Nach dem zwischenzeitlichen Kursrutsch haben sich die Aktienmärkte und der Goldpreis erholt. Umso wichtiger ist die weitere Entwicklung bei US-Zinsen und US-Dollar.

Kommt die Jahresendrally? Das ist die Frage, die sich wohl viele Anleger stellen. Immerhin ging es zuletzt etwas aufwärts bei S&P500 und DAX, während auch der Goldpreis zugelegt hat. Grund waren die Aussagen des Chefs der Fed von New York, John Williams, der am vergangenen Freitag, 21. November, völlig überraschend eine mögliche Zinssenkung für die nächste Fed-Sitzung am 10. Dezember ins Spiel gebracht hatte.

Daraufhin war die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf rund 80 Prozent nach oben geschossen, die Wahrscheinlichkeit war damit doppelt so hoch wie noch vor einer Woche.

In dem Umfeld sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen weiter gesunken und notieren mit 4,01 Prozent um nur noch ein paar Basispunkte über dem 52-Wochen-Tief von 3,95 Prozent. Das hat auch für Abwärtsdruck auf den US-Dollar gesorgt, womit die Aktienmärkte und der Goldpreis gleich von zwei Seiten aus Rückenwind hatten.

Mit Kursen von rund 4.160 US-Dollar je Unze läuft das Edelmetall damit in Richtung der Rekordhochs von rund 4.400 US-Dollar vom 20. Oktober. Seit Jahresanfang hat die Notierung des Edelmetalls damit um 57 Prozent zugelegt – sensationell!

Für zusätzlichen Rückenwind gerade beim DAX hat zuletzt die Hoffnung auf ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs gesorgt, nachdem die Ukraine dem Plan von US-Präsident Donald Trump „vorläufig“ zugestimmt hatte. Wie es tatsächlich weitergeht, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen.

Deutsche Wirtschaft stagniert weiterhin

Hingegen sind die Nachrichten zur Konjunktur in Deutschland weiterhin unerfreulich. So stagnierte die Wirtschaftsleistung laut der zweiten Schätzung im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal. Damit liegt die Wirtschaftsleistung – unter Berücksichtigung der Inflation – auf dem Niveau vom Herbst 2018. Hinter der hiesigen Wirtschaft liegen also 7 verlorene Jahre.

Im gleichen Zeitraum ist die Weltwirtschaft um rund 18 Prozent gewachsen und Deutschland damit entsprechend kräftig zurückgefallen.

Laut dem ifo-Geschäftsklimaindex deutet nichts auf eine schnelle Konjunkturerholung hin. Der Index war nämlich im November von 88,4 auf 88,1 Punkte gesunken. Während die Unternehmen ihre Lage als leicht besser eingeschätzt haben, sind ihre Erwartungen etwas gesunken.

Die einzige „Hoffnung“ für die Konjunktur im nächsten Jahr bleibt lediglich die geplante Schuldensause der Bundesregierung. Sie dürfte zweifellos für ein Strohfeuer sorgen, zumal wenn die Schuldensause in den darauffolgenden Jahren weitergehen sollte.

Sollte die Bundesregierung die Zeit aber nicht für Reformen nutzen, wird der Arbeitsplatzabbau hierzulande weitergehen. Leider sind die mittelfristigen Aussichten für die deutsche Wirtschaft so schlecht wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.

Je größer aber die Schuldensause hierzulande sein sollte in den nächsten Jahren, umso mehr Schulden könnten auch die hochverschuldeten Südländer in den nächsten Jahren machen, womit die Inflation angeheizt würde.

Umso wichtiger ist es, sich gegen den drohenden weiteren Rückgang der Kaufkraft mit physischem Gold zu schützen. Meiner Meinung nach sollte der Goldpreis in den nächsten Jahren in sämtlichen Fiat-Währungen weiterhin auf Rekordfahrt sein, auf US-Dollar-Basis genauso wie auf Euro-Basis oder Schweizer Franken oder japanischem Yen usw.

Warten auf US-Daten

Am Mittwoch, 26. November, werden eine Reihe von US-Konjunkturdaten veröffentlicht, ehe tags drauf am Donnerstag Erntedankfest in den USA gefeiert wird und die Börsen damit geschlossen sind. So werden unter anderem Daten zu den Verkäufen neuer Häuser oder zur Inflation veröffentlicht, ehe am Abend die Fed den Konjunkturbericht Beige Book veröffentlicht.

Je schwächer die US-Konjunkturdaten ausfallen sollten, umso mehr sollte sich die Talfahrt bei den US-Zinsen beschleunigen, was auch den US-Dollar mit nach unten ziehen könnte. In dem Szenario bekämen die Aktienmärkte und gerade der Goldpreis weiteren Rückenwind. Umso genauer werde ich mir die Daten und gerade die Reaktion der Märkte darauf anschauen.

Wie ich in den vergangenen Wochen etliche Male geschrieben habe, hat sich trotz des zwischenzeitlichen Kursrutsches nach unten beim Goldpreis an den mittel- und langfristigen Perspektiven für das Edelmetall absolut nichts geändert. Sie sind genauso glänzend wie zuvor.

Umso mehr Sinn macht es, die aktuellen Kurse zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken, denn meiner Meinung nach sollte die Rekordfahrt beim Goldpreis in den nächsten Monaten und Jahren klar weitergehen.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.