld in dem die Fed auf Zinssenkungskurs bleiben dürfte?
Eine mögliche Zinserhöhung der EZB halte ich für praktisch ausgeschlossen, zumal die Zinsen für 10-jährige Bundesanleihen, französische und italienische Anleihen in den vergangenen Monaten ohnehin deutlich gestiegen sind, womit die Zinsen für Kredite an Unternehmen und Verbraucher nach oben gedrückt werden, was die Konjunktur in der Eurozone bremst.
Würde die EZB die Zinsen für die Bankeinlagen tatsächlich anheben, während die Fed klar auf Zinssenkungskurs bleiben dürfte, würde der Euro gegenüber dem Dollar noch stärker steigen als ohnehin schon.
Das würde zwar die Inflation in der Eurozone dämpfen, worüber Sie und ich uns freuen würden, nicht aber die EZB. Allerdings würden Produkte aus der Eurozone in den USA noch teuer werden als ohnehin schon, was die Exportwirtschaft der Eurozone und damit die Wirtschaft insgesamt belasten würde.
Aussagen über (eine) mögliche Zinserhöhung(en) der EZB halte ich vor dem Hintergrund für reines Geschwätz! Das sind Fake News und das kann ich absolut nicht ernst nehmen!
Daten aus Deutschland sind besorgniserregend
Zumal die Nachrichten aus Deutschland weiterhin schlecht sind und absolut nichts auf eine mögliche Konjunkturbelebung im Jahr 2026 hindeutet. So ist der ifo Geschäftsklimaindex des ifo Instituts, Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer, im Dezember leicht gesunken von 88,0 auf 87,6 Punkte und hat damit die Schätzungen der Volkswirte von 88,2 Punkten verfehlt. Das war zudem das niedrigste Niveau seit Mai 2025.
Während die Lagekomponente auf niedrigem Niveau stabil geblieben ist, ist die Komponente mit den Geschäftserwartungen etwas zurückgegangen auf 89,7 Punkte, womit der Wert von September egalisiert worden ist, was gleichzeitig das niedrigste Niveau seit Mai war.
Die nächsten Nachrichten vom ifo Institut zeigten leider ein ähnliches Bild: „Unternehmen setzen Stellenabbau fort“ lautete die Überschrift der Meldung vom 19. Dezember, gefolgt von „Jedes vierte Unternehmen rechnet 2026 mit schlechteren Geschäften“ am 22. Dezember. „Die Unternehmen bleiben sehr zurückhaltend – von Aufbruchstimmung ist weit und breit nichts zu sehen“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen.
US-Inflationsdaten sorgen für großes Stauen
Entsprechend bleibt der Fokus der Investoren auf den Konjunkturdaten aus den USA, zumal die US-Inflationsdaten zuletzt „überraschend“ gut ausgefallen sind. So ist die Inflationsrate von September auf November (wegen des Shutdowns sind keine Daten für Oktober ermittelt worden) von 3,1 auf 2,7 Prozent eingebrochen, und lag damit weit unter den Schätzungen der Volkswirte von 3,1 Prozent.
Zudem ist die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, von September auf November von 3,0 auf 2,6 Prozent eingebrochen und lag damit unter den Erwartungen von 3,0 Prozent. Das war zudem der niedrigste Wert seit März 2021.
Bei diesen Daten könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die Inflationsrate in den USA deutlich auf dem Weg nach unten ist, und die Fed ihren Zinssenkungskurs in den nächsten Monaten fortsetzen könnte, oder? Weit gefehlt, denn laut den offiziellen Daten sind im November 34 Prozent der Inflationsdaten geschätzt worden – Sie lesen richtig: „34 Prozent.“
Vor Trumps Amtsantritt lag der Wert allerdings bei „nur“ 8 bis 10 Prozent. Heute werden also 3 Mal so viele Daten wie früher geschätzt, oder anders gesagt künstlich nach unten manipuliert. Damit sind die heutigen Zahlen mit den früheren logischerweise nicht vergleichbar, aber was soll‘s? Das ist absolut kein Thema in den Massenmedien, wer will sich schon mit sowas beschäftigen?
Vielmehr wird Trump in den nächsten Monaten die Mär verbreiten, dass die Inflationsraten weiter zurückgehen würden, weshalb die Fed umso schneller und stärker die Zinsen senken solle. Dass in dem Umfeld Gold und Silber weiter kräftigen Aufwind hätten, versteht sich von selbst.
US-Daten im Fokus
Am Dienstag, 23. Dezember werden eine Reihe von US-Daten veröffentlicht, wie zu den Aufträgen für langlebige Gebrauchsgüter, der Industrieproduktion, dem vom Conference Board veröffentlichten Verbrauchervertrauen, sowie den Verkäufen neuer Häuser.
Je nachdem wie die jeweiligen Zahlen ausfallen, hat das Auswirkungen auf US-Zinsen und Dollar und damit auf S&P500, Nasdaq, Gold und Silber. Um es allerdings offen zu sagen: ich wüsste nicht, was derzeit die Rekordfahrt bei Gold und Silber aufhalten könnte, schließlich hat sich an den fundamentalen Gründen für die Rekordfahrt, also an Trumps Politik niedriger Zinsen und eines schwachen Dollar, absolut nichts geändert.
In den darauffolgenden Tagen ist es ruhig an der Zahlenfront diesseits und jenseits des Atlantiks, schließlich genießen viele Menschen ebenso wie ich Weihnachten. Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben Frohe Weihnachten und nach den Festtagen können wir uns dann wahrscheinlich über die weitere Rekordfahrt bei Gold und Silber freuen.