Eine Behauptung von US-Präsident Trump sowie ein massiver Eingriff am Währungsmarkt haben die Aktienmärkte auf Rekordhochs getrieben und auch den Goldpreis beflügelt. Investoren warten auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag.
Die Gier der Anleger ist zurückgekehrt, schließlich ist der S&P 500 innerhalb von lediglich fünf Handelstagen vom Sieben-Wochen-Tief auf ein Rekordhoch nach oben geschossen, während der DAX ebenfalls auf Rekordhochs nach oben geschossen ist. Für Rückenwind am US-Aktienmarkt hatten in der vergangenen Woche die Quartalszahlen von Microsoft und Amazon gesorgt, die den Hype um Künstliche Intelligenz einmal mehr angeheizt haben.
Für kräftigen Auftrieb an den Börsen diesseits und jenseits des Atlantiks hatte anschließend eine Ankündigung von US-Präsident Donald Trump am Sonntagfrüh, 2. August, um 4.05 Uhr deutscher Zeit gesorgt, der zufolge Trump auf Bitten einiger Verbündeter aus dem Nahen Osten von einem erneuten Angriff auf den Iran abgesehen habe und es stattdessen neue Verhandlungen mit dem Iran geben werde.
Zwar hat der Iran Trumps Behauptung über mögliche Verhandlungen dementiert, dennoch ist der Ölpreis eingebrochen. Anschließend ist die Notierung des Energieträgers am Dienstag, 4. August, einmal mehr nach unten gerauscht, als US-Finanzminister Scott Bessent behauptet hatte, es könnte noch am gleichen Tag oder tags darauf eine Einigung mit dem Iran geben.
Wegen des Einbruchs des Ölpreises sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen, die in den Vortagen noch in die Nähe des höchsten Niveaus seit Oktober 2023 geklettert waren, zuletzt bis auf 4,60 Prozent eingebrochen. Das hat die Aktienmärkte nach oben getrieben und gleichzeitig den Goldpreis gestützt.
Für mich hört sich das wie die 97. Verhandlung im Iran-Krieg an, wobei es nie eine Einigung gegeben hat. Dazu liegen auch die Positionen des Iran und der USA viel zu weit auseinander. Einerseits will der Iran die Kontrolle über den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus behalten, andererseits strebt Trump laut seinen Aussagen ein Ende des iranischen Atomprogramms an. Wie soll es da zu einer Einigung zwischen den beiden Parteien kommen?
Für zusätzlichen Auftrieb beim Goldpreis hat zuletzt der Rückgang des US-Dollars gesorgt, nachdem Japan und die USA am 31. Juli gemeinsam am Währungsmarkt interveniert hatten, wobei Japan massiv Yen gekauft hat, um die kollabierende Währung zu stützen. Daraufhin hat der kurzfristige Einbruch beim US-Dollar den Goldpreis gestützt.
Zuletzt ist der Goldpreis bis auf knapp 4.180 US-Dollar je Unze nach oben geschossen, ehe die Notierung etwas nachgegeben hat. Meiner Meinung nach liegt das an charttechnischen Gründen, demnach der Goldpreis aus dem vorherigen Abwärtstrend nach oben ausgebrochen ist und dabei sogar kurz über die 50-Tage-Linie von knapp 4.173 US-Dollar geklettert war. Inzwischen notiert der Preis bei 4.165 US-Dollar und damit knapp unter der 50-Tage-Linie.
Warten auf US-Arbeitsmarktbericht
In den USA läuft die Quartalssaison weiterhin auf vollen Touren, wobei die Aktie des Chipherstellers Advanced Micro Devices nach der Zahlenvorlage am Dienstagabend, 4. August, nach Börsenschluss in den USA eingebrochen ist. Nun wird sich zeigen, ob die Sorge der Investoren vor einem möglichen Platzen der Chipblase zurückkehren könnte. Sollte es tatsächlich dazu kommen, sollte das meiner Meinung nach den Goldpreis beflügeln, weil Geld aus Chipaktien in das Edelmetall umgeschichtet werden könnte.
Nun warten Investoren auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag, 7. August. Laut den Schätzungen der Volkswirte sollen im Juli 88.000 Jobs geschaffen worden sein, nachdem es im Juni lediglich 57.000 Jobs waren, was auf eine Schwäche am Arbeitsmarkt hingedeutet hatte. Zudem soll die Arbeitslosenquote bei 4,2 Prozent stabil bleiben. Je nachdem, wie der Bericht ausfallen sollte, wird das für Ausschläge bei US-Zinsen und US-Dollar sorgen und damit die Aktienmärkte und den Goldpreis beeinflussen.
Wobei, ehrlich gestanden, nichts darauf hindeutet, dass die Rekordfahrt bei S&P 500 und DAX auf absehbare Sicht enden sollte. Meiner Meinung nach wird Trump weiterhin alles in seiner Macht Stehende tun, um den US-Aktienmarkt auf immer neue Rekordhochs zu treiben. Da spielt es auch keine Rolle, dass wir meiner Meinung nach derzeit am US-Aktienmarkt die mit weitem Abstand größte Blase aller Zeiten haben.
Kapitalbedarf der Hyperscaler treibt US-Zinsen nach oben
Um sein Ziel zu erreichen, wird Trump versuchen, mit immer neuen Ankündigungen über einen quasi „unmittelbar bevorstehenden Deal mit dem Iran“ den Ölpreis nach unten zu reden, sprich zu manipulieren, um damit die Zinsen nach unten zu manipulieren.
Möglicherweise könnten die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen aber schon bald wieder nach oben drehen, weil die Hyperscaler als die Betreiber riesiger Rechenzentren wie Amazon, Alphabet und Microsoft im Gegensatz zu den Vorjahren plötzlich einen riesigen Kapitalbedarf haben und in diesem Jahr wahrscheinlich Anleihen im Volumen von mehreren hundert Milliarden US-Dollar platzieren dürften. Kapitalerhöhungen, also der Verkauf zusätzlicher Aktien, könnten hinzukommen.
Gleichzeitig läuft die Schuldensause der US-Regierung weiter auf Hochtouren, während die Kosten des Iran-Kriegs zusätzliche Schulden verursachen. Die Kombination aus Schuldensause bei den Hyperscalern und jener der US-Regierung sollte weiterhin für deutlichen Aufwärtsdruck bei den US-Zinsen sorgen, was auch den US-Dollar mit nach oben ziehen würde.
Damit bekäme der US-Aktienmarkt ebenso Gegenwind wie leider auch der Goldpreis. Umso beeindruckender wäre es, wenn Letzterer dennoch auf Erholungskurs bleiben würde, schließlich kann die US-Regierung nicht zulassen, dass die US-Zinsen steigen, weil sonst die Wirtschaft weiter gebremst wird, während gleichzeitig die Zinsbelastungen der Regierung immer weiter steigen.
In dem Szenario halte ich es weiterhin für sehr unwahrscheinlich, dass die Fed – trotz der deutlich erhöhten Inflation – auf absehbare Sicht die Zinsen anheben könnte. Vielmehr müssen meiner Meinung nach die Fed-Mitglieder überlegen, wie sie durch zusätzliche Anleihekäufe – also nicht nur Käufe von Papieren mit einer Laufzeit bis zu drei Jahren wie derzeit, sondern möglicherweise bald Käufe von Anleihen mit einer Laufzeit bis zu zehn Jahren – die Zinsen nach unten treiben. Sollte der Markt wittern, dass ein derartiges Szenario heraufzieht, dürfte der Goldpreis kräftigen Auftrieb bekommen.
Im Moment sieht es so aus, als ob das Tief beim Goldpreis hinter uns liegen könnte. Jede kleinste positive Nachricht, wie ein weiterer Rückgang der Zinsen für 10-jährige US-Anleihen, sollte den Goldpreis in Richtung der 100-Tage-Linie von 4.421 US-Dollar je Unze treiben. Vor dem Hintergrund könnten Anleger zusehends in den Goldmarkt zurückkehren und den im Vergleich zum Stand von vor ein paar Monaten viel niedrigeren Goldpreis nutzen, um die Bestände an physischem Gold aufzustocken.
