Das Edelmetall hat zuletzt während des Iran-Kriegs nicht wie ein sicherer Hafen reagiert. Umso wichtiger bleibt die weitere Entwicklung des Kriegs.

Herber Kurseinbruch bei Gold: In Kalenderwoche 12, also zwischen dem 16. und dem 20. März, ist die Notierung des Edelmetalls um 9,4 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag, 13. März, nach unten gerauscht – das war der größte Kursrutsch innerhalb einer Woche seit März 1983.

Grund war diesmal die weitere Eskalation des Iran-Kriegs, woraufhin der Ölpreis der US-Sorte WTI unter großen Schwankungen um die Marke von 100 US-Dollar je Barrel hin- und hergeschwankt ist, womit die Inflationssorgen der Investoren weiter deutlich zugenommen haben.

Schließlich befürchten Investoren, dass die seit dem Beginn des Iran-Kriegs stark gestiegenen Öl- und Gaspreise die Inflation deutlich anheizen werden, woraufhin die führenden Notenbanken, wie die Fed und die EZB, mit deutlichen Zinserhöhungen reagieren könnten.

In dem Umfeld waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen deutlich gestiegen und hatten dabei den Dollar gestützt, woraufhin der Goldpreis deutlichen Gegenwind hatte.

Verschärft wurde die Lage dadurch, dass offenbar viele Investoren auf Kredit auf steigende Goldpreise spekuliert hatten. Als der Goldpreis überraschend auf Talfahrt gegangen ist, waren die Spekulanten gezwungen zu verkaufen, was für zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Notierung des Edelmetalls gesorgt hat.

Ich kann mir allerdings absolut nicht vorstellen, dass die Mitglieder der Fed oder der EZB in dem aktuellen Umfeld tatsächlich über Zinserhöhungen nachdenken. Wieso? Schließlich würgt die deutlich steigende Inflation die Konjunktur ohnehin ab. Wenn die Notenbanken daraufhin auch noch die Zinsen anheben würden, würde das die Volkswirtschaften umso mehr belasten. Daran kann aber weder die Fed noch die EZB ein Interesse haben.

Um es klar zu sagen: Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass die Fed oder die EZB in diesem Jahr die Zinsen anheben könnten. Schauen wir mal in den nächsten Monaten, ob ich richtig liege oder nicht.

Was hatte 1983 für einen Kurseinbruch beim Goldpreis gesorgt? Begonnen hatte es um den 21. Februar, kurz nachdem britische und norwegische Ölproduzenten die Preise gesenkt hatten, woraufhin der Druck auf die OPEC-Länder zugenommen hatte. Schließlich gab es ein Überangebot am Markt.

Den OPEC-Ländern fehlten daraufhin Einnahmen, woraufhin die Länder Gold verkauft hatten, um sich Liquidität zu beschaffen, woraufhin es zu einem Kursrutsch beim Goldpreis gekommen war.

Märkte hängen an Trumps Mund

Zum Start in die neue Handelswoche war der Goldpreis am Montagmorgen bis auf 4.117 US-Dollar kollabiert, ehe der Preis begann, sich deutlich zu erholen.

Für zusätzlichen Rückenwind sorgte wenige Stunden später die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, er habe nach „sehr guten und produktiven“ Gesprächen mit dem Iran das Verteidigungsministerium angewiesen, sämtliche Angriffe auf iranische Stromkraftwerke und Energieinfrastruktur für 5 Tage einzustellen.

Daraufhin war der Ölpreis eingebrochen, obwohl der Iran dementiert hatte, dass es Gespräche mit den USA gegeben habe, während Israel gesagt hatte, es werde den Iran weiter angreifen. Dennoch hatte der zwischenzeitliche Einbruch beim Ölpreis für einen Kurssprung nach oben an den Aktienmärkten und bei Gold gesorgt.

Allerdings ist der Ölpreis anschließend deutlich gestiegen, woraufhin der S&P 500 in die Nähe des Sechs-Monats-Tiefs gesunken war, während der DAX nach der zwischenzeitlichen Erholung nur knapp über den Elf-Monats-Tiefs notiert hatte.

Am Dienstagabend meldete dann ein israelischer TV-Sender, dass die USA einen einmonatigen Waffenstillstand mit dem Iran anstreben, woraufhin der Ölpreis eingebrochen ist und sich im Gegenzug die Aktienmärkte und der Goldpreis deutlich erholt haben.

Mit aktuell 4.555 US-Dollar je Unze notiert der Goldpreis damit um 17 Prozent unter dem Rekordhoch von Ende Januar, gegenüber Ende Dezember 2025 steht allerdings ein Anstieg um 5,5 Prozent zu Buche.

Warten auf US-Verbrauchervertrauen

In den nächsten Tagen gibt es kaum wichtige Konjunkturdaten. Umso mehr dürften Investoren auf die Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen schauen, die die Universität Michigan am Freitag, 27. März, um 15 Uhr (deutscher Zeit) veröffentlichen wird.

Laut den Schätzungen der Volkswirte soll das Verbrauchervertrauen im März deutlich zurückgehen, von 55,5 auf 54,3 Punkte. Mich würde es nicht überraschen, wenn die Daten wegen des Iran-Kriegs schlechter ausfallen könnten als erwartet, wenn sich also die Stimmung der US-Konsumenten stärker verschlechtert hätte als erwartet.

Je nachdem, wie die Zahlen ausfallen werden, könnte das Auswirkungen auf US-Zinsen und den Dollar haben und damit auf den S&P 500, den DAX sowie Gold und Silber.

Gold bleibt aussichtsreich

Ich kann nicht ausschließen, dass es kurzfristig erneut zu einem Kursrutsch bei Gold kommen könnte, gerade falls der Iran-Krieg einmal mehr eskalieren sollte, woraufhin der Ölpreis einmal mehr nach oben schießen würde.

Diese kurzfristige Entwicklung ändert aber absolut nichts an den mittel- und langfristig hervorragenden Aussichten für Gold, absolut nichts! Schließlich sind die USA hoch verschuldet, weshalb der Druck auf den designierten Fed-Chef Kevin Warsh und seine Kollegen hoch sein wird, die Zinsen trotz deutlich erhöhter Inflationsraten möglichst schnell und deutlich zu senken.

Das Gleiche gilt für viele Länder der Eurozone, gerade die hoch verschuldeten Südländer Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland und Portugal. Da die Notenbanker aus diesen Ländern die Mehrheit im EZB-Rat haben, wird der Druck für eine möglichst lockere Geldpolitik immer bestehen bleiben. Solange es den Euro geben wird, wird es diesen Druck immer geben!

Das heißt, dass die EZB meiner Meinung nach weiterhin alles in ihrer Macht Stehende tun wird, um die Inflation möglichst hochzuhalten und damit Ihre und meine Kaufkraft weiter zu vernichten – genauso wie es die EZB in den vergangenen 25 Jahren getan hat.

Umso mehr muss man sich dagegen durch den Besitz von physischem Gold schützen, denn es sollte auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Ihre und meine Kaufkraft weiterhin erhalten.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.